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Wissenschaftler kritisiert Gabriel

Göttingen Wissenschaftler kritisiert Gabriel

Die Bundesregierung hat den Bau von Biogasanlagen weitgehend gestoppt. Energiepflanzen anzubauen sei unethisch, solange Menschen hungerten, argumentiert Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). „Die weltweiten Läger sind voll“, meint dagegen der Göttinger Agrarwissenschaftler Dirk Augustin.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. „Seit 200 Jahren erzeugen die Bauern mehr Lebensmittel als nachgefragt werden“, erklärt der promovierte Agraringenieur. Zwar sorgten Großbrände und Dürren, vor allem aber Kriege und Staatsversagen, immer wieder für Knappheiten. Aber selbst in solchen Zeiten gebe es kein Mengen-, sondern ein Verteilungsproblem. Die Ärmsten hätten nicht genug Geld, um vorhandene Lebensmittel zu kaufen.

Was Augustin besonders stört: „Die SPD fordert in Deutschland einen 20-prozentigen Bioanteil bei der Landwirtschaft.“ Der Verzicht auf Pflanzenschutz- und Düngemittel würde die produzierten Mengen erheblich stärker verringern als das derzeit durch nachwachsende Rohstoffe geschehe.

Sinn, so der Wissenschaftler, mache dagegen die von Gabriel für neue Anlagen vorgeschriebene Nutzung von Gülle, Mist und Stroh. „Die von mir betreute Biogasanlage auf dem Versuchsgut der Universität Göttingen in Relliehausen setzt diese Stoffe seit Jahren zusätzlich zum Mais ein und erzielt mit technischen Neuerungen immer bessere Energieausbeuten”, führt Augustin aus. So ließen sich zudem Probleme mit großen Güllemengen lösen. Durch die Vergärung nehme die Geruchsbelastung ab. Zudem verbesserten sich die Düngeeigenschaften des Substrats.

„Auch die vom Minister verlangte Nutzung von Bioabfällen macht Sinn“, meint Augustin. Allerdings erhielten Anlagenbetreiber dann eine deutlich geringere Stromvergütung als bei der Nutzung von eigens angebauten Energiepflanzen. Der Wissenschaftler weist auf die rasante Entwicklung der neuen Technologie hin. So sei in den vergangenen zehn Jahren der Flächenbedarf je Energieeinheit um zwei Drittel gesunken. Ein immer größerer Anteil der bei der Stromerzeugung anfallenden Wärme werde genutzt, was die Energiebilanz verbessere.

„Das Ausbremsen des Biogases ist ärgerlich, weil es eine wichtige Rolle bei der Energiewende spielen könnte“, meint Augustin. Anders als bei der Photovoltaik und den Windrädern lasse sich Strom erzeugen, wenn er benötigt werde. In der Vergangenheit hätten die Biogasanlagen diesen Vorteil nicht ausgespielt, sondern fortlaufend Strom erzeugt. Das ändere sich derzeit. Vorhandene Anlagen erhielten zusätzliche Blockheizkraftwerke, um bei Bedarf große Menschen Strom produzieren zu können. Gabriel gefährde mit seiner Politik letztlich die Energiewende.

Intelligente Stromnetze

„Windräder produzieren Strom deutlich kostengünstiger als Biogas- oder Photovoltaikanlagen“, sagt Steffen Schulze, der Pressesprecher des Energieversorgers EAM. Das sei ein wichtiger Grund, warum die Bundesregierung den Bau von Biogasanlagen 2014 weitgehend gestoppt und die Zuschüsse für Solarstrom stark gekürzt habe. Die EAM setze daher vor allem auf Windenergie.

Das Problem, dass Windstrom anfalle, wenn er nicht gebraucht werde, lasse sich in Zukunft mit sogenannten intelligenten Stromnetzen (smart grids) lösen, meint Schulze. Sie sorgten dafür, dass der Strom dann verbraucht werde, wenn Energie da sei. Eine gepackte Waschmaschine springe an, wenn Wind wehe. An der Realisierung solcher Netze arbeite die EAM.

Trotz des Schwerpunkts Windenergie, so der Pressesprecher, betreibe die EAM seit mehreren Jahren mit Partnern in Hardegsen und in Altenstadt (Wetteraukreis) Biogas-Anlagen. Das dort erzeugte Gas werde auf Erdgasqualität aufbereitet und ins Netz eingespeist. Es könne dann dort entnommen werden, wo der Strom und die Wärme von mit dem Gas betriebenen Blockheizkraftwerken benötigt würde.

„In Kirchhain-Stausebach (Landkreis Marburg-Biedenkopf) betreiben wir ein Biomassezentrum“, sagt Schulze. Es erzeuge Biogas durch Trockenfermentation von Bio- und Grünabfällen sowie durch Nassfermentation nachwachsender Rohstoffe. Die Gärreste würden zu Kompost und Dünger aufbereitet, aus Holzabfällen Holzhackschnitzel für Heizungen hergestellt. In Barlissen habe die EAM eine Biogasanlage übernommen, die sie erweitern wolle.

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