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Seit 160 Jahren wird in Göttingen Sole gefördert

Die Antwort auf Fleur de Sel Seit 160 Jahren wird in Göttingen Sole gefördert

Salz kommt auf drei Arten in den Handel: durch Abbau in Salzbergwerken, durch Meersalzgewinnung und durch Aufbereitung von Sole, wie es in Grone geschieht. Im Greitweg  arbeitet die letzte aktive Pfannensiederei Europas. Die Saline Luisenhall besteht seit 160 Jahren.

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Jörg Bethmann zeigt die Salzkristalle, die sich durch die Erhitzung in der Pfanne (160 m2 Oberfläche) abgesetzen.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. 250 Millionen Jahre ist das Meer unter Göttingen alt. In 462,12 Metern Tiefe schlummert der See, aus dem Salinenchef Jörg Bethmann die Sole für die Salzproduktion gewinnt.

Seit Generationen befördern seine Vorfahren und er die 27-prozentige gesättigte Lösung aus dem Erdreich und lassen sie in riesigen Pfannen bei 70 Grad unter Kohlebefeuerung sieden.

An dem 1000 Jahre alten Verfahren hat sich in der Groner Saline nichts geändert, sagt Bethmann, dessen Salzkocher noch schaffen wie Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach Förderung und Lagerung im Sole-Reservoir wird das Salz aus den Siedebecken geschöpft, in der Zentrifuge trocken geschleudert, über Laufbänder befördert und durch Rütteln in unterschiedliche Körnungen sortiert.

Nicht einmal das Verpacken der groben und feinen Salze hat sich geändert. In Handarbeit wird gewogen und in Tüten, Leinensäckchen oder, wie die Salzblüten („Die Antwort auf Fleur de Sel“), in Tontöpfchen gegeben. Man muss sich entscheiden, sagt Bethmann: „Will man Menschen beschäftigen oder einen Porsche vor der Tür.“

Aus dem 19. Jahrhundert stammen auch die technischen Einrichtungen der Saline Luisenhall. Groß ist der Aufwand, sie instand zu halten, berichtet der 60-Jährige. Gerade hat er alle Dachrinnen reparieren lassen – für 25 000 Euro. „Ich bin kein Kronprinz, der geerbt hat“, sagt er. „Ich habe die Saline gerettet.“ Stück für Stück lässt er das Industriedenkmal, das er 1995 übernommen hat, reparieren – immer, wenn ein bisschen Geld übrig ist.

Fördermittel gebe es nicht, dafür viele interessierte Menschen, wie der Chefkoch des Bundespräsidenten Jan Göran Barth oder Sarah Wiener. Die Starköchin, die gern den Ursprung von Lebensmitteln erforscht, hat die Saline besucht und war begeistert. Sie, Barth oder auch ihre Göttinger Kollegin Jacqueline Amir-Fallah (Gauss) verfeinern mit einer „Prise Luise“ ihre Gerichte.

Luisenhall ist „tiefstes Herzblut“

3500 Tonnen Tiefensalz erntet der Betrieb im Jahr. Davon kann niemand reich werden, auch nicht Jörg Bethmann. Der studierte Landwirt bewirtschaftet auf der Domäne Reinhausen und in Rosdorf im Vollerwerb 200 Hektar Acker- und 30 Hektar Grünland.

Die Landwirtschaft mit einer Mutterherde (50 Kühe) ist seine Basis, sagt er, Luisenhall ist „tiefstes Herzblut“. Die Saline heute ist für ihn jedoch mehr als Liebhaberei: „Sie steht auf eigenen Beinen“, sagt der Urenkel von Hermann Bartold Levin, Spross der Göttinger Tuchmacherfamilie und Besitzer der Saline ab 1881.

2002 hat Bethmann seine Pläne für ein Badehaus in die Tat umgesetzt und 2 Mio. Euro (inklusive Anbau 2005) investiert. Mit 14 000 Besuchern pro Jahr wurde kalkuliert, „heute sind es 18 000“. Aus Hamburg, Bremen und Stuttgart kommen sie, um in Natursole (18%) und bei 35 Grad Rheuma, Gelenkschmerzen oder Hautprobleme zu lindern.

Die heilende Wirkung der Sole nutzten Göttinger lange vor dem Bau des Thermalbades, inhalierten direkt in der Produktion Dämpfe etwa gegen chronische Bronchitis. Kneipp gehört heute zu den größten Abnehmern (50%), auch das Badeparadies. Bethmann weiß: „Salz ist eben mehr als das Gegenteil von süß“.

Der Göttinger hat sich die Anerkennung der Heilquelle zum Ziel gesetzt. Eine Heilwasser-Analyse liegt vor: 328,8 Gramm gelöste Mineralstoffe je Liter, frei von Bakterien und Chlor. Bürokratische Hürden gelte es noch zu überwinden. „Das nehme ich 2015 in die Hand.“ An seiner Seite weiß Bethmann die Söhne Friedrich (27) und Hans (25).

Beide haben Landwirtschaft studiert, beide wollen die Saline weiterführen. Fünf Jahre will der Senior noch  bleiben, denn „die Jungen müssen mal raus“. Und wann ist die Quelle erschöpft? „Ich hoffe nie“, sagt Bethmann, „bei den geringen Mengen, die wir abbauen.“

Seit 160 Jahren wird in Grone Sole gefördert und die Saline Luisenhall erntet 3500 Tonnen Salz pro Jahr. © Hinzmann

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