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Prävention gegen den Leerstand

Konkurrenz am Stadtrand und Onlinegeschäft Prävention gegen den Leerstand

Eine Stärkung des Einzelhandels in den Städten hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Niedersachsen im Juli in einer Studie gefordert. Der Grund: Einkaufszentren am Stadtrand und das zunehmende Onlinegeschäft setzten die Innenstadtkaufleute unter Druck. Selbst in der Göttinger City sinkt die Kundenfrequenz.

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Hohe Leerstände in der Innenstadt von Hann.Münden.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. Von - zum Teil jahrelangen - Leerständen, insbesondere in den Seitenstraßen, berichten Sprecher des Einzelhandels etwa in Hann. Münden, Northeim oder Osterode „Betroffen vom Strukturwandel sind vor allem die Dörfer und Kleinstädte“, berichtet Martin Rudolph, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Göttingen. Das habe auch, aber nicht nur mit dem demografischen Wandel zu tun.

Einkaufszentren als ­Herausforderung

„Eine große Herausforderung sind die Einkaufszentren auf der grünen Wiese“, meint Rudolph. In Göttingen sei derzeit die Ansiedlung eines XXXL-Möbelmarkts an der Autobahn ein Thema. Die Fläche des geplanten Markts sei bereits von 33 000 Quadratmeter auf 25 000 Quadratmeter verringert worden. Die IHK verlange, dass das innenstadtrelevante Sortiment nicht mehr als 800 Quadratmeter ausmachen dürfe.

Apotheker Jens Herbort vom Vorstand der Mündener Gilde wird emotional, wenn es um den geplanten Möbelmarkt geht. „Es ist doch scheinheilig, wenn die Politik solche Großprojekte erlaubt und gleichzeitig Runde Tische zur Rettung der Innenstädte organisiert“, schimpft er. Schon die Genehmigung des Kauf Parks und dessen Erweiterung seien „große Fehler“ gewesen. Unter den Folgen litten die Einzelhändler der Region bis heute. Auch die Politik in Hann. Münden erkenne nicht, „welche Stunde“ geschlagen habe. Derzeit sei eine „inaktzeptable Vergrößerung“ von Einzelhandelsflächen außerhalb der Innenstadt im Gespräch.

„Befürchtungen“ wegen des Möbelhauses in Göttingen hegt Buch- und Schreibwarenhändlerin Doris Ohlmer, Sprecherin des Einzelhandelsverbands Northeim. Eine „Fehler“ habe zudem der Rat der Stadt Northeim vor ein paar Jahren mit der Genehmigung des Fachmarktzentrums In der Fluth gemacht. Dort würden unter anderem Schuhe, Textilien und Drogerieartikel verkauft, was die Innenstadt „spürbar“ treffe. Solcher „Wildwuchs“ werde künftig durch das neue Einzelhandelsgutachten, das der Rat Anfang des Jahres verabschiedet habe, wohl ausgeschlossen. Die Leerstände, etwa im östlichen Bereich der Breiten Straße, der Verlängerung der Haupteinkaufsstraße, seien aber nicht zu übersehen.

„Das Land hat das Problem mit dem großflächigen Einzelhandel erkannt und beim Landesraumordnungsprogramm nachgebessert“, sagt Eckhard Lammers, der Sprecher der IHK Niedersachsen für Raumordnung und Regionalpolitik. Künftig, so sehe es die Änderungsverordnung vor, seien wieder zentrale Orte vor einem Abzug übermäßig hoher Kaufanteile durch neue Einzelhandelsprojekte in anderen zentralen Orten zu schützen. Dagegen hätten vor ein paar Jahren Investoren erfolgreich geklagt. Eine Arbeitshilfe des Landes lege nun genau fest, was unter „übermäßig hohen Kaufanteilen“ zu verstehen sei. Verwaltung und Politik müssten den innerstädtischen Handel stärken, fordert er in der von ihm vorgelegten Studie.

Die zweite Herausforderung, die Lammers anspricht, ist der Onlinehandel. „Das Geschäft übers Internet wächst seit geraumer Zeit um zehn Prozent im Jahr, das geht an keiner Stadt spurlos vorüber“, sagt Frederike Breyer, Geschäftsführerin von Pro-City Göttingen. In Göttingens Einkaufsmeile, der Weender Straße, sei die Kundenfrequenz an einem Sonnabendnachmittag vom Zehn-Jahres-Mittel von 4890 Bürgern auf 4560 Personen pro Stunde gefallen. „Jedes vierte Buch wird heute online verkauft“, ergänzt Einzelhändlerin Ohlmer aus Northeim Northeim. Sie habe reagiert. Kunden könnten bei ihr mittlerweile online Bücher bestellen und am nächsten Tag abholen. „Noch nutzen nur wenige dieses Angebot, aber es werden mehr“, sagt Ohlmer.

„Einzelhändler müssen heute mit ihrem Sortiment, ihren Öffnungszeiten und Angaben zum nächsten Parkplatz im Internet präsent sein“, kommentiert Breyer von Pro-City. Auf der Seite einkaufen-in-goettingen.de, die seit Anfang des Jahres in Aufbau sei, gebe es entsprechende Informationen. „Viele Bürger wollen vor Ort einkaufen“, meint Rolf Grönig, der dem Verein Tourismus und Marketing Osterode vorsitzt. Dazu müssten sie die örtlichen Geschäfte aber im Internet zu finden sein.

„Ein bunter Mix an Läden machen eine Innenstadt attraktiv“, betont Breyer von Pro-City. Er trage gemeinsam mit den Gaststätten und Kneipen, den Kultur- und Freizeiteinrichtungen mit dazu bei, dass das „Herz einer Stadt“ schlage. „Auch die Hauseigentümer können einen Beitrag leisten, in dem sie marktgerechte Mieten verlangen und in ihre Häuser investieren“, betont Grönig aus Osterode.

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