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Keine Hungersnöte mehr

Erntevorgespräch der VR-Bank Keine Hungersnöte mehr

Eine flammende Verteidigungsrede für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln: Agrarwissenschaftler Prof. Andreas von Tiedemann hat beim Erntevorgespräch der VR-Bank in Südniedersachsen Gegnern der Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmittel „Geschichtsvergessenheit“ und „Emotionalisierung“ vorgeworfen.

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Quelle: Patrick Pleul/dpa (Symbolfoto)

Dransfeld. Auf eines lege er großen Wert, betonte der Leiter der Abteilung Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz der Universität Göttingen gegenüber seinen rund 200 Zuhörern: „Ich bin kein Lobbyist, sondern unabhängiger Wissenschaftler.“ Als solcher gründe er seine Aussagen auf Fakten. An Skandalisierung und Stimmungsmache sei ihm, anders als vielen Interessenverbänden, Medien und Parteien, nicht gelegen.

Gegnern des Einsatzes von Pestiziden unterstellte der 59-Jährige, einer romantischen Verklärung von Natur nachzuhängen, die mit der Realität nichts zu tun habe. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein - der erste Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfolgte 1885 - seien auch westliche Gesellschaften immer wieder von Hungersnöten heimgesucht worden. Heute sei Mangel jedoch nicht mehr bekannt: „Wären die Regale auf einmal leer, würden die Menschen anders denken.“

Völlig überschätzt werde die gesundheitliche Gefahr, die von Pflanzenschutzmitteln ausgehe. So seien über 95 Prozent nach dem Gefahrstoffrecht überhaupt nicht als giftig klassifiziert. Beim Rest betrage die erlaubte Rückstandsmenge in einem Ernteprodukt gerade mal 0,1 Prozent vom Grenzwert, also ein Tausendstel der Menge, „ab der die Möglichkeit besteht, dass die Gesundheit gefährdet sein könnte“.

Was die Belastung des Trinkwassers durch Rückstände angehe: Sie sei so gering, dass ein Mensch über Jahre hinweg jeden Tag rund 300 Liter trinken müsste, um Schäden davonzutragen. Überhaupt seien die Kriterien für die Einführung eines neuen Pestizids strenger als die für ein neues Medikament. Die Forschungs- und Entwicklungskosten betrügen für jedes neue Mittel zwischen 200 und 250 Millionen Euro, was mittelständische Firmen nicht stemmen könnten, den Kritikern aber ein bequemes Feindbild liefere: die „bösen Großkonzerne“.

Kritik am Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sei etwas, das sich die westliche Zivilgesellschaft leisten könne, so von Tiedemann zum Abschluss. Nicht aber die Menschen in weniger entwickelten Ländern: Wenn sich die landwirtschaftliche Produktion nicht steigere - was ohne den Einsatz von Pestiziden nicht möglich sei - werde nämlich angesichts der Bevölkerungszunahme jedem Menschen im Jahr 2050 eine tägliche Versorgung von gerade mal 2100 Kalorien zur Verfügung stehen, was einer Unterversorgung von 400 Kalorien entspreche.

Pflanzenschutzmittel und Landwirtschaft

Weizen, Reis, Mais, Kartoffeln und Soja machen, so von Tiedemann, etwa 90 Prozent der Weltnahrungsmittel aus. Pro Jahr geht etwa ein Drittel ihrer Ernte durch Krankheiten und Schädlinge verloren.
Ohne Pflanzenschutzmittel wären es zwei Drittel.
Die Gelbrost-Epidemie, die sich seit 2010 in Europa ausbreitet, hätte ohne den Einsatz von Pestiziden 60 Prozent der Weizenernte vernichtet. Ohne den Einsatz von Pestiziden würde für Weizen, Gerste, Raps und Kartoffeln eine doppelt so große Anbaufläche benötigt.
Der völlige Verzicht auf Pflanzenschutzmittel in Deutschland würde – je nach Schätzung – einen Ernterückgang von 20 bis 50 Prozent bedeuten. Durch einen weltweiten Verzicht wäre die Versorgung mit Obst, Gemüse und Kartoffeln starken Schwankungen unterlegen, Bier und Kaffee wären kaum noch verfügbar.
Die derzeitige landwirtschaftliche Produktion müsse um rund 100 Prozent gesteigert werden, um 2050 alle Menschen auf der Welt adäquat ernähren zu können.

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