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Verschärfte Immobilienkredit-Richtlinie 50 Seiten Information statt 20

Seit März 2016 gelten schärfere Auflagen für die Vergabe von Immobilienkrediten. Die Bundesregierung will damit die Verbraucher stärker schützen. Der Sparkassenverband Niedersachsen berichtet seitdem jedoch von rückläufigen Kreditvergaben. In Südniedersachsen ist davon wenig zu merken.

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Neubaugebiet Sonnenberg in Bovenden: Ist die Baukreditvergabe schwieriger geworden?

Quelle: Meder

Göttingen. Die Zahlen, die Michael Schier vom Sparkassenverband für das zweite Quartal 2016 vorlegt, zeigen einen Rückgang des Baukreditvolumens an private Haushalte in Niedersachsen: 2,4 Milliarden Euro wurden nachgefragt – im Vorjahresquartal waren es noch 2,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig liegt das Leitzinsniveau der Europäischen Zentralbank 2016 niedriger als 2015.

Als Grund macht der Sparkassenverband die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie aus, die EU-Vorgaben sowie weitergehende Koalitionsvereinbarungen umgesetzt hat. Da bei Finanzierungsvorhaben nun die Finanzkraft des Kreditnehmers die maßgebliche Rolle spielt, seien insbesondere junge Familien und Senioren benachteiligt und würden schwerer an Kredite kommen.

Andreas Gernt, Leiter des Referats Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Niedersachsen kennt diese Befürchtung. Doch: „Das Erstaunliche ist, dass bei uns aus der Beratungspraxis nicht ein belegbarer Fall über spezielle Schwierigkeiten bei der Kreditvergabe bekannt ist, obwohl wir das ganz genau beobachten und auch alle Beratungsstellen informiert haben.“ Gäbe es solche Probleme, so zeige die Erfahrung, dass sich Betroffene schnell bei den Verbraucherzentralen meldeten.

Auch der Blick nach Südniedersachsen zeigt: Von einem Rückgang der Immobilienkredite oder einer Benachteiligung bestimmter Zielgruppen kann kaum die Rede sein. „Ich kann für unser Haus keinen Rückgang der Baukredite feststellen“, sagt Jochen Diemer von der Volksbank Göttingen. Durch die Richtlinie sieht er zudem eher Veränderungen im Detail als grundsätzliche Probleme. „Es ist weiterhin so, dass das Grundstück und die Immobilie als Sicherheit bei der Kreditbemessung zur Verfügung stehen.“

Geändert habe sich, dass die Kreditentscheidung nicht mehr allein von der Sicherheit abhängig gemacht werden könne, auch eine eventuelle Wertsteigerung dürfe nicht mehr mit einbezogen werden. „Vielmehr steht jetzt die Frage im Vordergrund, ob der Kunde den Kredit langfristig bedienen kann. Das mussten Sie in der Vergangenheit aber auch beantworten“, so Diemer. Die größte Änderung durch die Richtlinie seien hingegen die gestiegenen Dokumentations- und Informationspflichten. Ein Kundengespräch dauere heute gut zweieinhalb Stunden und der Kunde nähme inzwischen etwa 50 Seiten Material mit nach Hause, während es vor der Richtlinie eher um die 20 gewesen seien.

Auch Sparkasse Göttingen und die Commerzbank in Göttingen verzeichnen keinen Rückgang in der Wohnungsbaufinanzierung. Im Gegenteil sei die private Baufinanzierung weiter gewachsen. Anders der Eindruck der Volksbank Mitte. Dort sei die Nachfrage nach Baukrediten ungebrochen hoch, doch stehe die neue Richtlinie dem häufig im Weg, so dass ein Rückgang in der Vergabe der Immobilienkredite zu verzeichnen sei, so Vorstandssprecher Holger Willuhn.

Die Architektenkammer habe vor Ort noch keine Auswirkungen feststellen können, so der Göttinger Architekt Matthias Rüger. Das bestätigt auch Christian Frölich, Kreishandwerksmeister und Inhaber eines Baugeschäfts. Allerdings sei es auch oft so, dass man jungen Familien ein Angebot mache, aber dann nichts mehr höre – sei es, weil sie zu einem Mitbewerber gehen oder keine Finanzierung erhalten. Doch diese Hintergründe bekomme man nicht mit.

Zudem würden Menschen, deren Kredite von einer Bank abgelehnt würden, gar nicht erst vorstellig werden, ergänzt Elmar Mönnig von Mönnig Bau aus Katlenburg-Lindau. Was sich lediglich beobachten ließe, sei die Nachfrage nach den eigenen vier Wänden. Und die sei gleichbleibend hoch.

Die Wohnimmobilienrichtlinie enthält zahlreiche Neuregelungen, darunter:

  • Bei Immobilien-Darlehen muss Bank die finanzielle und wirtschaftliche Lage des Kunden besonders eingehend prüfen. Mögliche Wertsteigerungen der Immobilie sind nicht mehr ausschlaggebend für die Kreditentscheidung.
  • Kopplungsgeschäfte bei Immobiliendarlehen, also eine Kombination mit anderen Finanzprodukten, werden weitgehend verboten.
  • Immobilien-Darlehensvermittler müssen künftig einen Sachkundenachweis führen. Zudem müssen sie sich registrieren lassen sowie eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen.
  • Verbraucher müssen im Vorfeld umfangreicher informiert werden. Werbung für Kreditverträge muss Informationen zu Sollzinssatz, Gesamtkreditbetrag, effektivem Jahreszins, Laufzeit, Höhe der Raten und mehr enthalten.
  • Der Verbraucher muss informiert werden, in welcher Beziehung der Kreditvermittler zu dem zu gewährenden Kredit steht und was dieser für die Kreditvergabe erhält.
  • Das Widerrufsrecht des Verbrauchers erlischt spätestens nach einem Jahr und 14 Tagen.
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