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Northeimer Herrenausstatter Wilvorst zieht die Männer an

35 Millionen Euro Umsatz in 35 Ländern Northeimer Herrenausstatter Wilvorst zieht die Männer an

Wer in Deutschland festlich heiratet, kommt mit uns in Berührung“, sagt Nicola Maria Meyer. Die Marketingleiterin der Wilvorst Herrenmoden GmbH betont, dass das Northeimer Unternehmen die „Top-100-Position“ am deutschen Markt hält. Auch in Europa seien die Northeimer, die im kommenden Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiern, „sehr gut“ positioniert.

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200 Anzüge aus je 100 Einzelteilen verlassen täglich das Werk: Inhaber Karl-Wilhelm Vordemfelde und Büglerin.

Quelle: Hinzmann

Northeim. Das wichtigste Standbein von Wilvorst ist Hochzeitskleidung. 70 Prozent ihres Umsatzes von 35 Mio. Euro wird in diesem Bereich erwirtschaftet, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Karl-Wilhelm Vordemfelde, dessen Onkel Wilhelm 1916 in Stettin die Kleiderfabrik Graf & Teuchert kaufte und Wilvorst gründete. Im festlichen Bereich sind die Northeimer, die seit 1993 zur Herforder Brinkmann-Gruppe (seit 2012 Bugatti Holding)) gehören, in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Belgien und Holland Marktführer.

„Die Hochzeit boomt“, berichtet der 62-jährige Firmenchef, der den Betrieb in dritter Generation leitet. Kamen früher 50 Gäste zur Hochzeit, sind es heute 150 und mehr. Die Braut komme als Prinzessin und wolle an ihrer Seite einen feschen Zukünftigen. Bis zu 1000 Euro werde heute für das Outfit des Bräutigams auf den Tisch gelegt – immer noch weit weniger als für die Ausstattung der Frauen. „Der Mann muss sich bescheiden geben“, kommentiert der promovierte Jurist.

Vom Cut bis zum Smoking produziert Wilvorst an fünf Produktionsstandorten in Deutschland, Bulgarien und Rumänien Gesellschaftskleidung – in 200 Formen, mit 1000 Stoffen, in 100 Größen. Mit Stars und Sternchen unter ihren Kunden können die Northeimer werben – Peter Maffay und Mirko Slomka und ganz aktuell Günter Pauler und Hans-Jörg Maucksch. Die beiden Northeimer Musikproduzenten sind für einen Grammy nominiert und fliegen mit Wilvorst-Outfits nach Los Angeles.

Die Zentrale von Wilvorst ist in Northeim, wo seit 1946 produziert wird. Auch das Kreativzentrum unter der Leitung von Stoffdesignerin Sabine Vordemfelde (Einkauf und Produktentwicklung) ist in der Stettiner Straße 6-8. Dort arbeiten 250 der insgesamt 500 Mitarbeiter, dort werden 15 Lehrlinge ausgebildet.

Seit 2010 führen die Northeimer die Maßkonfektion der geschlossenen Goslarer Firma Odermark (Brinkmann-Gruppe) fort, die einst 1200 Mitarbeiter beschäftigte. Wilvorst hat die beiden Produktlinien Atelier Torino und Corpus Line von den Goslarern übernommen. Damit ist neben der Dachmarke Wilvorst (mit Tziacco) auch Tagesbekleidung im Portfolio. Modedesigner Stefan Piel (49), der von Odermark kommt, zeichnet für diesen Bereich verantwortlich.

Um acht Prozent haben die Northeimer im vergangenen Jahr ihren Umsatz gesteigert. Im laufenden Jahr, so die vorsichtige Prognose des Firmenchefs, könnten fünf Prozent mehr drin sein. Die Russlandkrise etwa wirke sich aus. Der Export dorthin stagniere. Dennoch ist Vordemfelde zuversichtlich. „Geheiratet wird immer“, weiß der Vater von drei Töchtern aus Erfahrung. Caroline, Christine und Catherine haben Betriebswirtschaft studiert, stehen beim Thema Unternehmensnachfolge dennoch nicht zur Verfügung. Deshalb wird es einen Fremdgeschäftsführer für Wilvorst geben. „In drei Jahren wird die Sache entschieden“, kündigt Vordemfelde an.

Das Unternehmen

Die Wilvorst Herrenmoden GmbH exportiert 38 Prozent ihrer Waren in 35 Länder. Im Bereich festlicher Outfits sind die Northeimer Marktführer im deutschsprachigen Raum. Wilvorst gehört zur Brinkman-Gruppe, macht 35 Mio. Euro Umsatz, einen nicht veröffentlichten, „ordentlichen“ Gewinn und beschäftigt in der Gruppe 500 Mitarbeiter. 5000 Händler vertreiben Wilvorst-kleidung, 1000 davon in Deutschland. soz

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