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Interview mit Justus Felix Wehmer Geschäftsführer Microscopy von Zeiss

„Wir müssen schnell handeln“ Interview mit Justus Felix Wehmer Geschäftsführer Microscopy von Zeiss

Interview mit Justus Felix Wehmer, Geschäftsführer des Zeiss-Unternehmensbereichs Microscopy

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Justus Felix Wehmer, Geschäftsführer des Zeiss-Unternehmensbereichs Microscopy

Quelle: Theodoro da Silva

Götingen. Wie ist die Gesamtsituation der Mikroskopie-Sparte?

Der Unternehmensbereich Microscopy ist seit vier Jahren nicht mehr gewachsen und macht keinen Gewinn, während der Markt in Wissenschaft und Industrie zwischen zwei und vier Prozent jährlich wächst. Auch unsere Wettbewerber wachsen teils deutlich und gewinnen Marktanteile. Gleichzeitig treten neue Wettbewerber auf, die fehlende optische Qualität ihrer Geräte durch Software preiswert kompensieren.

Was sind Ihrer Ansicht nach die Ursachen für die schlechte Entwicklung?

Die Microscopy hat extrem komplexe Strukturen. Die einzelnen Standorte hätten schon lange als ein Team spielen sollen, aber die bis dato ziemlich unabhängigen Standorte haben zu sehr viel Parallelarbeit, Ineffizienz und zur Verlangsamung von Entscheidungen geführt. Wir müssen aber schneller werden, deswegen muss die Komplexität der Strukturen reduziert werden.

Ich würde in Frage stellen, inwiefern die bisherigen Entwicklungsprozesse noch zeitgemäß sind. Die Entwicklungsgeschwindigkeit beschleunigt sich in allen Technologiemärkten, da muss sich auch ein Konzern wie Zeiss anpassen. Deswegen ist es erforderlich, dass wir auch hier schneller werden und Verantwortlichkeiten klar bündeln.

Welchen Anteil haben Managementfehler an der Schieflage in der Microscopy?

Wie gesagt, der Mikroskopiemarkt ist kein einfacher Markt und Managemententscheidungen der Vergangenheit wollen wir nicht kommentieren. Ich bin seit sechs Monaten zusammen mit Markus Weber in der Verantwortung für die Microscopy. Wir haben die Zeit genutzt, um die Situation zu analysieren und dann zusammen mit einem angemessen großen Team aus dem Unternehmensbereich heraus ein Konzept für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit zu erstellen.

Wie haben sich die Investitionen in den Standort Göttingen in den letzten Jahren entwickelt?

Die Investitionen sind an allen Standorten der Microscopy gestiegen. Ein Gerücht möchte ich zurückweisen: Es hat in Göttingen keine Kürzungen in der Entwicklung gegeben, die Entwicklungsquote ist seit Jahren auf einem konstanten Niveau. Wir haben hier eine normale Investitionstätigkeit ausgerichtet an den Notwendigkeiten.

Nach der Verkleinerung von Zeiss Göttingen auf 240 Mitarbeiter scheint es nur noch eine Frage Zeit zu sein, bis das Werk ganz aufgegeben wird.

Nach unserem Konzept wird Göttingen in das Zeiss-Produktionsnetzwerk eingegliedert und damit bestehen Chancen, auch Geschäfte außerhalb der Microscopy hierher zu holen. Wir wollen die Kompetenzen der Fertigung in Göttingen auch perspektivisch erhalten. Und ebenso die anderen Göttinger Kompetenzen – nur wettbewerbsfähiger und mit schnellerem Entscheidungstempo an einem anderen Ort.

Stichwort Kompetenzverlust: Es sollen sich schon Entwickler nach anderen Jobs umsehen. Wie hoch ist das Risiko eines Know-how-Verlustes, wenn die Forschung nach Jena verlagert wird?

Das Risiko eines Know-how-Verlustes ist immer gegeben und auch nicht wegzudiskutieren, wenn man ein solches Veränderungsprogramm durchläuft. Aber Zeiss ist nicht das erste Mal in so einer Situation. Wir haben das Instrumentarium, den Mitarbeitern einen Wechsel zu ermöglichen und ich kann zusichern, dass wir alles tun werden, um den Wissensverlust so gering wie möglich zu halten.

Teile der Fertigung sollen nach China verlagert werden, wo im Laufe der Jahre die Löhne deutlich angezogen haben. Zehrt das in absehbarer Zeit den Kostenvorteil der dortigen Produktion auf?

Es ist richtig, diese Frage zu stellen. Die Löhne sind dort zwar gestiegen, aber der Unterschied bemisst sich immer noch in Faktoren und nicht in Prozenten. Dieser Vorteil wird nicht in absehbarer Zeit verschwinden.

Und wie sieht es mit den berichteten Qualitätsdefiziten von Bauteilen aus, die in Göttingen korrigiert werden?

Wenn es Qualitätsprobleme in der Fertigung in China geben sollte, dann heißt die Aufgabe, dass wir sie nachhaltig abstellen müssen. Mir leuchtet nicht ein, dass es einem Land wie China, in dem sehr komplexe Hightech-Produkte hergestellt werden, nicht gelingen soll, nachhaltig und zuverlässig Zeiss-Qualität herzustellen. Wir fertigen schon länger komplexe Module in China, weil die asiatischen Märkte für uns wichtig sind. Der Preisdruck ist sehr groß. Wenn wir dort mitspielen wollen, dann müssen wir auch teilweise vor Ort produzieren – auch für den dortigen Markt.

Welches Problem stellt Produktpiraterie in China dar?

Spätestens in den Zeiten, in denen das Kanzleramt abgehört wird, gibt es keinen Grund zu glauben, in Deutschland wäre man sicherer als in China. Entweder habe ich wirksame Schutzmechanismen, dann an jedem Standort weltweit, oder ich habe keine.

Ist die Entscheidung über die Verkleinerung des Standorts Göttingen final oder gibt es noch einen Spielraum?

Nein, es wird keine grundsätzliche Überprüfung mehr geben. Wir müssen schnell handeln, denn wir haben nicht den Luxus, Zeit verlieren zu können. Schnell heißt, dass wir die Gespräche mit dem Betriebsrat möglichst vor Weihnachten zum Abschluss bringen wollen.

Felix Justus Wehmer
Der studierte Betriebswirt Wehmer war von 2002 bis 2012 bei Zeiss tätig und kehrte 2013 zurück. Er übernahm die Leitung des gemeinsamen Produktionsnetzwerks der Zeiss-Gruppe, bevor er im März 2015 gemeinsam mit Markus Weber als Geschäftsführer den Zeiss-Unternehmensbereich Microscopy übernahm.

Interview: Sven Grünewald

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