Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Rückschlag für ein Aldi-Zentrallager in Lutterberg

Einstimmig gegen den Verkauf Rückschlag für ein Aldi-Zentrallager in Lutterberg

Der Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde Lutterberg hat sich einstimmig gegen den Verkauf von 3,8 Hektar für das geplante Aldi-Zentrallager entschieden. Damit geht die Suche nach anderen regionalen Standorten für Aldi von vorne los. Die allerdings sind rar.

Voriger Artikel
Messtechnikverband Measurement Valley bietet Plattform für Kooperation
Nächster Artikel
Apfeleinkauf durch „beckers bester“ in Lütgenrode
Quelle: Meder

Staufenberg. Kopfschütteln und Ratlosigkeit herrschen im Rathaus der Gemeinde Staufenberg. Bürgermeister Bernd Grebenstein steht vor den Trümmern eines halben Jahres intensiver Bemühungen, einen Umzug des Aldi-Zentrallagers aus Hedemünden nach Lutterberg zu ermöglichen. Im Sommer war der Discounter auf die Gemeinde mit einer Anfrage zugekommen, ob entsprechende Flächen existierten. Konkret ging es um 25 Hektar. Der gegenwärtige Standort Hedemünden lässt für notwendige Erweiterungen keinen Raum.

Die Gemeinde bemühte sich, schnellstmöglich den Rahmen zu schaffen und informierte die Bürger im Ortsteil Lutterberg frühzeitig. Die dortige Auseinandersetzung um die Frage, ob man Aldi haben wolle, war stark polarisiert. Vor allem befürchtete man den zusätzlichen Lärm. Der Ortsrat entschied sich entsprechend gegen die Aldi-Anfrage, der ausschlaggebende Gemeinderat hingegen gab grünes Licht. Politisch war der Weg frei. Auch 19 der 22 Grundstückseigentümer stimmten dem Verkauf zu.

Nicht jedoch die Kirchengemeinde. 3,8 Hektar ihres Besitzes waren betroffen, als Kaufpreis seien 576900 Euro geboten worden, so Pastor Alexander Lücke. Eine Entscheidung dieser Tragweite wollte der Kirchenvorstand daher nicht alleine treffen. Er befragte die 518 Gemeindemitglieder – Lutterberg insgesamt hat etwa 860 Einwohner. 62 Prozent der Angeschriebenen gaben eine Rückmeldung, 125 sprachen sich für einen Verkauf aus, 194 waren dagegen. „Bei der Beteiligung war es für uns ein repräsentatives Ergebnis“, so Lücke, der selbst erst seit etwas über einem halben Jahr als Pastor im Ort ist. „Es lässt sich auch eine Tendenz herauslesen, wie der Ort in seiner Gesamtheit abgestimmt hätte.“

Die Entscheidung habe man sich nicht leicht gemacht. „Den stärksten Eindruck hat der Gottesdienst hinterlassen, als wir die Entscheidung verkündet haben. Es haben Menschen geweint. Es ging nicht nur um das Geld, sondern auch um Lebensqualität.“ Lücke verweist auf den Verkehrslärm, der allein schon durch die Autobahn täglich zu hören sei. Für den Bürgermeister und die Befürworter der Aldi-Ansiedlung habe man Verständnis, aber man habe sich nicht gegen die Mehrzahl der Gemeindemitglieder stellen können. „Es gab kein Richtig oder Falsch, es war ein ethisches Dilemma“, so Lücke.

Die Fläche ist kritisch gelegen, mitten im geplanten Aldi-Areal. Damit ist die Planung in der bisherigen Form über den Haufen geworfen. „Ich respektiere die Entscheidung“, sagt Grebenstein, „aber ich bezweifle, dass sich der Vorstand über die Tragweite der Entscheidung im Klaren gewesen ist. Denn die hat weitreichende Folgen für die Zukunftsfähigkeit in Staufenberg.“ Die zusätzlichen Einnahmen könne man angesichts des bestehenden Investitionsstaus gut gebrauchen, Grebenstein verweist zudem darauf, dass die Gemeinde das Defizit der beiden kirchlichen Kindergärten mit übernehme. „Das war keine solidarische Entscheidung der Gemeinde gegenüber.“

Wie es nun weitergeht, ist eine offene Frage. In drei bis vier Wochen werde man mehr wissen, so Grebenstein. Bis dahin wird intern sondiert, ob man Aldi Alternativen anbieten kann.

„Ich finde wichtig, dass man nicht sagt, die Entscheidung ist gefallen und wir gehen wieder zur Tagesordnung über“, so Detlev Barth, Wirtschaftsförderer des Landkreises Göttingen. „Wir müssen und damit auseinandersetzen und ausloten, ob es Alternativen gibt, die im Sinne der Region sind.“ Eine perfekte Lösung gebe es allerdings nicht und nach aktuellem Informationsstand sieht Barth auch keine realistischen Alternativen, Aldi im südlichen Landkreis zu halten.

Aldi selbst gibt sich auf Anfrage wie bislang immer wortkarg: Auskünfte möchte man nicht geben. Auf die regional nächstgelegenen Standorte Göttingen/Rosdorf mit dem Logistikpark Siekanger sowie dem Werra-Meißner-Kreis mit dem Gewerbegebiet Neu-Eichenberg sei das Unternehmen bislang noch nicht zugekommen, so die dortigen Wirtschaftsförderer.

Von Sven Grünewald

►Kommentar: Dilemma für die Zukunft

Wenn man Menschen in guter demokratischer Tradition fragt, dann sollte man sich mit Vorwürfen zurückhalten, wenn sie nicht so entscheiden, wie es andere erwarten. Von daher: Hut ab für den Mut einer Lutterberger Mehrheit, sich gegen eine ökonomisch ausgesprochen sinnvolle Ansiedlung sowie finanzielle Anreize, aber für mehr Lebensqualität zu entscheiden.

Der immer engagiertere Widerstand von betroffenen Bürgern manövriert jedoch die Region insgesamt in ein Dilemma. Denn Mitbestimmung kollidiert zunehmend mit ganz grundlegenden wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Der Flächenkuchen ist so klein geworden, dass kaum noch Handlungsspielraum besteht. Und da, wo er bestünde, ist er aufgrund von Bürgerprotesten nicht realisierbar.

Das ist kein Luxusproblem, sondern geht mehr und mehr ans Eingemachte. Es droht eine Zwangsstagnation. Grundsatzdiskussionen sind daher gefragt. Aber um nicht missverstanden zu werden: Das ist kein Plädoyer dafür, die Betroffenen zukünftig nicht mehr zu fragen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
DAX
Chart
DAX 10.511,00 -0,22%
TecDAX 1.684,50 -0,66%
EUR/USD 1,0656 -0,03%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

FMC 72,54 +0,63%
BAYER 87,13 +0,62%
DT. TELEKOM 14,67 +0,62%
DT. BANK 14,77 -1,69%
VOLKSWAGEN VZ 118,52 -0,58%
CONTINENTAL 165,54 -0,51%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Bakersteel Global AF 158,73%
Structured Solutio AF 154,97%
Stabilitas PACIFIC AF 151,07%
AXA IM Fixed Incom RF 141,93%
Crocodile Capital MF 122,39%

mehr

Wirtschaft Rubriken
Rubriken Wirtschaft Göttingen und die Welt