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Zweckentfremdete Leiharbeit?

Kritik von Gewerkschaft Zweckentfremdete Leiharbeit?

Von „Jobs zweiter Klasse, die drastisch zugenommen haben“, spricht Manfred Tessmann, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Gemeint sind Leiharbeiter. In den letzten zehn Jahren sei deren Zahl im Landkreis Göttingen um über 130 Prozent gestiegen.

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Insbesondere in der Fleischindustrie gebe es einen Missbrauch von Leiharbeit, kritisiert die Gewerkschaft NGG.

Quelle: Hinzmann

Braunschweig. „Der Sinn der Leiharbeitsregelung war, Auftragsspitzen abzufangen“, so Tessmann. Aber inzwischen würden Leiharbeiter und Werkverträge genutzt, um das Stammpersonal zu verdrängen. Sehr stark sehe man das in der Fleischwarenindustrie sowie bei Zimmermädchen-Brigaden oder Kellnern.

Die Göttinger Fleischwaren Wulff verzichte komplett auf Werkverträge und Leiharbeit, so ihr kaufmännischer Leiter Bernd Müller. Im Krankheitsfall und bei Auftragsspitzen setze man auf Werksstudenten. Deren Anteil sei aber verschwindend gering. „Als sehr wichtig“ betrachtet hingegen Frank Walter Eisenacher den Einsatz von Leiharbeitnehmern und Werkverträgen, um auch bei saisonalen Nachfrageschwankungen immer 100 Prozent lieferfähig zu bleiben. Über die Jahre habe sich daher ein Anteil von etwa 15 Prozent Werkvertrag und fünf Prozent Leiharbeit an der Belegschaft eingependelt. Einen Ersatz des Stammpersonals gebe es nicht, da „für uns Leiharbeitsverhältnisse relativ teuer sind“.

Derzeit wird in Berlin über eine stärkere Regulierung diskutiert, um den Missbrauch zu bekämpfen. So sollten etwa nach neun Monaten Beschäftigung Leiharbeiter denselben Lohn erhalten wie das Stammpersonal. Das löse jedoch das Problem nicht, so Tessmann. Es entstehe ein Drehtüreffekt: Der Leiharbeiter werde nicht länger als neun Monate beschäftigt, nach drei Monaten „Pause“ kann er erneut ohne den Gleichbezahlungsanspruch wieder in das Unternehmen kommen.

Die Göttinger Bundestagsabgeordneten sehen den Handlungsbedarf. Die geplanten Regelungen hält Fritz Güntzler (CDU) jedoch für ausreichend - durch „die Einführung einer Überlassungshöchstdauer von grundsätzlich 18 Monaten“ sowie das Verbot, Leiharbeiter als Streikbrecher einzusetzen. Ebenso sieht es Thomas Oppermann (SPD). Arbeitnehmer würden geschützt, Unternehmen könnten „weiterhin flexibel auf Auftragsspitzen oder Vertretungsbedarf“ reagieren.

Jürgen Trittin (Grüne) hingegen fordert „endlich wieder eine faire Balance zwischen den Flexibilitätsinteressen der Wirtschaft und dem Schutzbedürfnis der Leiharbeitskräfte“. Deren soziale Sicherheit und gleiche Bezahlung ab dem ersten Arbeitstag sei eine Frage der Gerechtigkeit. sg

Leiharbeiterzahl

Die Zahlen steigen: Im März 2016 waren von den 169?333 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten des Arbeitsagenturbezirks Göttingen 3472 als Leiharbeiter tätig – ein Anteil von 2,1 Prozent. Im März 2015 lag dieser Anteil der Leiharbeiter bei zwei Prozent, im März 2014 waren es 1,8 Prozent. sg

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