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Göttinger Max-Planck-Gesellschaft will ländliche Gegenden mobilisieren

Mit Mathematik Göttinger Max-Planck-Gesellschaft will ländliche Gegenden mobilisieren

Das Max-Planck Institut für Dynamik und Selbstorganisation nimmt das ländliche Südniedersachsen in den Blick. Das Projekt EcoBus soll auf Abruf individuelle Transportwünsche ermöglichen – auch in Dörfern, die inzwischen kaum noch an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angebunden sind.

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Die EcoBus-Köpfe (v.l.): Marc Timme, Andreas Sorge, Stephan Herminghaus, Carolin Hoffrogge-Lee.

Quelle: CH

Göttingen. Das Problem ist nicht neu: Busverbindungen in entfernte Dörfer werden zu teuer. Wird ein Dorf jedoch vom Nahverkehr in die Zentren abgeschnitten, ist es als Wohnort kaum noch attraktiv. Politisch ist dies ein echtes Dilemma.

 
Eine Forschergruppe am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS), bestehend aus Stephan Herminghaus, Carolin Hoffrogge-Lee, Andreas Sorge und Marc Timme, glaubt nun, eine Lösung für dieses Dilemma gefunden zu haben: ein flexibles Netz von Kleinbussen in der Region einzusetzen, die auf Bestellung abseits des Linien- und Haltestellennetzes quasi bis vor die Haustür kommen könnten und ihre Fahrgäste einsammeln.

 
Aus Sicht eines Fahrgastes sieht das dann so aus, dass er via App dem EcoBus-System mitteilt, wo er hinwill. Das System weiß, wo welche Kleinbusse unterwegs sind, kann die Anfrage in die aktuelle Route des nächsten Wagens einbauen und ihn spontan umlenken. Die App teilt dann mit, wann und wo der Wagen eintreffen wird und wie viel es kosten wird. Je dichter das Kleinbusnetz und je mehr Nutzer, desto höher die Flexibilität.

 
Die Herausforderung für einen reibungslosen Betrieb besteht in einem mathematisch sehr komplexen Optimierungsproblem für die Routenfindung. Erst, wenn die Software im Kern von EcoBus dieses Problem im Griff hat, funktioniert es. Die Wirtschaftlichkeit ist hingegen vergleichsweise leicht erreichbar, so Prof. Stephan Herminghaus. „Bereits bei einer handvoll Fahrgästen in einem Kleinbus kommt man bei einem bestimmten Umweg in den Bereich der Kostendeckung – selbst, wenn der Kilometerpreis nicht höher als bei einem Pkw liegt.“

 
Mit EcoBus wollen die Wissenschaftler eine Win-Win-Situation für Kommunen und ÖPNV schaffen. Die Ergänzung und das Potenzial sieht auch Thomas Zimmermann, Geschäftsführer der Göttinger Verkehrsbetriebe. „Jemand muss auch weiterhin den Fahrverkehr durchführen und die Fahrzeuge unterhalten. Gleichzeitig wird EcoBus den ÖPNV nicht ersetzen können, dafür sind die Personenmengen zu groß.“ Insgesamt 30 Kooperationspartner haben bislang ihre Unterstützung für EcoBus zugesichert.

 
„Für mich ist EcoBus ein revolutionäres Projekt, das neben den ÖPNV treten kann“, betont Dr. Ulrike Witt vom Projektbüro Südniedersachsen. „Ich denke, die Finanzierungschancen über das Südniedersachsenprogramm sind auch sehr gut, das Interesse ist groß. Wenn im Herbst ein Antrag gestellt würde, könnte es Anfang 2016 bereits losgehen.“

 
Prof. Herminghaus hat ein ambitioniertes Ziel. „Wenn alles klappt, wie wir uns das vorstellen – Forschungsprobleme lösen, Software entwickeln, Pilotprojekte durchführen – dann könnte es in zwei Jahren einen Regelbetrieb geben.“

Von Sven Grünewald

 

KOMMENTAR: Einfach, klug, Königsweg?

Ist die geniale Lösung für die reibungslose Anbindung auch von Klein-Kleckersdorf endlich gefunden?

 
Zumindest in der Theorie klingt es so. Datenvernetzung, mobile Endgeräte und Rechenpower für die komplizierte Routenberechnung existieren und brauchen „nur“ noch eine nutzerfreundliche Bedienoberfläche für den fahrwilligen Kunden.  Was dann noch fehlt, ist die Fahrzeugflotte zur Umsetzung.

 
Der ÖPNV basiert darauf, dass sich die Menschen nach ihm richten, was aus organisatorischen Gründen immer Einschränkungen in Flexibilität, Busverfügbarkeit und Abfahrtzeiten bedeutet. Das EcoBus-Prinzip kehrt die Verhältnisse um und greift damit den Zeitgeist der Individualisierung auf: Der Transport richtet sich nach dem Bedarf. Also Mitfahren auf digitalen Zuruf – einfacher geht’s eigentlich nicht.

 
Natürlich muss der immobile Kunde auf dem Dorf mitmachen, das heißt vor allem Jugendliche und Senioren und dann auch noch genügend von ihnen. Doch wenn die Pizza-Bestellung per App klappt, warum dann nicht auch die der Fahrgelegenheit?

 
Vielleicht macht die Realität einer Testphase der Idee dann doch noch einen Strich durch die Rechnung, man weiß ja nie. Aber eine Umsetzungsmöglichkeit hat die Idee auf jeden Fall verdient.

 

Von Sven Grünewald

Sven Grünewald

Sven Grünewald

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