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Furcht vor der Umstellung

Öko-Landwirtschaft in Südniedersachsen liegt hinter dem Bundestrend zurück Furcht vor der Umstellung

In Deutschland ist die Zahl der Biobetriebe von 2014 auf 2015 um 5,7 Prozent auf 24736 gewachsen. 6,5 Prozent der Ackerfläche bundesweit werden mittlerweile ökologisch bewirtschaftet. Ein Trend, der an Südniedersachsen vorbeigeht. Viele Bauern scheuen sich vor der Umstellung.

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Biogemüse aus Dramfeld: Claudia Schmalenbach mit Tomaten.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. 94 Betriebe im Landkreis Göttingen wirtschafteten 2015 ökologisch und damit ebenso viele wie 2013, 51 davon sind landwirtschaftliche Erzeuger. In den Kreisen Northeim (61) und Osterode (25) ist hingegen ein leichter Anstieg der Zahl der Öko-Betriebe zu verzeichnen. Insgesamt wird auf rund vier Prozent der südniedersächsischen Höfe ausschließlich biologisch angebaut, was deutlich unter dem Bundesschnitt von 8,7 Prozent liegt.

"Der Absatzmarkt für Bio boomt, aber die Produktionsseite tut sich schwerer als die öffentliche Wahrnehmung vermuten lässt. Viele Bauern sehen keine Chance, dauerhaft zu bestehen und stellen daher nicht um", sagt Achim Hübner, Geschäftsführer des Landvolks Göttingen. Als alternative Strategie habe sich stattdessen die regionale Vermarktung frisch produzierter Erzeugnisse erwiesen.
2009 hat zuletzt ein Bauer im Landkreis Göttingen umgestellt: Franz Kühne aus Bodensee. Von der Schweinemast auf ökologischen Ackerbau – mit überwältigendem Erfolg. "Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht, selbst in diesem Jahr war die Ernte hervorragend", betont Kühne.

Da er sich selbst ausschließlich ökologisch ernährt, sei er vor sieben Jahren "auf den Trichter" Bioanbau gekommen. "Es bedarf am Anfang etwas Mut, man muss über den Tellerrand hinausschauen." Beispielsweise ist eine sehr gute Kenntnisse der Böden und über den Humusgehalt wichtig, auch der Zeitpunkt der Aussaat müsse bedacht werden. "Wir säen später, dadurch ist unser Getreide weniger anfällig für Krankheiten", informiert Kühne, der sich zunächst daran gewöhnen musste, dass "auch mal Unkraut auf dem Feld stehen bleibt".

Deswegen sei er gar von einigen Kollegen angefeindet worden, die fürchteten, dass Distelsamen auf ihre Felder geweht werden. Mittlerweile betreibt der 61-Jährige unter anderem Kooperationen mit Hühnerbetrieben, denen er Futter liefert und im Gegenzug Hühnermist bekommt, und will im nächsten Jahr erstmals die gefragten Zuckerrüben anbauen. Die Umstellung habe sich für ihn rundum gelohnt, so Kühne. Auch seinen Schwiegersohn Hubert Borchardt aus Westerode habe er überzeugen können, im nächsten Jahr umzustellen.

Wenngleich die Schädlingsbekämpfung deutlich schwieriger sei als bei der herkömmlichen Bewirtschaftung und es vom Land "wenig Unterstützung" gebe, ist auch Nasser Kardgar, der gemeinsam mit seiner Frau Claudia Schmalenbach seit 2000 den Bioland-Betrieb Biogemüse in Dramfeld betreibt, zufrieden mit Arbeit und Ertrag im Biosektor. Der aus dem Iran stammende studierte Architekt sagt: "Ein überzeugter Bauer sieht über kleine Probleme hinweg. Ich freue mich, wenn es Land und Tieren gut geht und die Produkte viel, viel besser schmecken."

Förderung für Ökobauern

"Die Umstellung von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft ist eine Herausforderung", sagt Steffen Döring, Berater bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Damit zukünftig mehr Betriebe ökologisch wirtschaften, braucht es Anreize und Fördermaßnahmen. Derzeit wird die Umstellung in den ersten beiden Jahren mit 364 Euro pro Hektar Ackerfläche und Grünland unterstützt. In den nachfolgenden Jahren sind es 234 Euro pro Hektar. Diese Fördersätze sollen für die Umstellung von 364 auf 403 und für die Beibehaltung von 234 auf 273 Euro ansteigen. Das muss allerdings noch von der EU-Kommission genehmigt werden. Gemüse wird in den ersten zwei Jahren mit 900 Euro pro Hektar bezuschusst, eine Dauerkultur mit 1275 Euro pro Hektar. Zusätzlich wird ein Kontrollkostenzuschuss von 50 Euro pro Hektar bis maximal 600 Euro je Unternehmen gewährt.

Im Gegenzug verpflichten sich die Landwirte dazu, ihren gesamten Betrieb ökologisch zu bewirtschaften und spätestens einen Monat nach Umstellung für die gesamte Förderdauer strengen Kontrollverfahren zu unterstellen. "Der Einsatz chemisch-synthetischer Düngemittel ist dann nicht mehr erlaubt, außerdem muss Öko-Saatgut verwendet werden", erklärt Döring. Kulturen, die 24 Monate nach Umstellungsbeginn ausgesät werden, können von den Bauern nach der Ernte als Ökoprodukt deklariert werden. Die Ernteerträge liegen bei 30 bis 50 Prozent der konventionellen Bewirtschaftung.

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