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Göttinger Delegation stellt duale Ausbildung in Spanien vor

„Gelebter europäischer Gedanke“ Göttinger Delegation stellt duale Ausbildung in Spanien vor

Vom 19. bis 22. April war eine Delegation aus Göttingen in der spanischen Provinz Navarra und stellte dort das deutsche duale Ausbildungssystem vor.

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Michael Hamel und Sabine Schlüer (v.l.) beim Vortrag in Pamplona.

Quelle: EF

Göttingen/Pamplona. Hintergrund sind die bereits seit mehreren Jahren existierenden Verbindungen, die durch das Adelante!-Programm der Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK) in die nordspanische Industrieregion bestehen. Über Adelante werden spanische Jugendliche nach Südniedersachsen geholt, um hier nach einem Praktikum in eine betriebliche Ausbildung einzusteigen. „Maßgeblich zu verdanken ist die Verbindung Maria Casan von der Volkshochschule Göttingen, die mit großem Engagement diese Kontakte aufgebaut hat“, betont Martin Rudolph, Leiter der Göttinger IHK-Geschäftsstelle.

2014 bereiste bereits eine Gruppe aus Navarra Südniedersachsen, um sich hier über das duale Ausbildungssystem zu informieren. Dazu gehörten Ordensmitglieder der Salesianer, die in Spanien viele Berufsschulen betreiben, Vertreter der Handelskammer Pamplona und Mitglieder des dortigen Unternehmerverbandes CEN. Vor Ort in der Provinz Navarra treiben sie Projekte zur Einführung eines dualen Systems voran. Einer der Gründe für das Interesse an der dualen Berufsausbildung ist die immer noch hohe Jugendarbeitslosigkeit. In Navarra beträgt sie etwa 20 Prozent, während sie landesweit bei etwa 50 Prozent liegt.

Bisher ist die Berufsausbildung in Spanien eine eher theorieorientierte, an zwei Jahre Berufsschule schließt sich ein dreimonatiges Betriebspraktikum an, anschließend bewerben sich die Absolventen auf dem Arbeitsmarkt. In Deutschland sind die Auszubildenden hingegen zeitgleich in die praktischen Betriebsabläufe und eine theoretische Ausbildung eingebunden und dabei bereits bei einem Unternehmen beschäftigt.

Nun folgte der Gegenbesuch, an dem IHK, Mahr, Klartext, die BBS Duderstadt und die VHS Göttingen teilnahmen. Auf einem zweitägigen Seminar referierten die Deutschen darüber, wie sich das duale System aus Unternehmenssicht darstellt und welche Vorteile es für Unternehmen bietet. Anschließend wurden spanische Einrichtungen und Unternehmen besucht. „Auch wir haben viel gelernt“, sagt Sabine Schlüer, Personalerin bei Mahr. „Zum Beispiel, wo unsere spanischen Adelante-Jugendlichen mit ihrer guten Ausbildung eigentlich herkommen.“ Und Michael Hamel, Geschäftsführer bei Klartext, ergänzt, wie sehr ihn die traumhafte Ausstattung der Berufsschulen beeindruckt hat. „Da könnte sich unser Staat einiges abgucken.“

Der europäische Austausch gewinnt zunehmend auch für Unternehmen an Bedeutung und damit die interkulturellen Erfahrungen sowie die nicht zu unterschätzenden Kontakte in andere Märkte. Daher sei der Besuch keineswegs als „deutsche Entwicklungshilfe“ misszuverstehen. „Es ist der gelebte europäische Gedanke, sich gegenseitig zu unterstützen und voneinander zu lernen“, fasst es Martin Rudolph zusammen.

Von Sven Grünewald

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