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Forschungsprojekt der Uni Göttingen untersucht "Sharing Economy"

Neue Zukunft für ein uraltes Prinzip Forschungsprojekt der Uni Göttingen untersucht "Sharing Economy"

Mit 1,2 Mio. Euro fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein Forschungsprojekt zum Thema nachhaltige Wirtschaft. Verschiedene Ansätze über Teilen und gemeinsames Nutzen haben sich weltweit entwickelt.

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Quelle: Heller

Göttingen. Eine „Sharing Economy“ – ein auf gegenseitiges Geben und Teilen zwischen Menschen beziehungsweise innerhalb von Gemeinschaften basierendes Miteinander – ist ein uraltes Phänomen. Aus dem Geschichtsunterricht kennt man vielleicht noch die mittelalterliche Allmende, gemeinschaftlich genutzte Bereiche wie Wiesen, Wald oder Fischteiche. Die Stadt Göttingen zählt heute noch 17 Standorte, an denen öffentliche Obstbäume von der Allgemeinheit abgeerntet werden dürfen.

So alt das Prinzip ist, so breit und vielfältig sind die heutigen Ansätze, die unter dem neudeutschen Label der Sharing Economy ihren Platz finden und eine ganz neue, nämlich weltweite Dynamik entfalten. „Sharing Economy ist in den vergangenen Jahren zu einem hoch relevanten Thema geworden“, betont Prof. Indre Maurer. Die Wirtschaftswissenschaftlerin an der Universität Göttingen leitet die Göttinger Forschergruppe im Verbundprojekt „ISHARE“ zur Untersuchung des Beitrags der Sharing Economy zum nachhaltigen Wirtschaften in Deutschland. Seit Mai wird es vom Bundesbildungsministerium mit 1,2 Mio. Euro gefördert. „Die Trends der Nachhaltigkeit und der Digitalisierung kommen darin zusammen und ermöglichen es, das Teilen und Tauschen neu zu interpretieren – sei es über Apps, um geparkte Autos zu finden, oder Foren, um Sachen zu tauschen. Das dehnt den Kreis der potenziellen Nutzer stark aus.“

Das heutige Phänomen ist tatsächlich noch ein sehr junges. Der Begriff der Sharing Economy wurde das erste Mal in den 80er Jahren verwendet. 2010 verhalf dann das Buch „What’s mine is yours“ von Rachel Botsman und Roo Rogers dem Thema zu einer breiteren Öffentlichkeit, 2013 machte auch die Cebit in Deutschland Sharing Economy zu einem Top-Thema.

„Wir beobachten schon länger ein anwachsendes Bewusstsein für nachhaltigen Konsum und Produktion“, beschreibt Maurer die gesellschaftlichen Entwicklungstrends, die für den Erfolg von Sharing Economy-Konzepten maßgeblich waren. „Hinzu kommen die digitalen Möglichkeiten der Vernetzung und zuletzt die Bevölkerungskohorte der Digital Natives, für die es relativ normal ist, sich in virtuellen und temporären Gemeinschaften zu bewegen. Für sie ist das Teilen und Tauschen zwischen im Grunde fremden Personen in Ordnung oder sogar cool.“

Und was kann man sich unter Sharing Economy nun konkret vorstellen? „Teile, Tauschen oder Verleihen kann sehr viele Lebensbereiche betreffen“, sagt Maurer. „Lebensmittel, Medien, Kleider, Wohnraum, Autos, aber auch Versicherungen oder gemeinschaftliches Bepflanzen von öffentlichen Grünflächen mit Nutzpflanzen – Urban Gardening genannt.“ Und ebenso gibt es viele Akteure, die von dem Trend angesprochen werden, sich dort engagieren, teils große Gewinnmargen einfahren – teils aber auch wirtschaftlich betroffen sind und mit neuen Wettbewerbern aus der Sharing Economy konkurrieren: Beispiel Uber, gegen das die Taxi-Unternehmerschaft Sturm läuft.

Also viele Ansätze für das interdisziplinäre Forschungsprojekt „ISHARE“, an dem neben Göttingen auch die Universitäten Mannheim und Augsburg sowie die Hertie School of Governance in Berlin beteiligt sind. „Wir wollen uns mit den positiven Aspekten befassen, aber auch die vorhandene Kritik an der Sharing Economy ernst nehmen. Dabei haben wir immer die praktische Anwendbarkeit unserer Forschungsergebnisse vor Augen.

Letztlich wollen wir bestimmen, ob und auf welche Weise die Sharing Economy das Versprechen einlösen kann, ökonomische Ziele in Kombination mit ökologischen Zielen und sozialen Zielen zu erreichen“, betont Maurer. „Wissenschaftlich sind wir aber noch weit davon entfernt zu verstehen, wie genau die Sharing Economy funktioniert, schon alleine weil die Trennlinie zwischen Eigentümern, Anbietern und Nutzern hier verschwimmt. Das erfordert von uns allen ein Umdenken. In einem ersten Schritt wollen wir daher Organisationen der Sharing Economy in Deutschland und ihre Geschäftsmodelle identifizieren und systematisieren.“

Dass das Thema nicht nur gesellschaftlich und wissenschaftlich auf großes Interesse stößt, sondern auch wirtschaftlich, haben die Wissenschaftler bei der Suche nach Kooperationspartnern gemerkt. Große Technologieunternehmen sind dabei, Organisationen der Sharing Economy, aber auch Kommunen wirken mit. Zudem sind weitere Forschungseinrichtungen, unter anderem auch aus Sydney und Stanford, assoziiert. Seien es neue Geschäftsmodelle, ein Gespür für „die neuen Kunden“ oder die zukünftige Gestaltung des Lebensraumes Stadt – die Motivationen sind vielfältig und haben Indre Maurer überrascht: „Ich habe noch nie erlebt, dass bei einem Forschungsprojekt so viele so schnell mitmachen wollten.“

Von Sven Grünewald

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