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Interview: Die Schwierigkeiten von Migranten, in die Arbeitswelt einzusteigen

Aktiv Brücken bauen Interview: Die Schwierigkeiten von Migranten, in die Arbeitswelt einzusteigen

Die Arbeitswelt wandelt sich an vielen Stellen. Mitarbeiter, Vorgesetzte, Geschäftsmodelle oder die Unternehmensphilosophie müssen sich anpassen. Mit einer Gesprächsreihe wollen wir die zahlreichen Facetten dieser Entwicklung begleiten. Heute: Migranten in der Arbeitswelt.

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Mehmet Tugcu kennt sich mit Migrationsfragen aus.

Quelle: Hinzmann

Tageblatt: Von Menschen mit Migrationshintergrund hört man häufig, dass sie es deutlich schwerer haben, einen Einstieg in die Berufswelt zu finden.

Tugcu: Das ist in der Tat so. Es gab viele bundesweite Studien dazu, die gezeigt haben, dass Menschen mit ausländischem Namen viel geringere Chancen haben, wenn sie sich auf eine Stelle bewerben. In den meisten Fällen werden sie gar nicht erst zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, obwohl sie die nötigen Qualifikationen haben.

Woran liegt das?
Wir versuchen im Rahmen der Beschäftigungsförderung, Vertreter von Migranten und Unternehmen an einem Tisch zusammenzubringen, um genau darüber zu sprechen. Es gibt auf beiden Seiten gewisse Vorbehalte. Viele Migranten unterstellen schnell, dass sie aufgrund ihrer Herkunft nicht eingeladen werden, während man von Unternehmerseite hört, dass viele Migranten sich nicht richtig bewerben würden. Es ist letztlich schwierig zu sagen, warum sich Unternehmen so schwer mit Migranten tun. Wir können nur festhalten: Sie müssten bei entsprechender Qualifikation Migranten eigentlich genauso behandeln wie Einheimische. Aber das ist nicht so gekommen, eher im Gegenteil. Dabei gibt es gerade in der Universitätsstadt Göttingen auch unheimlich viele Akademiker mit Migrationshintergrund, aber wenn Sie sich umschauen, dann werden Sie kaum einen Menschen mit Migrationshintergrund in einer höheren Position finden. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich darauf keiner beworben hat.

Wo sehen Sie denn den Vorteil von Migranten?
Vor allem die Mehrsprachigkeit ist ein großer Gewinn, insbesondere, wenn das Unternehmen international agiert. Und erfahrungsgemäß bleiben diese Menschen ihren Unternehmen sehr treu. Ich denke umgekehrt auch nicht, dass man die sprachliche Barriere als so hoch bewerten sollte, denn die Jugendlichen entwickeln sich natürlich auch während der Ausbildung noch  sprachlich weiter. Man sollte die Blicke aktiv auf diese Zielgruppe richten und sie für den Arbeitsmarkt gewinnen. Die Firma o.r.t. aus Göttingen beispielsweise hat sehr gute Erfahrungen mit Migranten gemacht. Die haben viele internationale Kunden und sagen, dass sie mit diesen viel besser kommunizieren können, wenn die Mitarbeiter auch einen Migrationshintergrund haben.

Deutschland gibt sich gerne als offen für Migranten – haben Sie den Eindruck, dass das auch tatsächlich so ist oder befindet man sich noch mitten auf dem Weg?
Es hat vierzig Jahre gedauert seit der Gastarbeiterwelle in den 60er-Jahren, bis man akzeptiert hat, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Das hatte zur Folge, dass Deutschland sich viel stärker für Menschen aus dem Ausland geöffnet hat und es gibt inzwischen unheimlich viele Maßnahmen zur Integration. Da entwickelt sich auch noch mehr. Ich sehe das positiv. Das Problem ist ein anderes: Man muss das Ausländerrecht eigentlich im Ganzen infragestellen. Aufgrund ihrer Herkunft haben viele Menschen keinen Zugang zu bestimmten Berufen – beispielsweise, weil die Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse ein sehr langwieriger, schwieriger Prozess ist. Oder nehmen wir das Thema Flüchtlinge. Diesen ist aufgrund ihres Aufenthaltsstatus der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt. Aber ein großer Teil dieser Menschen, die wir heute Flüchtlinge nennen, wird perspektivisch in diesem Land bleiben. Deswegen sollte man von Anfang an mit der Integration beginnen, also Sprachkurse anbieten, Betriebsbesichtigungen organisieren und so weiter, damit sie diese für sie neue Welt kennenlernen – und nicht erst zehn Jahre nach ihrer Ankunft. Dann ist es zu spät.

Das Inteview führte Sven Grünewald

Zur Person
Mehmet Tugcu studierte Geologie und kam 1986 nach Göttingen und arbeitet bei der Beschäftigungsförderung der Stadt im Projekt Perspektive Ausbildungsberuf. Seit 2006 ist er für die Grünen Mitglied im Stadtrat. Tugcu war langjähriger Vorsitzender des Integrationsrates.
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