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„Ich war immer der einsame Kapitän“

Im Interview „Ich war immer der einsame Kapitän“

In einem spannenden Bieterverfahren hat sich die schwedische EQT gegen 120 potenzielle Investoren durchgesetzt. Deutschland-Chef von EQT Marcus Brennecke und Ottobock-Inhaber Hans Georg Näder erläutern im Interview, wie sie zueinander gefunden haben und wie sie künftig das Duderstädter Unternehmen gestalten wollen.

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Marcus Brennecke (links) und Hans Georg Näder beim Treffen im Science Center von Ottobock in Berlin.Foto: R

Berlin. Deutschland-Chef von EQT Marcus Brennecke und Ottobock-Inhaber Hans Georg Näder erläutern im Interview, wie sie zueinander gefunden haben und wie sie künftig gemeinsam das Duderstädter Unternehmen gestalten wollen.

Mal ehrlich, so ganz leicht dürfte Ihnen die Entscheidung, einen Investor mit ins Boot der Ottobock-Familie zu holen, doch nicht gefallen sein, oder?

Hans Georg Näder: Lassen sie mich das erklären. Als Unternehmen gibt es uns seit 98 Jahren: 1919 als Start-up in Berlin Kreuzberg gegründet, dann schnell bis zum zweiten Weltkrieg auf bis zu 800 Mitarbeiter gewachsen, dann wurde die Familie nach dem Krieg enteignet, dann haben meine Eltern Ottobock in Duderstadt wieder aufgebaut, schließlich der Rückkauf des Werkes im thüringischen Königsee von der Treuhand. Meine gesamte Kindheit habe ich in Duderstadt eng mit dem Unternehmen Ottobock verbracht. Als ich im Alter von 28 Jahren Chef geworden bin, wurde mir die Tragweite erst richtig bewusst. So manches Mal habe ich in den ersten Jahren bei meinem türkischen Freund Sabri eine Köfte gegessen und ein Alt getrunken und mich gefragt, ob das alles gut geht. Die Horizonte waren damals meistens der nächste Monat, das nächste Quartal, wir haben von Produkt zu Produkt geplant oder von einer Erweiterungsbaustelle zur nächsten. Das hat sich verändert.

Wie meinen Sie das?

Heute denke ich nicht nur über das Budget des nächsten Jahres nach, sondern über die nächsten fünf oder zehn Jahre. Ich frage mich, wo wir in zwanzig Jahren stehen und wie das Unternehmen in der nächsten Generation aussieht. Eine ganz wichtige Verantwortung, die ein Familienunternehmer hat, ist nicht nur die Geschichte zu achten, sondern auch nach vorne zu schauen. Das führt aber unweigerlich dazu, dass ich auch darüber nachdenke, wo ich mit dem Unternehmen in Zukunft stehen will, welches Handwerkzeug wir dafür benötigen. Welche Tools brauche in meinem Werkzeugkasten, welche Aggregate brauche ich in meinem Maschinenraum?

Und Sie geben weiter die Befehle von der Brücke?

Um im Bild zu bleiben: Ich war immer der einsame Kapitän auf der Brücke, unterstützt von einem großartigen Managementteam und klugen Beratern, aber am Ende musste ich allein entscheiden. Jetzt konnten wir mit EQT und Marcus Brennecke einen echten Partner ins Boot holen, der auf Augenhöhe mit mir ist. Und darüber bin ich sehr froh. Ich möchte die Kompetenz, die EQT als erfahrenes Private-Equity-Unternehmen hat, anzapfen, um Ottobock agiler zu machen und das Wachstum zu beschleunigen.

Ist das Ihre Art der Nachfolgeregelung?

Das kann man so sagen. Ich bin jetzt 55 - und, so Gott will, stehe ich dem Unternehmen noch zehn oder 15 Jahre zur Verfügung. Aber auch danach muss es irgendwann weitergehen. Meine Aufgabe ist es zuzusehen, dass wir bei Zeiten den richtigen Kurs einschlagen.

Marcus Brennecke, ist Ottobock das nächste Projekt von EQT in Südniedersachsen? Mit Symrise hat EQT ja immerhin bereits eine erfolgreiche Beteiligung bis zur Börsenreife zu verzeichnen.

Marcus Brennecke: Ja, Symrise war eine Erfolgsstory für alle Beteiligen. EQT ist sehr aktiv in Deutschland und grundsätzlich im Medtech-Bereich. Das zeigen EQTs erfolgreiche Investments in Firmen wie Sivantos, Lima oder BSN medical. Wir waren auch beim Mitbewerber von Fresenius, Gambro, investiert sowie in der Krebs-Diagnostik-Firma Dako. Dazu sind wir in Krankenhäusern in Finnland sowie im Markt für Tierkrankenhäuser in Nordeuropa engagiert. EQT hat sich für Ottobock schon immer interessiert. Daher wollte ich Herrn Näder schon seit Langem kennenlernen und habe versucht, über verschiedene Kanäle anzuklopfen. Wir haben uns aber nie getroffen, weil es für Hans Georg Näder nicht zur Debatte stand, Anteile zu verkaufen.

Wann fand der Kontakt statt?

Brennecke: Wir haben uns bei einem Abendessen in München im November 2016 getroffen und dort angefangen zu reden, unmittelbar danach ging der Prozess los.

Warum ist EQT so interessiert an Ottobock?

Die Otto Bock HealthCare GmbH ist mit Abstand Weltmarktführer vor einem starken Mitbewerber. Das basiert vor allem auf der Innovationskraft der Firma. EQT will helfen, weiter organisches und anorganisches Wachstum zu schaffen. Wir sehen zudem Potenzial für operative Optimierung. Ich denke, dass wir in diesen beiden Bereichen erheblichen Wertbeitrag leisten können, um den Hidden Champion auf die nächsthöhere Ebene zu bringen.

Wie meinen Sie das?

Neben EQTs Erfahrungen in der Medtech Industrie stellen wir finanzielle Mittel für Innovationen bzw. Akquisitionen zur Verfügung. Weiterhin haben wir umfangreiche Expertise im Bereich „Operational Excellence“, mit welcher wir das Management von Ottobock unterstützen möchten. Außerdem ist die Entwicklung eines Unternehmens oft auch eine Frage der Prioritätensetzung. Ein Unternehmer darf in seiner Firma seine Vorlieben haben. Wir sind sehr gut im Prioritäten setzen sowie der konsequenten Umsetzung und wir werden - wenn nötig - auch unbequeme Fragen stellen.

Das klingt nach Umstrukturierung.

Nein, im Gegenteil. Wir stellen Unternehmen nicht auf den Kopf, nur um Profite zu machen und dann wieder auszusteigen. Es gibt Finanzinvestoren, die denken beim Einstieg schon an den Ausstieg. Das ist bei uns und unserem Familienhintergrund mit den Wallenbergs nicht so: wir sind nachweislich an der nachhaltigen Entwicklung unserer Beteiligungen interessiert über unseren Investitionshorizont hinaus. Wenn wir eine Minderheitsbeteiligung eingehen, was wir üblicherweise nicht oft machen, schauen wir uns vor allem an, wie der Partner tickt und was er möchte. Geld gibt es im Markt genug, für einen echten Partner auf Augenhöhe braucht es mehr. Die Frage ist also, was wir beitragen können zusätzlich zu dem, was Hans Georg Näder und sein Managementteam ohnehin schon sehr erfolgreich machen. Wie vorher erwähnt: ich bin sicher, diese Symbiose wird helfen, Ottobock auf Dauer noch erfolgreicher zu machen.

Wie sind Sie in Duderstadt aufgenommen worden?

Mit offenen Armen. Wir haben viele vom Ottobock Team kennenlernen dürfen, die sehr positiv waren. Jetzt sind wir die Glücklichen, die sich gegen andere Interessenten durchgesetzt haben, und freuen uns, dass wir den Zuschlag bekommen haben.

Das heißt, sie hätten auch mehr Anteile gekauft?

Wenn Herr Näder uns mehr, zum Beispiel 30 Prozent, angeboten hätte, hätte EQT auch gerne 30 Prozent genommen, das sage ich ganz offen.

Näder: Ich bin überzeugt, dass EQT aufgrund von harten Faktoren wie Kompetenz und Preis, aber auch der Historie und der europäischen Verwurzelung sowie Marcus Brennecke als Person ein perfekter Fit für uns ist. Wir haben insgesamt gut 120 Anfragen aus der ganzen Welt bekommen. Darunter war die Crème de la Crème an Privat Equity Firmen wie CVC, die zum Beispiel kürzlich Breitling gekauft haben, oder KKR, renommierte Family Offices sowie namhafte Pensionsfonds aus Asien und Nordamerika.

Wie ging es dann weiter?

Aus dieser Gruppe wurden mit Hilfe der Investmentbank J.P. Morgen sieben Bewerber ausgewählt und diese Zahl schließlich auf drei reduziert. Am Ende haben wir dann die Gunst der Stunde genutzt und mit EQT einen Partner an Bord geholt, mit dem ich auf Augenhöhe Value-Creation machen kann. Das habe ich nie gehabt. Man kann sich aus dem Management heraus beraten lassen oder von McKinsey - aber final ist es eine andere Sache, wenn jemand mit einem auf Augenhöhe ist und noch dazu Anteilseigner. Im Endeffekt haben wir mit EQT nur unsere Familie erweitert auf Zeit. Ich freue mich auf eine neue, andere Art der Arbeit und setze darauf, dass wir gemeinsam verstecktes Ertragspotenzial bei Ottobock finden und heben.

Wie ist der zeitliche Plan für den IPO?

Näder: Der Börsengang kommt nach dem Einstieg von EQT wohl eher später als früher, bleibt aber eine strategische Option. Denn auch ein möglicher früherer Ausstieg von EQT ist in unserem Ehevertrag genau beschrieben. Es kann also ein Börsengang folgen, aber auch eine Weiterveräußerung an einen anderen Investor oder einen Investor und die Familie. Jetzt wollen wir erstmal arbeiten.

Brennecke: Richtig. Jetzt müssen wir dem Unternehmen wieder die nötige Ruhe geben, nach einem solchen intensiven Auswahlprozess. Wir wollen in Ruhe die Weichen stellen und die richtigen Akzente setzen, um nach ein paar Jahren zu schauen, wie der Ausstieg gestaltet werden kann. Aber darüber denke ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal nach.

Für Ottobock wird nun ein Wert von 3,15 Milliarden angegeben. Daraus lässt sich ungefähr ableiten, wie viel Geld Sie für die Anteile gezahlt haben. Werden Sie zusätzliche Mittel in Ottobock investieren?

Brennecke: Ja, wir sind offen dafür, das haben wir zugesagt. Wenn weitere Mittel nötig sind, stellen wir sie bereit - natürlich unter der Voraussetzung, dass es wirtschaftlich sinnvoll ist.

Haben Sie dafür einen Nachlass von Herrn Näder erhalten?

Dass man etwas günstiger bekommen will, liegt in der Natur der Sache, aber EQT ist bekannt dafür, dass wir faire Preise zahlen.

Näder: Beim deutschen Weltmarktführer muss man eher eine Prämie bezahlen (lacht).

Wird EQT einen Sitz im sich gerade formierenden Aufsichtsrat einnehmen?

Näder: Ja. Die Ottobock Healthcare GmbH wandelt sich, wie bereits angekündigt, in eine SE & CO. KGaA. Damit einher bildet sich ein zehnköpfiger Aufsichtsrat. Marcus Brennecke wird darin einen Sitz einnehmen.

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