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Vorstandssprecher der KWS Saat AG Einbeck Duenbostel im Interview

„Ethik betrifft uns jeden Tag“ Vorstandssprecher der KWS Saat AG Einbeck Duenbostel im Interview

Der neue Vorstandssprecher der KWS Saat AG Hagen Duenbostel im Interview über Platznöte in Einbeck, die Komplexität des Saatgut-Marktes und die alltägliche Präsenz des Ethischen

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Vorstandssprecher der KWS Saat AG Einbeck: Hagen Duenbostel.

Quelle: Grünewald

Göttingen. Dr. Hagen Duenbostel (45) ist seit Januar 2015 neuer Vorstandssprecher der Einbecker KWS Saat AG. Im Unternehmen ist er bereits seit 1998, Mitglied des Vorstands ist er seit 2003.

Wie sehen Sie perspektivisch die Entwicklung am Standort Einbeck?

Jährlich kommen zwischen 50 und 100 Mitarbeiter neu dazu, ein Großteil davon ist wissenschaftliches Personal. Entsprechend haben wir einen kontinuierlichen Ausbau des Standortes Einbeck.

Gibt es in der Branche einen Trend zur regionalen Spezialisierung in der Entwicklung?

Wir entwickeln etwa 300 neue Produkte im Jahr, die zwei wesentliche Ziele verfolgen: Ernteerträge der Pflanze steigern und vor allem aber diese zu schützen. Denn wir verlieren etwa 50% der Ernte noch auf dem Feld – durch Schädlinge oder Umweltstress. Das heißt, Sie müssen angepasst an den Standort die spezifischen genetischen Eigenschaften bearbeiten. Für Mais zum Beispiel braucht man in Nord-Süd-Richtung alle 200 Kilometer eine andere Genetik.

In welchem Marktumfeld bewegt sich KWS?

Es gibt heute nur noch einen relativ überschaubaren Kreis von Unternehmen, allen voran Monsanto. Die machen im Jahr etwa 10 Mrd. Euro Umsatz und haben ein Forschungsbudget von 800 Mio. Euro – unseres beträgt dagegen „nur“ 150 Mio. Euro. Das ist für uns als mittelständisches deutsches Unternehmen eine riesige Herausforderung.

Wie sieht die entsprechende Strategie aus?

Uns geht es jetzt darum, gerade in den großen Wachstumsregionen wie Osteuropa oder Südamerika unseren Marktanteil zu steigern. Dann sind die existierenden Technologien möglichst schnell anzuwenden: Pflanzen haben bestimmte Resistenzeigenschaften aufzuweisen, sonst kauft sie niemand. Deswegen müssen wir auch in der Grundlagenforschung gut sein, um eine sichere Verhandlungsposition gegenüber unseren Mitbewerbern zu haben. Beispiel Insektenresistenzen: Kein einziger Anbieter verwendet nur eigene Produkte.

Vor welchen Herausforderungen steht der Agrarsektor an sich?

Langfristig wird die weltweite Anbaufläche bei den heute 1,5 Mrd. Hektar bleiben. Gleichzeitig nimmt die Weltbevölkerung weiterhin zu. Wir haben definitiv mehr Nahrung zu produzieren – es geht nicht nur um Verteilung. Perspektivisch brauchen wir bis zu 50% mehr Produktion. Wichtiges Thema hierbei ist, den Schwund auf dem Acker zu reduzieren. Aber auch das Konsumverhalten müssen wir uns anschauen. Wir können nicht den asiatischen oder afrikanischen Konsumenten vorschreiben, wie sie sich ernähren wollen. Aber wenn die Menschen dort ihr Essverhalten in Richtung Fleischkonsum verändern, dann haben wir ein akutes Diskussionsthema. Das betrifft uns in Nordamerika und Europa natürlich auch.

Wie hoch ist der Anteil an gentechnisch veränderten Pflanzen?

Von den 1,5 Mrd. Hektar weltweit werden auf rund 180 Mio. Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Bei uns im Portfolio macht das etwa ein Drittel aus. Das ist ein Spagat, den wir im Wettbewerb machen müssen. Würden wir aussteigen, verringern sich auch die Alternativen für die Landwirte. Das verbessert die Gesamtsituation aus Sicht der Gentechnikkritiker nicht unbedingt.

Welche Rolle spielt Ethik in Ihrem Geschäft?

Die betrifft uns jeden Tag. Wir beschäftigen uns damit, weil wir im Einklang mit den gesellschaftlichen Anforderungen tätig sein wollen, aber auch für die Politik ein kompetenter Ansprechpartner der Agrarwirtschaft sind. Egal ob ökologischer, konventioneller oder gentechnischer Anbau, wir bearbeiten alle Felder. Aber auch die Verteilung von Nahrungsmitteln ist natürlich ein großes Thema. Wir als KWS können das nicht lösen, aber wir können gucken, wo wir als Pflanzenzüchter in anbauschwierigen Regionen die Landwirtschaft verbessern können. Das machen wir etwa in Äthiopien.

Wo sehen Sie langfristig die Landwirtschaftserträge hingehen?

Das subsaharische Afrika ist eine riesige Fläche, die landwirtschaftlich extrem gut nutzbar wäre. Dort wird aber vielleicht nur 10% des Potenzials genutzt. Produktivität ist auch in Asien ein Thema. In China wird in weiten Teilen Ackerbau auf sehr kleinen Flächen in Handarbeit betrieben. Da ist noch wahnsinnig viel Produktivität drin. Aber, und da sind wir wieder bei der Ethik, ist es sinnvoll, den chinesischen Landwirten die Maschinen zu geben mit der Folge, dass das halbe Dorf dann plötzlich arbeitslos ist? Da kommen ganz andere Aspekte hinzu, die wir zu berücksichtigen haben.

KWS Saat AG  
KWS ist eines der führenden Pflanzenzüchtungsunternehmen weltweit. Im Geschäftsjahr 2013/2014 wurde ein Umsatz von 1,178 Mrd. Euro erlöst. In 70 Ländern sind rund 4800 Mitarbeiter beschäftigt. Seit rund 160 Jahren wird KWS als familiengeprägtes Unternehmen eigenständig und unabhängig geführt. Schwerpunkte sind die Pflanzenzüchtung und die Produktion und der Verkauf von Mais-, Zuckerrüben-, Getreide-, Kartoffel-, Raps- und Sonnenblumensaatgut.  

Von Sven Grünewald

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