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GöVB und Barmer starten Pilotprojekt

Musik gegen Bluthochdruck GöVB und Barmer starten Pilotprojekt

Die Busfahrer der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) sind mit viel Berufsstress konfrontiert. Ein Projekt zusammen mit der Krankenkasse Barmer GEK will nun mit Entspannungsmusik im Fahrbetrieb diesen Stress reduzieren – für Fahrer, aber auch für Fahrgäste.

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Quelle: Wenzel

Göttingen. Stundenlanges Sitzen, ständiger Zeitdruck und viel Fast Food: „Länger als 25 Jahre hat in der Vergangenheit kaum ein Busfahrer durchgehalten“, berichtet Betriebsrat Peter Wolter. „Der Druck, etwas für die Gesundheit der Mitarbeiter zu tun, wächst“, sagt Betriebsrat Michael Guder. In den kommenden sechs Jahren würden bei den Göttinger Verkehrsbetrieben eine Vielzahl der 255 Fahrer aus Altersgründen ausscheiden. Damit die Kollegen die letzten Jahre durchhielten, unterstütze sie das Unternehmen.

„Der Stress macht krank“, berichtet Guder. Eine Minute haben die Fahrer, um von einer Haltestelle zur nächsten zu kommen. Da steige Ungeduld auf, wenn Fahrgäste mit Rad den Ausstieg blockierten oder sich die Abfahrt verzögere, weil immer neue Schulkinder im Türbereich stehen. An vielen Haltestellen gebe es Probleme, weil andere Fahrgäste nicht rauskommen, Leute würden sauer, weil der Bus zu spät kommt und sie eventuell nicht rechtzeitig zur Arbeit kommen.

Zwei Wochen Test

Hier setzt das Pilotprojekt zusammen mit der Barmer GEK an. Entspannungsmusik soll den Fahrstress und damit den Blutdruck der Fahrer senken, aber auch bei den Fahrgästen zur Entspannung beitragen, beschreibt Ute Hinberg von der Barmer das Projektziel. Ab Mitte Juni geht es los, dann werden zwei umgerüstete Busse unterwegs sein – auf welchen Strecken, steht noch nicht fest. Es sollen aber solche mit hoher Stressbelastung werden, also mit Berufspendlern und Schülern.

Zunächst sollen die Test-Busfahrer zwei Wochen noch ohne Musik, aber dafür mit einem Blutdruckmessgerät während ihrer Schichten unterwegs sein. Anschließend fahren sie dieselbe Strecke zwei Wochen mit Musik, während weiterhin die Blutdruckwerte gemessen werden. Wenn die Ergebnisse gut sind, könnten nach und nach weitere Busse umgerüstet werden, so Wolter. Gleichzeitig soll das Projekt auch für drei bis sechs Monate von der Universität begleitet werden und Fahrgästebefragungen mit einbeziehen.

Stundenlanges Sitzen

Die GöVB befassen sich schon seit Längerem mit der Mitarbeitergesundheit: „Eine große Herausforderung bei dieser Arbeit ist das stundenlange Sitzen“, sagt Wolter. Das gehe auf den Rücken, führe zu Problemen mit den Halswirbeln oder zu Bandscheibenvorfällen. Die Verkehrsbetriebe wechselten daher alle drei Jahre die Sitze, bei Bedarf auch häufiger. Damit die Kollegen Ausgleichssport machten, übernähme das Unternehmen seit zehn Jahren einen Teil der Kosten für den Fitnessstudiobesuch. 65 der insgesamt 328 Mitarbeiter, einschließlich der beiden weiteren Arbeitsbereiche Verwaltung und Werkstatt, nutzten das Angebot. Seit drei Jahren zahlten die Verkehrsbetriebe einen Zuschuss für Thaimassagen.

Viele äßen während der halbstündigen Mittagspause in der Stadt Fast Food. Die Nachtschicht habe früher am Automaten in der Kantine nur Süßigkeiten ziehen können. Die Folge: Die Kollegen würden von Jahr zu Jahr dicker. Mittlerweile biete die Kantine eine ausgewogene Ernährung. Im Automaten gebe es nun täglich frisch zubereitete Brötchen.

Die vielfältigen Belastungen führen zu einem hohen Krankenstand. „In der Busbranche sind im Schnitt 16 bis 18 Prozent der Kollegen arbeitsunfähig geschrieben“, erzählt Guder. Das habe auch damit zu tun, dass Fahrer aus Gründen der Verkehrssicherheit eher zuhause bleiben müssten als Bürokräfte. „Wir haben durch das betriebliches Gesundheitsmanagement, das von der Geschäftsführung voll mitgetragen wird, die Krankenquote auf 8,1 Prozent gesenkt“, betonen die Betriebsräte.

Und die Verkehrsbetriebe wollen noch besser werden. Im Oktober läuft ein sechsmonatiges Projekt an, das von der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig/Hannover finanziert wird. Die Mitarbeiter trainieren dazu im Göttinger Gesundheitszentrum Promotio. Sie erhalten dort zudem Ernährungs- und Entspannungstipps.

Gefahr einer Zwangsbeschallung

„Musik kann kurzfristig beruhigend wirken und den Blutdruck senken. Das ist wissenschaftlich belegt“, sagt Prof. Jens Wiltfang, der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen. Die Musik müsse allerdings dem Hörer gefallen, sonst trete der gegenteilige Effekt ein. Das stelle bei einer Beschallung im öffentlichen Raum eine große Herausforderung dar, da sich die individuellen Vorlieben stark unterschieden. Es sei schon schwer, Musik zu finden, die 80 Prozent der Hörer zusage.

„Wenige Untersuchungen gibt es zur langfristigen Wirkung des Musikhörens“, berichtet der Professor. Ein positiver Effekt sei durchaus wahrscheinlich. Er lehne es daher nicht ab, wenn sich junge Menschen über Kopfhörer im Alltag permanent ihre Lieblingsmusik anhörten. Voraussetzung sei allerdings, dass sie sich im Straßenverkehr nicht selbst gefährdeten oder sozialautistische Tendenzen entwickelten.

Kritisch sieht es der Direktor, wenn der Hörer keinen Einfluss auf die Auswahl der Stücke hat. Selbst wenn einem Busfahrer eine CD mit Entspannungsmusik gefalle, könne sie ihm in stundenlanger Dauerschleife irgendwann auf die Nerven gehen. Dann sollte der Fahrer das Recht haben, sie auszustellen. Das müsse auch jeder Fahrgast ohne Diskussion verlangen dürfen.

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Entspannungsmusik in Stadtbussen kommt nicht bei jedem Fahrgast gut an

Seit gut drei Wochen sind im Stadtgebiet zwei Busse der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) unterwegs, in denen Entspannungsmusik den Blutdruck der Busfahrer senken soll. Bei einigen Fahrgästen bewirkt die Musik allerdings genau das Gegenteil. Sie sprechen von "Zwangsbeschallung" und "Belästigung".

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