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Viele Apotheken in Göttingen verzeichnen Umsatzeinbußen

Apotheken in Not? Viele Apotheken in Göttingen verzeichnen Umsatzeinbußen

Die Ansicht, dass Apotheken betriebswirtschaftliche Selbstläufer sind, ist zwar verbreitet, scheint aber immer seltener zuzutreffen. Die Apothekerkammer Niedersachsen macht darauf aufmerksam, dass sich die Schere zwischen gut und schlecht laufenden Apotheken immer weiter öffnet.

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An rezeptpflichtigen Medikamenten verdienen Apotheken nicht mehr so viel wie früher.

Quelle: ABDA

Göttingen. Auch Apotheker aus Göttingen und der Region stehen vor Herausforderungen. Sie sind sich bei den Gründen für den Umsatzrückgang vieler Betriebe weitgehend einig: Vor allem die verschlechterten Einkaufskonditionen von Medikamenten wirken sich ihrer Ansicht nach negativ auf das Geschäft aus.

Die Treuhand Hannover, die unter anderem Apotheken betriebswirtschaftlich und steuerrechtlich berät, gab an, dass 2014 fast jede dritte Apotheke in Niedersachsen weniger Umsatz gemacht hat. Aus statistischen Gründen gibt die Treuhand Hannover ihre Zahlen nur auf Landesebene heraus. Für die Region Göttingen sei aber, wie überall in Deutschland, ein ähnlicher Trend zu beobachten, bestätigt der Generalbevollmächtigte Frank Diener.

„Früher waren Apotheken Goldesel, heute müssen Apotheker hart rechnen“, meint auch Dr. Mathias Jacob, der seit dem 1. April neuer Inhaber der Apotheke im Kaufpark ist. Auch wenn hinter dem Inhaberwechsel keine betriebswirtschaftlichen Gründe stünden, habe sich der Markt in den vergangenen Jahren stark verändert: „Apotheker sind durch verschiedene Veränderungen sehr gebeutelt“, klagt Jacob.

Festbetrag für Präparate

Damit meint er etwa die Verschlechterung der Einkaufskonditionen: Nach einer bereits 2004 in Kraft getretenen Änderung der Arzneimittelpreisverordnung erhalten Apotheker für jedes rezeptpflichtige Medikament statt eines vollständig anteiligen Betrags einen Festbetrag, der momentan bei 8,35 Euro liegt – egal, ob das Präparat 100 oder 10 000 Euro kostet. Dieser Erlös wird noch durch einen Betrag ergänzt, der drei Prozent des Einkaufspreises beträgt.

Von diesem Roherlös zahlen Apotheken für gesetzlich versicherte Kunden allerdings noch einen Abschlag an die Krankenkassen, der sich für 2015 auf 1,77 Euro  beläuft. Diener kritisiert, dass diese Berechnung nicht oft genug an die Preisentwicklung und Inflation angeglichen werde. „So entstehen überall in der pharmazeutischen Wertschöpfungskette Probleme“, so der Generalbevollmächtigte der Treuhand Hannover.

Dr. Steve Minde, Inhaber der Rats-Apotheke in Osterode, macht zudem auf geringere Rabatte aufmerksam, die Großhändler an Apotheken weitergeben können. Seit 2012 darf die Marge der Großhändler bei höchstens 3,15 Prozent des Herstellerabgabepreises liegen – der Großhandel hat also auch weniger Spiel in seinem Kundengeschäft mit den Apotheken.

„Apotheken begreifen sich nicht als Abgabestellen für Medikamente“

Dieses Geld fehle vielen Apotheken nun an anderer Stelle. „Gleichzeitig ist es wichtig zu sagen, dass wir natürlich nicht vollständig von Rabatten abhängig sind“, so Minde. Letztlich sei die Abhängigkeit vom Großhandel trotz vieler Klagen seiner Kollegen nicht ausschlaggebend. „Apotheken begreifen sich nicht als Abgabestellen für Medikamente, sondern als Beratungsinstitutionen, beispielsweise für die Sicherheit der Arzneimitteltherapie.“

Diesen Ansatz sieht auch Apotheker Jacob als zentral an. „Darauf setzen wir. Das ist etwas, das keine Online-Apotheke leisten kann.“

Von Jonas Rohde

►Kommentar: Weniger wäre kein Problem

Gefühlt gibt es sie in jeder Straße: Apotheken. Und noch eine Beobachtung ist mit ihnen fast untrennbar verknüpft: Praktisch nie geht eine Pleite.

Im europäischen Vergleich ist Deutschland unterdurchschnittlich: Hierzulande kommen auf 100 000 Einwohner 26 Apotheken, im EU-Schnitt sind es 31, Spitzenreiter sind Bulgarien (56) und Griechenland (99). Göttingen bewegt sich mit etwas über 30 Apotheken gut im Bundesdurchschnitt, etwa ein Drittel von ihnen liegt dabei in der Kernstadt.

Die weiteste Entfernung zwischen zwei Medikamentenhäusern liegt dort bei geschätzten 250 Metern. Zum Vergleich: Die Zahl der Drogerien im Kernstadtgebiet liegt nur halb so hoch.

Was im EU-Durchschnitt vergleichsweise wenig ist, lässt trotzdem die Frage zu, ob es so ein großes Drama ist, wenn nun auch Apotheken zunehmend unter Marktdruck geraten und sich die Reihen lichten.

Einen Zusammenhang zwischen Lebenserwartung und Apothekendichte gibt es jedenfalls nicht: Bulgarien mit seiner hohen Apothekendichte liegt etwa sechs Jahre unter dem Lebenserwartungsdurchschnitt der EU und Schweden hat bei einer sehr niedrigen Apothekendichte einen Spitzenplatz in der Lebenserwartung.

Insofern gibt es eigentlich keinen Grund zur Panik, wenn sich die Zahl der Apotheken verringert; selbst wenn die Hälfte der Göttinger Innenstadtapotheken verschwände, würde sich an den Laufdistanzen zwischen den Übriggebliebenen nicht groß etwas ändern. Und selbst wenn: Bewegung zu Fuß ist gut für die Gesundheit.

Von Sven Grünewald

 

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