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Kampf um Talente hat bereits begonnen

Fachkräftekonferenz Südniedersachsen Kampf um Talente hat bereits begonnen

Die Prognosen sind düster: In Südniedersachsen nimmt die Bevölkerungszahl ab, ein Fachkräftemangel scheint unausweichlich. Dieser werde „eklatant“ sein, fürchtet Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD). Experten auf der 1. Fachkräftekonferenz Südniedersachsen in Göttingen stimmen ihm zu.

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Technische Fachkräfte sind Mangelware: Teilnehmer der Fachkräftekonferenz sehen regionale Lösungsansätze.

Quelle: Pförtner

Die Zeit drängt: „Wir befinden uns schon mitten im War of Talents“, sagt Wolfram Joos, Personalleiter von Novelis. Im kaufmännischen Bereich gebe es aktuell und auch in Zukunft zwar keine Probleme, da auf jede offene Stelle mehr als 100 Bewerbungen kämen, für technische Berufe sehe es jedoch ganz anders aus. „Da ist es schwer, qualifizierte Leute zu finden“.

Daniela Ruhstrat stimmt ihm zu. „Der Nachwuchs in diesem Sektor fehlt, da die Jugend sich immer weniger für technische Berufe interessiert“, konstatiert die Prokuristin von Ruhstrat Haus- und Verwaltungstechnik. Zudem habe speziell das Handwerk ein schlechtes Image – frühes Aufstehen, harte körperliche Arbeit und unterdurchschnittliche Bezahlung. „Viele Jugendliche entscheiden sich daher für eine Karriere im Büro am Computer“, sagt sie.
Als Fachkraft wird jede Person bezeichnet, die eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen vergleichbaren Sekundärabschluss hat. Die zu geringe Anzahl an Bewerbern in einigen Fachbereichen hängt auch mit dem demografischen Wandel zusammen: Die Geburtenraten sind niedrig. „Rein theoretisch bräuchte Deutschland eine Geburtenquote von 2 bis 2,3 Kindern pro Frau, aber das können wir kaum beeinflussen“, meint Heinz Orlob, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Hannover.

Jörg Lahner von der HAWK sieht ein generelles Problem: „In der öffentlichen Diskussion wird gestritten, ob es überhaupt einen Fachkräftemangel gibt“. Das liege daran, da man kein pauschales Urteil abgeben könne. „Es ist branchen- und regionsabhängig. Einen generellen Mangel gibt es derzeit nicht“. Doch wenn es keinen Konsens über einen branchenspezifischen Fachkräftemangel gebe, werde auch nicht genug unternommen. Wenn jedoch nicht gehandelt werde, könne es in diverse Branchen wie bei Technikern, einigen Ingenieurs-Sparten oder auch im Gesundheitsbereich zu Engpässen kommen, auf die man dann nicht mehr kurzfristig reagieren könne.

Für unqualifizierte Arbeiter gebe es zukünftig kaum noch Aussichten auf Jobs: „1970 waren 82 Prozent unserer Angestellten ungelernt, heute sind es 15 Prozent“, berichtet Robert Schmidthals, Geschäftsführer der Rezeptprüfstelle Duderstadt. 2030 rechnet er mit circa 6 Prozent. Bei den unter 40-Jährigen gebe es in seinem Betrieb überhaupt keine Ungelernten mehr, der Bedarf an Fachkräften steige.

Doch wie sehen konkrete Lösungen aus? Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müssten regionale Lösungsansätze gefunden werden, erklärt Martin Rudolph von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover. Unternehmen müssen in Aus- und Weiterbildung investieren, da sind sich alle Redner auf der Fachkräftekonferenz einig. Gleichzeitig müsse man Kinder und Jugendliche für technische Berufe begeistern. „Wir kooperieren mit Schulen, um Nachwuchskräfte zu gewinnen, beispielsweise über Betriebsbesichtigungen und Praktika“, sagt Wolfram Joos. Schon in Grundschulen könne ein Unternehmen Kontakte herstellen und durch Informationsveranstaltung technische Berufe spielerisch präsentieren, so Daniela Ruhstrat. Marketing-Kampagnen müssen zudem auf Jugendliche zugeschnitten sein, beispielsweise durch einen modernen Internetauftritt.

Heinz Orlob ist zuversichtlich, dass die Region Südniedersachsen Lösungen findet. „Die erste Fachkräftekonferenz zeigt, dass die lokalen Akteure zusammenarbeiten wollen“. Potenzial für Fachkräfte sehe er unter den Empfängern von Sozialleistungen, den Ausbildungs- und Studienabbrechern.

Um Fachkräfte in der Region zu halten oder sie in die Region zu holen, müsse der Standort attraktiv sein. „Wir brauchen eine optimale Kinderbetreuung, flächendeckende Ganztagsschulen und müssen Familie und Beruf vereinbar machen“, fordert Wolfgang Meyer. Auch eine bessere Einwandererbetreuung gehöre dazu.

Zusammenarbeiten können die Akteure der Region beispielsweise im Bereich Standortattraktivität, meint Rudolph. „Gemeinsame Pool-Anzeigen in überregionalen Medien könnte ich mir vorstellen“. Natürlich suchen die Unternehmen zunächst für sich Fachkräfte, trotzdem können Kooperationen helfen, doppelte Arbeit zu vermeiden.

Beim Thema Standortattraktivität sind auch Stadt und Kommunen gefordert: Wohnqualität, Freizeitangebote und Kinderfreundlichkeit sind wichtige Kriterien, die für Arbeitskräfte den Ausschlag für oder gegen die Region geben können.
„Die Fachkräftekonferenz soll Ideen sammeln und die Akteure zusammenbringen“, erklärt Rudolph. Es sei wichtig, dass alle kooperieren und zwischen den Konferenzen Netzwerke spinnen. „Die Konferenzen sind Fixpunkte.“ Dort könne man besprechen, welche Ideen gut waren und welche nicht.“
Die nächste Konferenz findet am 27. September statt.

Von Michael Kerzel

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