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Handwerk muss sich „um Lehrlinge bewerben“

515. Göttinger Gildentag Handwerk muss sich „um Lehrlinge bewerben“

Am ersten Montag im Oktober gibt es in fast jeder Göttinger Bäckerei Speckkuchen. Das ist in der Universitätsstadt Tradition, ebenso wie die Gildenwahl des Handwerks. 

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Eröffnet den 515. Göttinger Gildentag im Alten Rathaus: Kreishandwerksmeisterin Katja Thiele-Hann begrüßt 250 Gäste.

Quelle: Heller

Göttingen. Am gestrigen Montag war wieder Göttinger Gildenwahl, die 515. Die Kreishandwerkerschaft  (KH) Südniedersachsen hatte nach einem ökumenischen Gottesdienst in die Johanniskirche zur „Morgensprache“ ins Alte Rathaus geladen.

Unter Handwerkern, Verbandsvertretern und Politikern befand sich auch Stephan Weil. Den Oberbürgermeister der Stadt Hannover, Landesvorsitzenden der SPD-Niedersachsen und Kandidat für das Ministerpräsidentenamt hatte das Handwerk nach Göttingen geladen, um seine Position zu einer regionalen Wirtschaftspolitik zu erfahren. Der Sozialdemokrat war gern gekommen, weil er „nur gute Erinnerungen mit Göttingen verbindet“. Hier hat der gebürtige Hamburger von 1978 bis 1983 Jura studiert.

Handlungsbedarf im Handwerk

Seine Morgensprache begann  Weil mit einem Plädoyer für das Handwerk, das ein wichtiger politischer Faktor sei. Tausende von Klein- und Mittelbetrieben stellten die Substanz der Wirtschaft, erklärte Weil im gut gefüllten Rathaussaal. Gerade für das Handwerk sieht der 53-Jährige Handlungsbedarf mit Blick auf den Wandel in der Bevölkerung. Bis 2030 werde der Landkreis Göttingen 30 000 Einwohner (-11%) verlieren, erfuhren die 250 Zuhörer.

Schlimmer noch sei die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt. 40 Prozent Lehrstellenbewerber weniger werde es bis 2030 geben, so seine Prognose. „Die Ausbildungsfrage wird für das Handwerk zur zentralen Frage“, steht für Weil fest. Für die Großen wie VW werde die Entwicklung weniger bedrohlich, für den Klein- und Mittelstand zum Risiko. Seine Forderungen: familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, Qualität in der Bildung (von Anfang an), Ganztagsschulen. Jeder 5. bis 6. Schulabgänger lande heute nicht im dualen Ausbildungssystem. 35 000 junge Menschen lebten im „Übergangssystem“.

Zur 515. Göttinger Gildenwahl hatte die Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen geladen. Mit dabei war auch Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil. © Peter Heller

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Mehr Berufsorientierung

Mehr Berufsorientierung in der Schule, ist für Weil ein Muss. Wichtig ist ihm auch Dezentralisierung. „Wir müssen zu Bildungsregionen kommen.“ Dezentralisierung fordert Weil auch in der Politik. Eine Verwaltungs- und Gebietsreform etwa dürfe nicht vom Grünen Tisch in Hannover aus beschlossen werden. „Wir müssen den unmittelbar Betroffenen mehr Verantwortung zutrauen.“ Er erwägt eine Zwischenebene zwischen Hannover und Kommunen, spricht von „Anwälten der Region“, aber nicht von neuen Bezirksregierungen.

Kreishandwerksmeisterin Katja Thiele-Hann, die kurz darüber informierte, dass man bislang die drei KH-eigenen Immobilien noch nicht veräußert habe, widmete sich in ihrer Ansprache auch dem demographischen Wandel und der Fachkräftesicherung. „Wir wissen durchaus selbstkritisch, dass mittlerweile wir uns als Arbeits- und Ausbildungsplatzgeber bei den Menschen ,bewerben‘ müssen, um sie für unsere Betriebe zu begeistern, nicht umgekehrt.“ Thiele-Hann nannte Beispiele, wie die Ausbildungsmesse, die „Vier-Semester-Berufsorientierung“ und die Göttinger Berufsinformationstage, wo sich das Handwerk als attraktiver Ausbilder vorstelle. Zudem forderte die KH-Chefin, kleine und mittlere Betriebe von der belastenden EEG-Umlage zu befreien (Erneuerbare Energien). Ihr Fazit zum Schluss: Ohne das Handwerk „wäre ganz Deutschland ein riesiger Schreibtisch voll mit tollen Plänen.“

Im Rahmen des 515. Gildentags ehrte die Kreishandwerksmeisterin den langjährigen Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung, Hellmar Gieseler. Der Ehrenobermeister erhielt das goldene Handwerkszeichen. Oberbürgermeister Wolfgang Meyer, der traditionell das erste Stück Speckkuchen und einen Schnaps von jungen Auszubildenden bekam, referierte über das Tischler-Handwerk und dessen Historie.

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514. Göttinger Gildenwahl

Der erste Montag im Oktober gehört normalerweise dem Handwerk. Dann ist Gildentag in Göttingen. In diesem Jahr nun hat das Handwerk am 3. Oktober die deutsche Einheit gefeiert und am 10. Oktober die 514. Göttinger Gildenwahl – nach allen Regeln der Tradition, mit ökumenischem Gottesdienst und Regimentspredigt, mit großer Versammlung im historischen Rathaussaal, mit Morgensprache, Speckkuchen und Schnaps.

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