Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Neustädter Modell in Göttingen gescheitert

Schulprojekt vor dem Aus Neustädter Modell in Göttingen gescheitert

Das Interesse schwindet seit Jahren, nun ist das Schulprojekt "Neustädter Modell" in Göttingen gescheitert. Dort konnten Realschüler der neunten und zehnten Klasse an zwei Tagen in der Woche Fachkenntnisse in den Bereichen Wirtschaft oder Technik erwerben.

Voriger Artikel
Zinsen runter, Netzentgelte stabil?
Nächster Artikel
Sartorius informiert 300 Besucher

Realschüler der neunten und zehnten Klasse konnten an zwei Tagen in der Woche Fachkenntnisse in den Bereichen Wirtschaft oder Technik erwerben. So verkürzten sie ihre spätere Lehrzeit um ein Jahr.

Quelle: AIB

Göttingen. Seit 2011 gab es das Angebot in Göttingen, zunächst im Bereich Technik, seit 2014 auch im Bereich Wirtschaft. Realschüler besuchten jeweils drei Tage in der Woche die Voigt- oder die Geschwister-Scholl-Schule (KGS). Zwei Tage lernten sie in den Berufsbildenden Schulen (BBS). „Anfangs war das Interesse groß“, erinnert sich Guido Ahlborn, der stellvertretende Schulleiter der BBS II. Die besseren Aussichten auf einen Ausbildungsplatz und die Verkürzung der Lehrzeit hätten gelockt. Zwei Fachpraxis-Klassen mit jeweils 14 Schülern habe es im Bereich Technik zu Beginn gegeben. Doch sei das Interesse abgeebbt. „Im vergangenen Jahr fingen bei uns elf Schüler an, dieses Jahr meldeten sich nur noch sieben“, berichtet Ahlborn. Das sei für eine Klasse zu wenig.

„Die Zeiten haben sich geändert“, kommentiert Lehrerin Heike Anhalt-Brüggemann von der Geschwister-Scholl-Schule die Entwicklung. Es sei heute viel einfacher geworden, eine Lehrstelle zu finden. Viele Schüler strebten einen höheren Abschluss an. Martina Psyk, die die Voigtschule leitet, sagt dazu: „Das Neustädter Modell nutzten nur leistungsstarke Schüler. Sie wollen heute lieber Abitur machen.“ Dazu benötigten sie eine zweite Fremdsprache. Die werde an der Voigtschule an den Tagen unterrichtet, wo die Neustädter in der Berufsschule seien. Zudem biete ihre Schule mit dem Profil Wirtschaft eine Alternative zum Neustädter Modell.

„Die Schüler wollen studieren, weil sie sich davon ein höheres Einkommen versprechen“, ergänzt KGS-Lehrerin Anhalt-Brüggemann. Die Jugendlichen wollten nicht glauben, dass sich auch viele Handwerksmeister einen Porsche leisten könnten. Die Lehrerin hält das Neustädter Modell für ein Auslaufmodell. An die Stelle der beiden in Göttingen beteiligten Schulen träten in den nächsten Jahren Integrierte Gesamtschulen. An ihnen lasse sich das Modell aus organisatorischen Gründen nicht mehr umsetzen.

Für „sehr bedauerlich“ hält Joachim Grube von der Göttinger Industrie- und Handelskammer das Scheitern des Projekts. Vor allem Metall- und Elektro-Betriebe hätten sich für das Modell eingesetzt. Bei ihnen gestalte sich die Suche nach Auszubildenden zunehmend schwierig. Auch für Jugendliche sei die zweijährige Vorbereitung auf die Lehrzeit gut, da die Anforderungen in den Ausbildungsberufen zunähmen.

Werben um Studienabbrecher

„Jugendliche wissen zu wenig über Berufe im Metall- und Elektrobereich, über dort bestehende Verdienst- und Karrieremöglichkeiten“, meint Bildungskoordinatorin und Berufsschullehrerin Anna Wucherpfennig von der Bildungsregion Göttingen. Die Schulen könnten aufgrund begrenzter Lehrerstunden und relativ starrer Lehrpläne nur begrenzt entsprechende Informationen vermitteln. Dem Thema Berufsweltorientierung werde noch zu wenig Zeit eingeräumt.

„Große Firmen können Mitarbeiter abstellen, die als Experten im Unterricht mit den Schülern sprechen“, berichtet Wucherpfennig. Handwerksbetriebe schafften das in der Regel aus personellen Gründen nicht. Zudem werde das Thema Berufswahl in Schulen oft im Frühjahr und im Herbst behandelt, wenn die Handwerker viel zu tun hätten.

„Eine wichtige Rolle bei der Berufswahl spielt das Elternhaus“, sagt die Mitarbeiterin der Bildungsregion. In Göttingen, wo überdurchschnittlich viele Akademiker lebten, seien vielen Eltern gewerblich-technische Berufe fremd. In ländlichen Regionen, wie dem Eichsfeld, sehe das anders aus. „Ein Teil der jungen Menschen, die anfangen zu studieren, brechen wieder ab“, so Wucherpfennig. Einige ließen sich eventuell doch noch für eine Ausbildung oder ein duales Studium gewinnen. Da seien verstärkte Anstrengungen notwendig.

Die seit 2007 aktive Bildungsregion Göttingen, die beim Regionalverband Südniedersachsen angesiedelt ist, will die Qualität im Bildungswesen verbessern. Gesteuert werden ihre Aktivitäten von den Landkreisen Göttingen und Northeim sowie die Stadt Göttingen in Zusammenarbeit mit der Landesschulbehörde. Die Bildungsregion richtet unter anderem Fachveranstaltungen aus, fördert die Berufsorientierung an Schulen und erstellt einen Bildungsbericht für Südniedersachsen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
DAX
Chart
DAX 10.529,50 -0,04%
TecDAX 1.687,00 -0,51%
EUR/USD 1,0673 +0,12%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

DT. TELEKOM 14,69 +0,71%
BAYER 87,21 +0,71%
HEID. CEMENT 83,50 +0,67%
DT. BANK 14,73 -1,98%
VOLKSWAGEN VZ 118,37 -0,71%
LUFTHANSA 12,14 -0,50%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Bakersteel Global AF 158,73%
Structured Solutio AF 154,97%
Stabilitas PACIFIC AF 151,07%
AXA IM Fixed Incom RF 141,93%
Crocodile Capital MF 122,39%

mehr

Wirtschaft Rubriken
Rubriken Wirtschaft Göttingen und die Welt