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Stellenabbau bei Zeiss in Göttingen

Falsche Signale, falsche Strategie Stellenabbau bei Zeiss in Göttingen

Der Zeiss-Standort Göttingen soll von 694 Mitarbeitern auf 240 verkleinert werden. Wichtige Betriebsbereiche, darunter auch Forschung und Entwicklung, sollen verlagert werden.

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Protestauftakt der Betriebsräte bei Zeiss. Am Freitag, 2. Oktober geht es mit einer Unterschriftenaktion am Gänseliesel los. SG

Quelle: Grünewald

Göttingen. Die Betriebsräte der Carl Zeiss Microscopy GmbH halten diese Entscheidung für eine Gefährdung des gesamten Unternehmens.

Ein Detail der Betriebsversammlung vom 25. September ist bezeichnend. Als die Geschäftsführer der Carl Zeiss Microscopy nach Göttingen kamen, um die Belegschaft über den Stellenabbau zu informieren, brachten sie Security-Mitarbeiter mit, die am Eingang Taschen kontrollierten.

„Darüber sind die Kollegen richtig sauer und daran sieht man auch, wie angespannt die Stimmung in der Geschäftsführung ist“, so Torsten Dreyer, Betriebsratsvorsitzender bei Zeiss in Göttingen.

Im März 2015 übernahmen Justus Felix Wehmer und Markus Weber die Geschäftsführung der Zeiss Microscopy. Seitdem hat Wehmer offiziell die Standortleitung für Göttingen inne, doch zu Gesicht bekommen habe man ihn dort kaum, so die Betriebsräte. Von der neuen Führung sei zudem schnell die Ansage gekommen, dass der bereits im November 2014 beschlossene Abbau von mindestens 75 Stellen nicht ausreiche.

Konkreter wurde es nicht – bis zum 25. September. Von 694 auf 240 Mitarbeiter soll der Standort nun verkleinert werden, die Zeiss Microscopy sich aus Göttingen zurückziehen, das Werk als reine Produktion einem anderen Bereich der Zeiss AG angegliedert werden.

Die mangelhafte Informationspolitik und die Distanz der Geschäftsführung zu den Mitarbeitern sind nicht die einzigen Kritikpunkte. Viel schwerer wiegt der Vorwurf, dass die Umbaupläne vielleicht auf dem Papier einfach erschienen, aber im Kern eine verfehlte Strategie dahinter steht.

Konzernchef Michael Kaschke verkündete 2012 die Agenda 2016: Der Umsatz sollte von etwas über vier Mrd. Euro auf sechs Mrd. Euro steigen, die Mikroskopie sollte einen Umsatz von mindestens einer Mrd. Euro erreichen. Das sei schon damals völlig unrealistisch gewesen, meint Axel Freerk, der als Mitarbeitervertreter im Aufsichtsrat der Zeiss Microscopy sitzt.

Im letzten Geschäftsjahr 2013/2014 machte die Sparte Mikroskopie einen Umsatz von 656 Mio. Euro, der Gesamtkonzern Zeiss von 4,287 Mrd. Euro. Die Steigerung gegenüber den Vorjahren ist bescheiden.

Der gestiegene interne Druck habe dazu geführt, dass bei Neuentwicklungen Fehler passiert seien, die statt schneller mehr Gewinn zu bringen, sich als Kostenfalle entpuppten. Auch seien Hunderte Mitarbeiter für Vertrieb und Marketing eingestellt worden, ohne dass der Absatz maßgeblich gesteigert werden konnte. Dass die Mitarbeiter nun für Managementfehler den Kopf hinhalten müssten, zumal die Göttinger Produktion nicht defizitär sei, will man nicht akzeptieren.

Es geht den Betriebsräten aber nicht nur um Göttingen. Der Umbauplan sieht vor, das hiesige Know-how nach Jena und teilweise nach China zu verlagern. Etwa 80 Mitarbeiter umfasst die Forschung und Entwicklung in Göttingen, einige hätten aber bereits gekündigt und man geht davon aus, dass es noch deutlich mehr werden.

Der damit verbundene große Wissensverlust sei nicht ohne weiteres zu verkraften, vor allem nicht auf kurze Sicht. Und wenn die davon betroffenen Schlüsselkomponenten Probleme bekämen, würde sich das auch auf die anderen Standorte der Zeiss Microscopy auswirken. Es wäre nicht der erste Fehler dieser Art, so Markus Neumann, Mitglied des Gesamtbetriebsrats der Zeiss Microscopy.

Von Sven Grünewald

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