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Interview mit Dietmar Thiele Geschäftsführer Ifas Göttingen

Integration von Menschen mit psychischer Behinderung Interview mit Dietmar Thiele Geschäftsführer Ifas Göttingen

Die Arbeitswelt wandelt sich an vielen Stellen. Mitarbeiter, Vorgesetzte, Geschäftsmodelle oder die Unternehmensphilosophie müssen sich anpassen. 

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Geschäftsführer Ifas: Dietmar Thiele

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Mit einer Gesprächsreihe wollen wir die zahlreichen Facetten dieser Entwicklung begleiten. Heute: Integration von Menschen mit seelischen Behinderungen.

Myworx kümmert sich um die Integration von seelisch behinderten Menschen in den ersten Arbeitsmarkt. Vielleicht wagen Sie erst einmal eine Abgrenzung zu geistigen Behinderungen.

Unter einer seelischen Behinderung versteht man eine dauerhafte und gravierende Beeinträchtigung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Teilhabe aufgrund einer psychischen Störung wie zum Beispiel Depression, Schizophrenie, Angsterkrankung oder deren mögliche Folgen. Die geistige Behinderung bezeichnet den andauernden Zustand einer Intelligenzminderung mit vier verschiedenen Abstufungsgraden, oft begleitet mit zusätzlichen psychischen Störungsbildern.

Wie arbeitet Myworx an der Rehabilitation von seelisch behinderten Menschen?

Ein dreimonatiges Eingangsverfahren klärt individuelle Ressourcen und Entwicklungspotenziale, in der anschließenden zweijährigen beruflichen Rehabilitationsphase können sich die Rehabilitanden in den vier Geschäftsbereichen der Werkstatt – Catering, Media Service, Müsli Company sowie Montage und Logistik – nach ihren Möglichkeiten und Interessen ausprobieren. Ein Wechsel innerhalb der Bereiche ist immer möglich.

 Man kann seine Arbeitserfahrungen aber auch in den Außenstellen oder in regionalen Unternehmen sammeln. Nach den zwei Jahren können Rehabilitanden dann in den eben genannten Arbeitsbereichen oder in Außenarbeitsplätzen weiterarbeiten, circa zehn Prozent unserer Beschäftigten sind auf diese Weise in den ersten Arbeitsmarkt integriert.

Sie bewegen sich damit zwischen Marktwirtschaft und sozialer Arbeit. Wie finanzieren Sie sich?

Die berufliche Rehabilitation wird in der Regel von der Deutschen Rentenversicherung und Agentur für Arbeit finanziert, der übergeordnete Sozialhilfeträger übernimmt dann die Finanzierung der anschließenden Beschäftigungszeit in den Arbeitsbereichen. Wir müssen uns als Werkstatt dem normalen Wettbewerb stellen und auch möglichst gute wirtschaftliche Ergebnisse erzielen. Diese wirtschaftliche Betätigung einer Werkstatt ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben, 70 Prozent des erzielten Arbeitsergebnisses werden dann an die Beschäftigten des Arbeitsbereiches weitergegeben.

Kritiker des Werkstätten-Modells sind der Ansicht, dass hierdurch Parallelstrukturen geschaffen werden, die gerade nicht integrativ wirken.

Wir sind nicht auf einem Parallelmarkt, sondern mit den üblichen Bedingungen eines normalen Unternehmens konfrontiert, mit dem Unterschied, dass unsere Beschäftigten oft krankheitsbedingt ausfallen können. Für unsere Kunden ist das aber völlig irrelevant, die bestehen zurecht auf eine pünktliche Lieferung. Und was heißt nicht integrativ? Unsere Werkstattteilnehmer stehen dem ersten Arbeitsmarkt mit guten Gründen nicht zur Verfügung. Vielfältige Gründe, vor allem Angst, Mobbingerfahrungen und der hohe Leistungsdruck machen zu Anfang einen geschützten Raum mit einem entsprechend wertschätzenden Betriebsklima notwendig.

Aber nicht nur die berufliche Teilhabe, sondern auch das Teilnehmen am gesellschaftlichen Leben ist wichtig. Neben den berufsfördernden Angeboten spielen für viele auch die lebenspraktische Förderung wie zum Beispiel im sportlichen und kulturellem Kontext eine große Rolle. Genauso sehen wir aber auch unsere Aufgabe in der Förderung derjenigen, die wieder auf den ersten Arbeitsmarkt möchten, denn die Werkstatt ist keine Einbahnstraße! Für beide Personengruppen muss sich eine Werkstatt empfehlen, die sowohl einen Außenarbeitsplatz mit Übernahme in die normale Beschäftigung als auch die beschützende Arbeit bis zur Rente bietet.

Welche Wünsche haben Sie für den ersten Arbeitsmarkt, um Menschen mit seelischen Behinderungen besser integrieren zu können?

Zuallererst sehe ich das als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe an. Psychisch krank zu sein betrifft alle, hier wünsche ich mir wesentlich mehr Toleranz, da ist noch sehr viel Luft nach oben. Betriebe müssen sich trauen, Praktikumsplätze und Außenarbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, im besten Fall auch vollwertige Arbeitsplätze für die vermeintlich Schwachen unserer Gesellschaft vorzuhalten.

Zur Person: Dietmar Thiele ist Geschäftsführer des gemeinnützigen Instituts für angewandte Sozialfragen (Ifas), das Menschen durch individuelle Förderung auf ihrem Gesundheits- und Bildungsprozess begleitet. Außerdem leitet er die Myworx gGmbH, die psychisch kranke Menschen beruflich und sozial integriert.

Das Interview führte Jonas Rohde

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