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Lehr-Euro: Modell für andere Handwerke?

Baugewerbe will „Akademisierungswahn“ entgegentreten Lehr-Euro: Modell für andere Handwerke?

Die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat sich in die Diskussion um den Fachkräftemangel im Handwerk eingeschaltet. Die breite Einführung eines Lehr-Euros, eine in der Baubranche existierende Ausbildungsplatzumlage, könne helfen, Handwerksausbildungen attraktiver zu machen.

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Ausbildungsplatzumlage könnte Ausbildungen attraktiver machen.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Northeim. Das Problem des fehlenden Nachwuchses ist vielschichtig. Seitens der Betriebe wird eine Abnahme der Ausbildungsreife der Jugendlichen bemängelt, hinzu kommt eine abnehmende körperliche Belastbarkeit. Also bleiben Stellen unbesetzt, weil die Voraussetzungen der Bewerber nicht stimmen. Gleichzeitig wirkt sich das Phänomen des „Akademisierungswahns“ aus – es gibt zunehmend mehr Abiturienten, die zunehmend häufiger an die Hochschulen gehen. Und natürlich sinkt die Zahl der jungen Menschen an sich kontinuierlich.

 
Auf der anderen Seite lässt sich fragen, ob das Handwerk überhaupt noch attraktiv genug ist, um im Wettbewerb bestehen zu können. Richtwerte für die Ausbildungsvergütung bietet die Kreishandwerkerschaft. Ein Bäcker ebenso wie ein Fachverkäufer erhalten demnach etwa 430 Euro im ersten Lehrjahr, im dritten sind es 670 Euro. Friseure starten bei etwa 420 Euro im ersten Lehrjahr und liegen im dritten bei circa 570 Euro.

 
Anders sieht es hingegen im Baugewerbe aus. Ein Maurer beispielsweise startet mit etwa 690 Euro und erhält im dritten Jahr um die 1340 Euro. „Als ausgebildeter Geselle steigt man leicht mit 3000 Euro brutto in eine Anstellung ein“, sagt Christoph Sachse von der Kreishandwerkerschaft. Der Grund für die hohe Ausbildungsvergütung liegt unter anderem im besagten Lehr-Euro und der Erkenntnis, dass man den Beruf attraktiv halten muss, um dem Nachwuchsmangel zu entgehen.

 
Bereits 1975 wurde in der Baubranche eine verpflichtende Ausbildungsabgabe eingeführt. Jeder Betrieb muss 2,1 Prozent seiner Bruttolohnsumme an die Sozialkasse der Bauwirtschaft  (Soka Bau) abführen, im Falle eines Ein-Mann-Betriebs sind dies immer mindestens 900 Euro. „Alle Baubetriebe profitieren von gut ausgebildeten Mitarbeitern, aber nur rund 25 Prozent von ihnen bilden selbst aus“, sagt Kreishandwerksmeister Christian Frölich, der selbst in der Baubranche tätig ist. Mit der Umlage werden sämtliche Kosten der überbetrieblichen Ausbildung in den Ausbildungszentren finanziert, zusätzlich erstattet die Soka Bau einen Teil der Ausbildungsvergütung. Christoph Sachse ist sich sicher: „Die Umlage trägt im Baubereich zumindest dazu bei, dass es einigermaßen stabile Auszubildendenzahlen gibt.“

 
Wäre das Solidaritätsmodell für andere Branchen eine Chance? „Natürlich wäre dieser Ansatz auch für andere Branchen wünschenswert“, sagt Frölich. „Er erfordert jedoch die Einsicht, dass durch diese solidarische Leistung die ganze Branche profitiert. Es würde sicher die Ausbildungsbereitschaft steigern, denn gerade in den ersten beiden Jahren sind die Auszubildenden doch sehr selten in den Betrieben, so dass häufig die Frage aufkommt: Wofür soll ich den Azubi bezahlen, wenn er ohnehin nur in der Schule ist?“

 

Von Sven Grünewald

 

Daten und Fakten

Daten der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen zeigen, dass die Zahl der ausbildenden Betriebe kontinuierlich abnimmt. Gleichwohl bleibt die Anzahl der Auszubildenden pro Ausbildungsbetrieb konstant bei durchschnittlich etwa 2,4.

 
Betriebe in Handwerken, die nicht mehr der Meisterpflicht unterliegen, bilden dabei nur wenig aus, weil die notwendige fachliche Ausbildungseignung oft nicht vorliegt. Handwerksähnliche Betriebe, die etwa ein Achtel der bei der Handwerkskammer registrierten Betriebe ausmachen, bilden so gut wie nicht aus.

 

Insgesamt in die Handwerksrolle der Handwerkskammer eingetragene Betriebe:

  • 2005: 7880, davon ausbildend: 1800 (23,9 Prozent)
  • 2010: 8072, davon ausbildend: 1724 (21,3 Prozent)
  • 2014: 7980, davon ausbildend: 1492 (18,7 Prozent)

 

Betriebe, die einer Meisterpflicht unterliegen:

  • 2005: 5793, davon ausbildend: 1700 (29,3 Prozent)
  • 2010: 5741, davon ausbildend: 1625 (28,3 Prozent)
  • 2014: 5482, davon ausbildend: 1330 (24,2 Prozent)

 

Betriebe, die nicht der Meisterpflicht unterliegen:

  • 2005: 960, davon ausbildend: 95 (9,8 Prozent)
  • 2010: 1266, davon ausbildend: 91 (7,2 Prozent)
  • 2014: 1411, davon ausbildend: 65 (4,6 Prozent)
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