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Innovatives Heizsystem für Lehm-Trockenbauplatten Zimmerwärme von oben

Eine Niedertemperatur-Flächenheizung, die in Lehm-Trockenbauplatten integriert ist und Räume von der Decke aus erwärmt, hat die Göttinger Firma ArgillaTherm entwickelt. Am Montag präsentierte das Unternehmen das Produkt erstmals bei der Göttinger Bode Energie- und Sicherheitstechnik GmbH.

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ArgillaTherm-Mitarbeiter Markus Trube mit einer Lehm-Deckenkachel. Durch den Schlauch fließt warmes Wasser

Quelle: Grünewald

„Lehm hat viele Vorteile“, betont Axel Lange, geschäftsführender Gesellschafter von ArgillaTherm. Der ehemalige Manager des Göttinger Einkaufszentrums Carré hat die Firma gemeinsam mit Unternehmer Jan Grünewald aus Scheden gegründet. Lehm, so Lange, halte Wohnungen im Sommer kühl und im Winter warm. Er reguliere zudem die Luftfeuchtigkeit auf angenehme 50 Prozent. Das Problem: Lehm sei nicht einfach zu verarbeiten und trockne langsam. Deswegen hätten ihn Ziegel und Beton verdrängt.

„Mit unseren leicht zu verarbeitenden Platten machen wir den Lehm wieder gesellschaftsfähig“, meint Lange. Durch eine spezielle Verarbeitungstechnik bröckele der Baustoff nach dem Pressen nicht. Er verändere auch seine Form nicht wieder, wenn er nass werde. Die Entwicklungspartner von ArgillaTherm, die Firmen Conrad Liphardt und Söhne und die Alten-Ziegelei, hätten ein Joint Venture gegründet, das die Platten herstelle. Sie ließen sich leicht verlegen.

„In die Platten ist ein Profil eingepresst, in das sich Elektrokabel legen lassen“, erläutert Lange. Durch sie fließe Strom. Aufgrund des Widerstands erwärme sich das Kabel. 28 Grad Celsius reichten selbst in einem strengen Winter aus, um ein Zimmer zu beheizen. Montiert würden die Platten unter die Decke. Von dort strahle die Wärme nach unten. „Das empfinden Menschen als angenehmer als die sogenannte Konvektionswärme eines Heizkörpers“, erläutert der promovierte Physiker Meinhard Stadler. Er war an der Entwicklung beteiligt.

„Der benötigte Strom lässt sich mit einer Photovoltaikanlage gewinnen“, sagt Sven Pape, geschäftsführender Gesellschafter von der Firma Bode. „Die Heizung ist ewas für die wachsende Gruppe von Kunden, die Wert auf nachhaltiges Bauen legen“, kommentiert Malermeister Thomas Lukaszeski. Er ist bei der Firma Saal tätig, in deren Göttinger Niederlassung 70 Mitarbeiter unter anderem im Trockenbau und bei der Gebäudedämmung tätig sind.

„Wir überlegen, ob wir unsere in die Jahre gekommenen und viel Platz raubenden Nachtspeicherheizungen gegen das neue System austauschen“, berichtet Dirk Maier, der technische Leiter der Hofgeismarer Wohnungsbaugesellschaft Gewobag. 156 Gebäude mit 1200 Wohungen verwalteten sie.

Keine Patentrezepte

„Jedes Haus ist anders. Es lassen sich keine pauschalen Empfehlungen für die energetische Sanierung geben“, betont Léa Georges von der Energieagentur Göttingen. Neben dem Haus spiele auch die Zahl der Nutzer, deren Verhalten sowie die finanziellen Mittel, die einem Eigentümer zur Verfügung ständen, eine maßgebliche Rolle. Die Energieagentur rate daher dazu, zunächst einmal einen unabhängigen Energieberater hinzuzuziehen.

„Bei der Heizung kann der Nutzer oft schon dadurch Geld sparen, dass er sie nicht nach der Werkseinstellung laufen lässt, sondern sie auf das eigene Nutzungsverhalten ausrichtet“, sagt Georges. Werde eine bestehende Heizung erneuert, sei der Aufwand eines eventuellen Systemwechsels zu berücksichtigen. Werde das Haus gedämmt und erhalte neue Fenster, benötige der Eigentümer eine weniger starke Heizung.

„Derzeit läuft ein Förderprogramm des Landkreises Göttingen zur Altbausanierung“, weiß Georges. Für Ein- bis Zwei-Familienhäuser gebe es maximal 2000 Euro, für Gebäude mit drei bis zehn Wohnungen maximal 4000 Euro.

 

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