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Handwerks-Innungen wollen nicht fusionieren

Wirtschaft Handwerks-Innungen wollen nicht fusionieren

2015 machten es die Bäcker-Innungen Osterode und Südniedersachsen vor: Sie schlossen sich im Vorgriff der Landkreisfusion zusammen, die Osteroder traten den Südniedersachsen bei. Doch in den anderen Osteroder Innungen gilt das Motto: Selbstständigkeit solange man sie sich leisten kann.

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Dirk Wollersen ist Obermeister der Bäcker-Innung Südniedersachsen. Die Innung ist Vorreiter und bislang einziges Beispiel für eine Innungsfusion aus den Kreishandwerkerschaften Osterode und Südniedersachsen.

Quelle: Archiv/IS

Göttingen/Osterode. Die Handwerksordnung (HwO) gibt zwar die Regel „ein Landkreis, eine Kreishandwerkerschaft“ vor, doch ein Fusionsautomatismus besteht nicht. Gleiches gilt für die Innungen: Es herrscht das Freiwilligkeitsprinzip. Daher existieren etwa auch noch in der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen zwei Bäcker- und Elektro-Innungen.

2015 beschlossen die Obermeister der Osteroder Innungen, selbstständig zu bleiben, solange es ihre finanzielle Situation erlaubt, wie Osterodes Kreishandwerksmeister Eberhard Eggers deutlich macht. Dazu brauchen die Innungen eine Kreishandwerkerschaft (KH), der sie angehören – doch die Osteroder KH ist inzwischen wie eine leere Hülle. Seit 2011 teilt man sich mit der KH Northeim-Einbeck den Geschäftsführer, seit 2016 haben die Osteroder Innungen ihre Geschäftsführung der Northeimer KH anvertraut, in Osterode ist nur noch eine Mitarbeiterin verblieben.

„Wir haben aber auch keine Partner in den Göttinger Innungen, daher gibt es keine Voraussetzungen, sich mit Göttingen zusammenzuschließen“, meint Eggers. Anders sehe es in Richtung Northeim aus, „da hat sich durch die gemeinsame Geschäftsführung eine gewisse Nähe entwickelt“. Der Weg nach Northeim ist den Osterodern jedoch versperrt.

„Eine Fusion von Innungen aus Northeim und Osterode ist nicht möglich“, sagt Ina-Maria Heidmann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. Dies gehe aus den Vorgaben der HwO hervor. „Die Handwerksammer hat daher in einem solchen Falle keine andere Möglichkeit, als ihre Zustimmung zu verweigern.“ Durch die Fusion der Landkreise „wäre für uns die Fusion der Osteroder und Göttinger Innungen die logische Konsequenz.“

Joachim Friehe war Obermeister der Osteroder Bäcker-Innung und ist nun stellvertretender Obermeister der fusionierten Innung.

Joachim Friehe war Obermeister der Osteroder Bäcker-Innung und ist nun stellvertretender Obermeister der fusionierten Innung.

Quelle:

Das war auch die Sichtweise der ehemaligen Osteroder Bäcker-Innung: „Wir hatten schon seit Jahren gut mit unseren Nachbar-Innungen kooperiert“, sagt Joachim Friehe, der ehemalige Obermeister und jetzt stellvertretender Obermeister der gemeinsamen Innung. „Es gibt aber immer weniger Betriebe, die Innung wurde kleiner. Uns war klar, dass wir etwas tun mussten, und wir haben uns dann entsprechend der Kreisfusion für Göttingen entschieden.“ Für die Osteroder wurden die Mitgliedsbeiträge günstiger – bei gestiegener Leistung durch die Kreishandwerkerschaft, etwa im Bereich der Rechtsberatung – und eine der beiden jährlichen Innungsversammlungen findet nun im Landkreis Osterode statt. „Ein Signal nach Osterode“, so Obermeister Dirk Wollersen.

Die Problemlage ist für alle Innungen dieselbe: Die Zahl der Mitglieder ist rückläufig, damit wird die Finanzierung der Handwerksorganisationen schwieriger. Auch in Göttingen schaffe man es durch intensive Mitgliederwerbung gerade, die Zahlen stabil zu halten. „Mehr werden wir aber auch nicht“, sagt Christian Frölich, Kreishandwerksmeister aus Göttingen. „Gleichzeitig sind die Anforderungen an die Handwerksorganisationen heute andere. Wir müssen verstärkt unsere Interessen auf allen politischen Ebenen vertreten. Die Präsenz vor Ort kann nur durch das Ehrenamt stattfinden.“ Frölich sieht dafür die Obermeister in der Pflicht.

Daher haben die Göttinger auch ein Interesse an einer großen, schlagkräftigen Kreishandwerkerschaft. Bereits mehrfach hat die KH Südniedersachsen deshalb Gesprächsangebote Richtung Osterode geschickt. „Uns liegt am Herzen, über den Fortbestand unserer und der Osteroder Innungen zu sprechen“, so Frölich. Dafür „wünschen wir uns eine stärker moderierende Rolle der Handwerkskammer“.

Warum die Osteroder Innungen nicht bereits aus eigenem Interesse konkrete Gespräche führen, wenn früher oder später kein Weg daran vorbeiführt, erschließt sich nicht.

Finanzierung der Handwerksorganisation

Innungen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und erheben von ihren Mitgliedsunternehmen frei festsetzbare Beiträge zur Finanzierung der Innungsarbeit. Eine Mitgliedschaft in der Innung ist freiwillig. Per Gesetz ist eine Innung der örtlichen Kreishandwerkerschaft zugehörig und muss dafür einen Mitgliedsbeitrag zur Finanzierung ihrer Aufgaben entrichten. Gleichzeitig kann die Innung entscheiden, ob sie auch einen Beitrag zur Finanzierung des KH-Geschäftsführers leistet oder ob sie einen eigenen Geschäftsführer bestellt – dafür hat sich etwa die Elektro-Innung Göttingen entschieden. Freiwillig ist auch die Entscheidung, ob die Innung einem Landesinnungsverband beitritt und auch dort einen Mitgliedsbeitrag bezahlt. Mit den verbliebenen Mitteln finanziert eine Innung eigene Aktivitäten, wie etwa Messen, Öffentlichkeitsarbeit oder Gänseessen.

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