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Ein falscher Klick kann teuer werden

Verschlüsselungstrojaner Ein falscher Klick kann teuer werden

Fatal kann sich ein falscher Klick am Computer auswirken. Das hat die Personalchefin eines Göttinger Handwerksbetriebs erfahren müssen. Sie öffnete die angehängte Datei einer Bewerbungsmail. Ein Virus verschlüsselte daraufhin Dokumente. Der Schaden: mehrere Tausend Euro.

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Symbolbild

Quelle: dpa

Göttingen. „Unsere Stellenangebote sind zusammen mit meiner E-Mail-Adresse auf der Internetseite der Arbeitsagentur für alle einsehbar“, sagt die Göttingerin, die anonym bleiben möchte. Deshalb dachte sie sich nichts dabei, als ihr ein „Kevin Walter“ seine Bewerbungsunterlagen zusandte. Beim Klick auf den Anhang öffnete sich eine Textdatei, die größtenteils aus Sonderzeichen bestand.

„Ich habe dem Absender geschrieben, dass die Bewerbung unleserlich sei und er sie noch einmal schicken solle“, berichtet die Personalchefin. Zu ihrer Verwunderung kam die Mail als unzustellbar zurück. „Ein komischer Bewerber“, dachte sie und machte mit ihrer Arbeit weiter. Als sie sich am nächsten Tag an ihren Computer setzte, kam die böse Überraschung. Zahlreiche Dokumente, auch auf den fünf anderen an den Server angeschlossenen Rechnern, waren verschlüsselt. Dazu gab es die Mitteilung, dass die Firma Opfer der Mischa Ransomware geworden sei. Im Darknet, hieß es weiter, ließe sich für die digitale Währung Bitcoins ein Entschlüsselungsprogramm erwerben.

„Das kommt für uns nicht in Frage“, erklärt die Göttingerin. Sie wollen keine Kriminellen unterstützen. Stattdessen erstatteten sie Anzeige. Die Firma suchte die Hilfe eines IT-Unternehmens. „Bevor sich der Techniker an den Rechner setzte, legte er eine Rechnung über 5000 Euro auf den Tisch“, sagt die Personalchefin. Der Handwerksbetrieb stand unter Druck. Die Bank hatte bereits das Firmenkonto aus Sicherheitsgründen für Online-Überweisungen gesperrt. „Seither wickeln wir den gesamten Zahlungsverkehr über einen nicht mit der Software verseuchten Tablet-Rechner ab“, sagt sie. Sehr umständlich sei das.

„Wir müssen den Server auswechseln und in dem Zug auch neue Software-Lizenzen erwerben“, sagt die Göttingerin. Zudem erwirbt die Firma zwei neue externe Festplatten, um Daten abends abzuspeichern. Die letzten verfügbaren Sicherungskopien stammen aus dem Jahr 2009. Jüngere Kopien gibt es nicht, weil eine externe Festplatte kaputt ist und die andere nun ebenfalls verschlüsselte Dateien enthält.

„Bei Bewerbungen bedanke ich mich jetzt erst einmal per Mail“, sagt die Personalchefin. Erst wenn diese nicht zurückkommt, klickt sie auf angehängte Dateien.

Software für Erpresser

„Ransomware ist eine Schadsoftware, die Daten verschlüsselt und für die Entschlüsselung ein Lösegeld, englisch ransom, verlangt“, erläutert der Göttinger Polizeioberkommissar Jörg Gottschalk von der Task Force Cybercrime/Digitale Spuren. Bekannt seien solche Erpressungstrojaner sei 1989. Mittlerweile gebe es mehr als 100 verschiedene Arten. Sei die Software anfangs massenhaft als Spam versandt worden, so verschickten sie Kriminelle mittlerweile gezielt an die Geschäftsführer und Personalchefs von Unternehmen.

„Die Software, die sich auch von Personen ohne große Computerkenntnisse bedienen lässt, gibt es auf Untergrundplattformen zu kaufen“, weiß Gottschalk. Andererseits würden für einige Arten der Schadsoftware legal Entschlüsselungsprogramme angeboten. Die Polizei sei sehr daran interessiert, dass sich Opfer meldeten. Derzeit seien es bei der Polizeiinspektion Göttingen pro Monat fünf Fälle. Gottschalk rät, Mitarbeiter zu sensibilisieren, Notfallpläne aufzustellen, Virenscanner regelmäßig zu aktualisieren und wichtige Unterlagen auf separaten Datenträgern zu sichern.

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