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Als „Brötchenbursche“ selbstständig gemacht

Lieferdienste für Backwaren in Göttingen Als „Brötchenbursche“ selbstständig gemacht

Als „Brötchenbursche“ hat sich Wirtschaftsingenieur Oliver Pfanne (34) aus Geismar selbstständig gemacht. Seit März hat er 300 Kunden, von denen die meisten in 22 Dörfern rund um Göttingen leben, mit Backwaren von Ruch beliefert. Auch andere Bäckereien arbeiten mit Lieferdiensten zusammen.

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Quelle: Mischke

Göttingen. Bereits morgens um 4 Uhr steht Pfanne bei der Rosdorfer Bäckerei Ruch in der Backstube. Er packt dort die Brötchentüten für seine Kunden. Bis 7 Uhr liefert er sie aus. In Spitzenzeiten benötigt er bereits einen Mitarbeiter. Weil Kunden auch nach Bioobst- und -gemüse, nach Bioeiern und nicht pasteurisierter Milch fragten, baut er sein Sortiment derzeit aus. „Ich kaufe frühmorgens auf dem Göttinger Wochenmarkt ein und fahre anschließend bis 8 Uhr eine zweite Tour“, erzählt er.

„Auf die Idee mit dem Lieferservice kam ich, weil mir selbst der morgendliche Gang zum Bäcker lästig ist“, erzählt er. Der Ingenieur, der aus privaten Gründen nach Göttingen gekommen ist und hier in seinem Beruf keine passende Stelle fand, entdeckte bei einer Recherche im Internet das System „Brötchenbursche“ des Nordhorner Unternehmers Jens Stulga. „Systempartner nutzen eine einheitliche Software für die Bestellungen und ein gemeinsames Callcenter“, berichtet er. Weil sich mit dem System aber nicht zusätzliche Sortimente handeln lassen, besorgte sich Pfanne zwischenzeitlich eine andere Software. Vom 2. August an firmiert er im Internet nicht mehr als broetchenbursche.de, sondern als broetchenbande.de.

Holger Ruch, Geschäftsführer der Bäckerei Ruch, freut sich über den neuen Geschäftsparter. „Rührig“ sei Pfanne, lobt er. Die Zusammenarbeit klappe „reibungslos“. Das sei bei einem anderen Lieferdienst, mit dem er vor ein paar Jahren kooperiert habe, anders gewesen. Wegen „zwischenmenschlicher Probleme“ hätten sie sich seinerzeit wieder getrennt. Lieferdienste lägen im Trend. „Die Menschen werden bequemer“, beobachtet Ruch.

Eike Hillebrecht, Geschäftsführer der Göttinger Bäckerei Küster, ergänzt: „Der Altersdurchschnitt in der Gesellschaft steigt. Viele Menschen wollen gar nicht mehr vor die Tür.“ Hillebrecht arbeitet seit 2012 mit selbstständigen Lieferanten zusammen. Er begann mit dem Gute Laune Service. 2015 kam der Bäckerbote dazu, 2016 der Brötchen Liefer-Express. „Die drei Wettbewerber stehen morgens um 4 Uhr friedlich nebeneinander bei mir in der Backstube und packen ihre Brötchentüten“, erzählt Hillebrecht.

„Durch die Lieferdienste vergrößern wir unsere Reichweite“, sagt der Bäcker. Der Nachteil: Einige Kunden kämen nicht mehr in die Küster-Filialen Dadurch komme es zu keinen Spontankäufen. Die Kunden blieben zudem nicht auf dem Laufenden, was das wöchentlich wechselnde Sortiment angehe. Deshalb könne er sich vorstellen, eines Tages einen eigenen Lieferdienst aufzubauen.

„Wir haben von Juli 2007 bis Juni 2015 mit Dieter Schneemann zusammengearbeitet, der auf eigene Rechnung frühmorgens Kunden mit unseren Backwaren belieferte“, berichtet Peter Hühn von der Feinbäckerei Thiele. Schneemann, der zeitweise zwei Mitarbeiter beschäftigt habe, sei am Ende aus Altersgründen ausgeschieden. Einen der Mitarbeiter habe Thiele als Fahrer übernommen. „Um Kunden in Göttingen und den Dörfern zu erreichen, betreiben wir zwei Verkaufswagen“, erzählt Hühn. Die Fahrer würden Stammkunden die Ware auch schon mal an die Haustür hängen, wenn auch nicht überall bereits morgens.

„Wir haben vor zehn Jahren auch einmal mit einer niederländischen Firma kooperiert“, sagt Hühn. Kunden hätten dort über das Internet Torten bestellen können, die Thiele dann gebacken und ausgeliefert habe. „Das hat anfangs sehr gut funktioniert“, erinnert sich Hühn. Der Niederländer habe sein Geschäft dann aber aufgegeben.

Dass Bäcker den Kunden die Ware nach Hause liefern, hat eine lange Tradition. Annette Lutze von der Bäckerei Lutze an der Weender Straße erinnert sich, dass ihr Großvater in den 50er-Jahren mit einem „Wägelchen“ über Land gezogen sei. Er habe den Kunden Brot und Brötchen nach Hause gebracht. An diese abgerissene Tradition des Bäckerhandwerks wollen die Lieferdienste anknüpfen.

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