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Hochschulgruppe Göttingen wirft kritischen Blick auf die Wirtschaftswissenschaften

Unrealistischen Grundannahmen auf der Spur Hochschulgruppe Göttingen wirft kritischen Blick auf die Wirtschaftswissenschaften

Interessenverbände, Branchennetzwerke, wirtschaftlich Interessierte – in der Region gibt es zahlreiche Wirtschaftsorganisationen. Wir stellen sie vor. Heute: Hochschulgruppe Kritische Wirtschaftswissenschaften Göttingen.

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Wollen das Denken beflügeln: Auftakt zur ersten Ringvorlesung der Hochschulgruppe.

Quelle: EF

Göttingen. Ist Wirtschaftswachstum erstrebenswert, wenn es mit Raubbau an der Natur einhergeht? Wem nutzen glänzende Unternehmenszahlen, wenn sie mit Massenentlassungen erkauft werden? Solche Fragen stellt die Hochschulgruppe Kritische Wirtschaftswissenschaften Göttingen, die 2012 entstanden ist.

„Die ganze Welt redete 2007/08 über die Finanzmarktkrise, aber in den volkswirtschaftlichen Vorlesungen und Seminaren ist das nie ein Thema gewesen“, staunt VWL-Studentin Theresa Neef. Während große Teile der Gesellschaft seither eine Regulierung der Finanzmärkte forderten, habe sich die Lehre kaum verändert. Weite Teile der Wirtschaftswissenschaften machten sich weiterhin für eine Liberalisierung stark. „Von wenigen Ausnahmen abgesehen, hat kein Volkswirt die Krise vorausgesehen“, ergänzt Florian Moritz, der Betriebswirtschaftslehre studiert. Trotz dieses Versagens glaubten Wirtschaftswissenschaftler bis heute, dass sie Politiker kompetent beraten könnten.

„Die mathematischen Modelle sind elegant, die statistischen Methoden ausgefeilt, aber die an den Hochschulen vorherrschende Lehrmeinung der Neoklassik geht teilweise von unrealistischen Grundannahmen aus“, erklärt Neef. Sie setze zum Beispiel voraus, dass die Wirtschaftsakteure rational handelten, dass alle über die gleichen, vollständigen Informationen verfügten und dass allen die gleichen finanziellen Ressourcen zur Verfügung ständen. Das sei aber in der Regel nicht der Fall. Würde die Wissenschaft die tatsächlichen Verhältnisse berücksichtigen, käme sie in vielen Fällen zu anderen Ergebnissen, ist Moritz überzeugt. Das zeigten die Arbeiten von Forschern, die alternative Modelle entwickelten. Diese neuen Ansätze würden an den Universitäten aber kaum gelehrt.

„Um wirtschaftliche Zusammenhänge besser verstehen und einschätzen zu können, empfiehlt sich die Zusammenarbeit etwa mit Soziologen, Politologen, Historikern oder Ethikern“, meint Neef. Von Interesse sei auch der Austausch mit Forschungsinstituten außerhalb der Universitäten, Gewerkschaften und Unternehmen. Die Unzufriedenheit mit der herrschenden Lehre habe 2012 dazu geführt, dass parallel zur Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik in Göttingen eine Ergänzungsveranstaltung mit 60 Referenten ausgerichtet worden sei. Teilnehmer hätten das Netzwerk Plurale Ökonomik gegründet, dem heute 450 Aktiven in 30 Gruppen des deutschsprachigen Raumes angehörten.

Die Hochschulgruppe in Göttingen, die dem Netzwerk angehört und derzeit die Gründung eines Vereins vorbereitet, hat 30 Mitglieder. Sie organisierte im Wintersemester 2015/16 zum zweiten Mal eine öffentliche Ringvorlesung. Bislang kamen zu den Veranstaltungen oft mehr als 100 Personen. „Wir wollen Neoklassiker mit Vertretern anderer Ansätze ins Gespräch bringen“, betont Moritz. Im Sommersemester bietet die Hochschulgruppe an der Universität Seminare an. Studierende können sich die Kurse als Wahlfach anrechnen lassen.

Von Michael Caspar

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