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Firma CryoCryst entwickelt X-Tempo

Verknüpfung der Atome Firma CryoCryst entwickelt X-Tempo

„Ein- und dieselbe Substanz kann ganz unterschiedlich wirken, je nachdem wie die Atome miteinander verknüpft sind“, sagt der Göttinger Chemie-Professor und Gründer der Firma CryoCryst, Dietmar Stalke (56). Mit diesem Phänomen ist der Wissenschaftler bereits während seiner Kindheit konfrontiert worden.

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Chemie-Professor  in seinem Labor: Dietmar Stalke. Gründer der Firma CryoCryst.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Damals brachten zahlreiche Frauen, die während der Schwangerschaft das Beruhigungsmittel Contergan eingenommen hatten, missgebildete Kinder zur Welt.

„Der Wirkstoff beruhigt, wenn seine Moleküle eine sogenannte rechtsdrehende Struktur haben. Sind sie linksdrehend, schädigen sie heranwachsendes Leben“, erläutert Stalke.

Für die Pharmaindustrie, aber auch andere Branchen ist es daher wichtig, Informationen über die Verknüpfung von Atomen zu bekommen. Antworten gibt die Strukturanalyse von Stoffen mittels Röntgenstrahlen. Dieses Verfahren ist von Max von Laue und dem Göttinger Nobelpreisträger Peter Debye 1912 entwickelt worden.

„Voraussetzung ist allerdings, dass der Stoff in kristalliner Form vorliegt“, betont Stalke. Flüssigkeiten und Gase lassen sich nicht untersuchen. Mit solchen Stoffen befasste sich Stalke jedoch in seiner Habilitationschrift. Um ihre Struktur zu analysieren, entwickelte er ein spezielles Gerät, das X-Temp2.

Es kühlt den Untersuchungsstoff mit flüssigem Stickstoff auf bis zu minus 150 Grad Celsius herunter. Bei solchen Temperaturen bilden auch Flüssigkeiten und Gase Kristalle und lassen sich untersuchen.

„Meine Veröffentlichung über dieses Verfahren ist 900 Mal zitiert worden, hat also erhebliche Beachtung gefunden“, berichtet Stalke. Kollegen baten ihn, ein solches Gerät für sie zu bauen. Sie benötigten es für eigene Forschungen. Stalke ließ das X-Temp2 fertigen. „Eine eigene Firma zu gründen, war damals aber für einen Wissenschaftler undenkbar“, erinnert er sich. Erst in den letzten Jahren habe sich das geändert. Ausgründungen seien jetzt willkommen.

Der Gesetzgeber hat die Universitäten zwischenzeitlich verpflichtet, Erfindungen von Forschern wirtschaftlich zu vermarkten. So gründete Stalke 2010 die Firma CryoCryst, die  fünf Personen, alles Uni-Mitarbeiter, beschäftigt: Elektroniker, Feinmechaniker und Schlosser. Nach Feierabend haben sie in den vergangenen Jahren etwa 100 Geräte gefertigt, die bis zu 15 000 Euro pro Stück kosten.

Zu seinen Kunden zählen unter anderem das Massachussetts Institute of Technology, die Universität Sydney oder die King-Abdullah-Universität in Saudi-Arabien. „Wissenschaftler erhalten das X-Temp2 nahezu zum Selbstkostenpreis, Pharmaunternehmen zahlen mehr“, verrät der Geschäftsführer.

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