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Postmitarbeiter erzählt vom Streik-Alltag und seinen Folgen

"So etwas habe ich noch nie erlebt" Postmitarbeiter erzählt vom Streik-Alltag und seinen Folgen

Die Post gibt sich verschlossen, wenn es um streikrelevante Details geht und beharrt nach wie vor auf Zustellquoten von 80 Prozent. Sie vermittelt den Eindruck, als sei weitgehend alles in Ordnung. Ein Postmitarbeiter hat uns anonym ein Interview gegeben, um einen Einblick hinter die Kulissen zu geben.

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Quelle: dpa

Wie macht sich der Poststreik für Sie selbst bemerkbar?
Ich erhalte selbst seit über drei Wochen keine Post mehr, obwohl ich für das Unternehmen arbeite. Stattdessen sehe ich zu, wie sie vom Briefzentrum in eine Lagerhalle gefahren wird, wo die Post die nicht zugestellten Sendungen in Göttingen bunkert. Und wenn ich meine gelbe Postkleidung anziehe, schwingt ein ungutes Gefühl mit, weil die Nachbarn mich darauf ansprechen, dass sie auch seit Wochen beispielsweise keine Zeitungen bekommen.
Wie zuverlässig sind die Angaben der Post über die Zustellquoten von 80 Prozent?
Verdi behauptet, dass nur etwa 20 Prozent der Sendungen am nächsten Tag zugestellt werden. Die Post spricht von 80 Prozent. Der NDR hat 100 Testbriefe verschickt, um das zu überprüfen. Nach drei Werktagen waren nur knapp 40 Prozent der Briefe eingegangen. Das ist ungefähr die Größenordnung, über die wir reden. Wir haben für die aufgelaufene Post keinen Platz mehr in den Zustellstützpunkten (ZSP) und mussten Hallen zum Zwischenlagern anmieten.

Wie groß ist der Berg an Post, der bislang eingelagert wurde?
Wenn bei täglich etwa 36 Millionen Sendungen bundesweit nur die Hälfte liegen bleiben – wohlgemerkt jeden Tag, und wir sind jetzt in der vierten Woche –, dann können Sie sich vorstellen, wie viele Millionen Sendungen das sind. Und dabei spreche ich noch nicht einmal von den Paketen. In Göttingen hat die angemietete Halle 3500 Quadratmeter Fläche. Letzte Woche wurde da ein ganzer Lkw hingefahren mit zwanzig Rollwagen voller Post, neun waren es vergangenen Samstag. Um es mit einem Beispiel anschaulich zu machen: Allein aus dem oberen Geismar, Postleitzahl 37085, stehen da etwa 30 solcher Wagen mit Post. Der aufgelaufene Postberg ist so groß, dass es schwierig wird, den überhaupt abzubauen.

Wenn man die zahlreichen Lesererfahrungen nimmt, die bei uns eingegangen sind, dann wird in bestimmten Straßen wie gewohnt zugestellt, in anderen dafür gar nicht. Wie kommt das?
Es funktionieren nur noch die ZSPs, die nicht bestreikt werden. In den bestreikten ZSPs dürfen aber keine Beamten als Streikbrecher eingesetzt werden. Die Situation ist von ZSP zu ZSP anders. In Holzminden oder Höxter streiken die gar nicht, während in Osterode von 16 Mitarbeitern 14 streiken. Es gibt ZSPs, die sind zu 90 Prozent betroffen, andere zu null Prozent. Deswegen kann in einer Straße ausgeliefert werden, aber in der nächsten nicht.

Was für Folgen sehen Sie mit dem Streik auf die Post zukommen?
Die Post macht gerade einen ganzen Haufen kapitaler Fehler, indem sie das Kundenvertrauen verspielt. Vom Streik sind zigmillionen Menschen betroffen, da müsste doch einer mal sagen: Wir können die Leute nicht so hängen lassen und müssen das wieder gerade biegen. Die Post ist zudem noch in Teilen im Besitz des Bundes. Und die Großkunden, wie Zalando oder Amazon, überlegen, nicht mehr über die Post zu verschicken. Amazon denkt bereits darüber nach, eigene Zustellbasen einzurichten. Den Schaden sehen weder Verdi noch die Post. Ich habe schon viel bei der Post erlebt, aber so eine Situation noch nicht.
Update: Am 2. Juli findet am Arbeitsgericht in Bonn eine erneute Verhandlung statt, da Verdi gegen den Einsatz von Beamten in bestreikten Bezirken klagt. Verdi liegen eidesstattliche Erklärungen von Beamten vor, die dort arbeiten mussten. Gleichzeitig scheint es wieder Bewegung in Richtung einer Gesprächsaufnahme zwischen Post und Verdi zu geben.
 Interview: Sven Grünewald

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