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Kassel-Calden: In sechs Jahren aus den roten Zahlen?

Linienflüge und mehr Urlaubsflüge sollen es richten Kassel-Calden: In sechs Jahren aus den roten Zahlen?

Ein neuer Business-Plan soll den Regionalflughafen Kassel Airport bis 2021 aus den roten Zahlen führen. Ralf Schustereder, seit gut einem Jahr Geschäftsführer des Flughafens, bezeichnet seine Ziele als „ehrgeizig“ – aber machbar. Das prognostizierte Betriebsdefizit für 2014 liegt bei 8,1 Mio. Euro – Schustereder geht aber davon aus, dass es geringer ausfallen wird.

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Gähnende Leere im Flughafen Kassel Airport. Ein neuer Business-Plan soll den Regionalflughafen bis 2021 aus den roten Zahlen führen.

Quelle: Rohde

Kassel. Die Debatte um Sinn und Unsinn des meist leeren Rollfelds ist anscheinend etwas ruhiger geworden, seit Schustereder im April 2014 das Steuer von Maria Anna Muller übernommen hat.

Der ehemalige Fraport-Manager führt die Geschäfte zumindest nach außen hin mit Besonnenheit. Seit Anfang des Jahres stehen auf Initiative Schustereders zwei neue Potenzialszenarien für das Jahr 2024 im Raum: 237000 Fluggäste pro Jahr sollen primär durch touristischen Reiseverkehr erreicht werden.

„Warum sollte die Region auch keinen touristischen Reiseverkehr haben?“, fragt Schustereder, der vor einer Telefonkonferenz gerade im Bistro neben dem Tower sitzt. Ebenso unumwunden gibt er aber zu, dass „dieser Verkehr nur derzeit von anderen Flughäfen wahrgenommen wird“, und meint damit die „üblichen Verdächtigen“: Frankfurt, Paderborn und Hannover.

Schustereder bleibt pragmatisch: „Wenn das Angebot entsprechend gestaltet ist, gehe ich davon aus, dass auch Kasselaner und Leute aus der Region von Calden abfliegen werden.“ 

Turkish Airlines ein Kandidat

In einem zweiten Szenario wird mit 471000 Fluggästen gerechnet, wenn zusätzlich ein Linienflugverkehr etabliert werden könnte. Dafür müsse der Flughafen aber in das Netzwerk einer Linienfluggesellschaft eingebunden werden. „Das ist schon eine andere Hausnummer“, sagt Schustereder, der dieses Ziel nicht allein durch Tourismus, sondern auch mit Geschäftsreiseverkehr erreichen will.

„Nordhessen hat ein sehr gut entwickeltes Wirtschaftsnetz mit hoher Exportaktivität. Dann können Sie auch davon ausgehen, dass dort entsprechende Geschäftsreiseaktivitäten laufen.“ Für ein Gelingen dieses zweiten Szenarios müsste der Flughafen an mindestens zwei Drehkreuze angebunden werden, schätzt Schustereder. 

Um durch ein besseres Angebot mehr Reisende anzuziehen, arbeite die Geschäftsführung derzeit intensiv an der Akquise von weiteren Airlines. Ein vielversprechender Kandidat sei Turkish Airlines, mit denen es erst vor kurzer Zeit einen „interessanten Termin“ gegeben habe.

Reisende werden wegberaten

Sollte es zu einem Vertragsabschluss kommen, würde Schustereder das mindestens vier Flüge in der Woche zusätzlich bescheren. Eine weitere Baustelle sei die Kooperation mit Reisebüros in der Region: „Ich habe das Gefühl, viele Reisende werden immer noch von uns wegberaten.“ 

Die Frage, wie es ihm nach einem Jahr Kassel-Calden eigentlich geht, quittiert Schustereder mit einem Seufzer und einem Lächeln: „Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte es so erwartet. Es ist sicherlich ein gewaltiges Stück Energie nötig, um unsere Organisation in die neue Richtung zu lenken. Es ist schon ein intensiver Veränderungsprozess, den wir gerade angehen – auch für die Führungskräfte und die Erwartungshaltungen, die wir an Führungskräfte in der Zukunft stellen.“

In die Umsetzung seiner Ziele scheint Schustereder zu vertrauen: „Mit der Verabschiedung des Wirtschaftsplans hat uns die Politik eine Chance gegeben. Jetzt hoffe ich, dass man mir auch die Zeit gibt, diese Ziele in die Realität umzusetzen.“

►Kommentar zum neuen Flughafenkonzept des Kassel Airport

Die erste Frage im FAQ des umstrittenen Regionalflughafens lautet: „Warum gibt es den Flughafen Kassel-Calden?“ Das, und das darf man ganz ohne Polemik sagen, ist eine gute Frage.

Fest steht aber auch: Der jüngst in „Kassel Airport“ umgetaufte Flughafen existiert nun einmal. Und allen Unkenrufen zum Trotz wäre eine profitable Fortführung einer Schließung definitiv vorzuziehen. Schustereder hat einen Plan, der weniger großartig, aber dafür realistischer ist als die viel zu hoch gesteckten ursprünglichen Erwartungen.

Geht er auf, profitiert Kassel nicht nur durch eine Anbindung an den Linienflugverkehr, sondern auch durch die Vorteile des Wirtschaftsstandorts Flughafen. Schon jetzt haben sich hier namhafte Unternehmen der Branche niedergelassen.

Mit dem geplanten Aviation Industry Park soll zudem ein Gewerbegebiet mit Luftfahrt-Schwerpunkt entstehen. Das würde zusätzlich zu Arbeitsplätzen auch Einnahmen für die öffentliche Hand bedeuten – angesichts der Tatsache, dass das dicke Minus des „Airports“ vom Land Hessen, Stadt und Landkreis Kassel sowie der Gemeinde Calden getragen wird, sind das zumindest interessante Aussichten.

Jonas Rohde

Jonas Rohde

Quelle: Hinzmann

Von Jonas Rohde

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