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Innovationspreisträger des Landkreises Göttingen: Hightech-Produkt mit jahrhundertealter Technik

Spezialglas schützt Kunstschätze Innovationspreisträger des Landkreises Göttingen: Hightech-Produkt mit jahrhundertealter Technik

Ultraviolettes Licht zerstört Kunstschätze. Mit einem kratzfesten, beständigen Spezialglas, das UV-Strahlung zurückhält, hat das Göttinger Institut für Glas- und Rohstofftechnologie gemeinsam der Glashütte Lamberts und einem weiteren Partnern den Innovationspreis des Landkreises Göttingen geholt.

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Glashütte Lamberts: Die Bayern arbeiten wie vor 500 Jahren.

Quelle: EF

Göttingen. „Wir haben seit Jahren Anfragen nach einem solchen Glas“, berichtet Gerald Burger, der technische Betriebsleiter der Glashütte. Die 65 Mitarbeiter des Unternehmens stellen im bayrischen Waldsassen mit jahrhundertealten Handwerkstechniken sogenanntes Antikglas her. Es findet bei der Restaurierung alter Kirchen und Schlösser, aber auch bei der Gestaltung moderner Glasfassaden Verwendung.

„Die beiden bisher bekannten Schutztechniken, Bekleben der Gläser mit einer Folie oder Aufdampfen einer Schicht, haben Nachteile“, führt Burger aus. Es komme leicht zu Kratzschäden. Zudem verlöre der Schutz nach einigen Jahren seine Wirkung. Die Glashütte fand nun einen dritten Weg.

„Die Amberger Dr. Drexler Glasservice GmbH wusste, welche Stoffe dem Glas zuzufügen sind, um UV-Undurchlässigkeit zu erreichen“, erläutert Burger. Die Bayern beherrschen den Herstellungsprozess, bei dem flüssiges Glas mit Lungenkraft zu einem Hohlkörper geblasen und dann zwischen Holzblöcken zu Scheiben gepresst wird. Die Göttinger analysierten die zahlreichen Glasschmelzen und halfen während der dreijährigen Entwicklungsphase die Prozesse zu optimieren.

„Am Anfang wurde das Glas immer gelb“, berichtet Dirk Diederich, der Geschäftsführer des Göttinger Instituts. Probleme machte lange die Bildung von Schlieren. 2013 stand das Verfahren. Die Bayern realisierten die ersten beiden Projekte. Sie statteten die Stadtkirche zu Wittenberg, wo es einen wertvollen Lucas-Cranach-Altar gibt, mit der Schutzverglasung aus. Eine solche erhielt zudem die gotische Kathedrale im britischen York für ihr modernes, 200 Quadratmeter großes Ostfenster. Dort griff das UV-Licht den beim Bau verwendeten Kleber an. In den vergangenen zwei Jahren waren die Bayern an der Sanierung der Stiftskirche des Klosters Metten beteiligt. 2016 sind sie für die Münchner Pianothek tätig. Und in Schweden sollen Schlösser die Spezialgläser erhalten, um Wandbehänge zu schützen.

„Wir wollen in den kommenden fünf Jahren ein Drittel unseres Umsatzes, der sich derzeit auf 4,5 Mio. Euro beläuft, mit solchen Gläsern erwirtschaften“, sagt Burger. Das Unternehmen, das 70 Prozent des Weltmarkts für Antikglas beherrscht. will sich neue Kundenkreise erschließen.

Eine Anfrage kommt zudem von einem Kosmetikhersteller. Er will Nagellack in durchsichtigen Glasflaschen verkaufen. Normales Glas lässt sich nicht verwenden, da der Lack bei UV-Licht aushärtet. Die Amberger und Göttinger unterstützen die Glashütte bei der Weiterentwicklung der Erfindung.

Von Michael Caspar

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