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Wenn das Handy zum Lichtschalter wird

Straßenbeleuchtung Wenn das Handy zum Lichtschalter wird

Dial light heißt wähle Licht, und genau das soll man mit dem Produkt „Dial4light“ tun: Per Handy und nach Bedarf Straßenlaternen „anknipsen“. Lizenznehmer für den Bereich Göttingen sind Roland Gorges und Herbert Grünewald. Sie sind auf Werbetour für das „Licht per Anruf“.

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Sind überzeugt von „Dial4light“: Roland Gorges und Herbert Grünewald (rechts).

Quelle: Hinzmann

Es ist ein mühsames Geschäft, das die beiden Südniedersachsen gewählt haben. Energiesparen will jeder, Geld sparen vor allem, auf gewohnten Komfort verzichtet niemand. Eine Straßenbeleuchtung nach Bedarf zu installieren, da halten sich die Kommunen doch eher bedeckt. Zumindest in Deutschland, grenzen die beiden Lizenznehmer für Südniedersachsen ein. In Frankreich oder Norwegen sei das Produkt längst eingeführt, China, Indien und die USA zeigten großes Interesse an der deutschen Entwicklung.

Doch der Reihe nach. Dieter Grote heißt der Nordrhein-Westfale, der das Verfahren, per Telefon und nach Bedarf Beleuchtungsobjekte einzuschalten, vor drei Jahren erfunden hat. Aus Lemgo kommt Grote, hat sein patentiertes System „Dial4light“ an die Stadtwerke Lemgo Consult GmbH abgetreten, die den Vertrieb der Lizenzen weltweit übernommen hat.

Das Grote-Prinzip funktioniert wie folgt und sollte, so die Anbieter, vor allem in schwach frequentierten Straßen Anwendungen finden: Die Gemeinde erwirbt die Lizenz und ein Modem, das in Verteilerschränken installiert wird. Jeder Bürger, der in der Straße wohnt und das System nutzen will, lässt sich mit Namen kostenlos im Internet registrieren und bekommt einen Code. Nach Eingabe der sechsstelligen Nummer über Handy oder Festnetz wird das Licht nach wenigen Sekunden eingeschaltet und brennt dann etwa 15 Minuten, je nach Festlegung der Gemeinde.
Als Grünewald und Gorges von dem System erfuhren, waren sie sofort begeistert. „Damit Hase und Igel keine Beleuchtung mehr brauchen“, scherzen sie. Dabei gehe es nicht nur um Umweltaspekte, um Lichtverschmutzung und die Reduzierung von Kohlendioxid. Es gehe auch um viel Geld, das die Kommunen, und nur sie können das System nutzen, einsparen könnten.

Kommentar von Hanne-Dore Schumacher

Guter Wille

Es fällt schwer, lieb gewordene Gewohnheiten aufzugeben. Abends auf die Straße gehen, und alles ist beleuchtet, das ist doch prima. Nicht darüber nachdenken zu müssen, ob es Sinn macht, dass Friedhofswege, Sportanlagen und Geschäfte die ganze Nacht über hell beleuchtet sind. Es sieht ja auch schön aus, wenn die Lichter über der Stadt funkeln. Und schließlich ist die Gemeinde pleite, nicht wir. Dass die Rechnung so nicht aufgeht, ist gerade jetzt spürbar. Die Gemeinden sind so knapp bei Kasse, dass sie sich nicht einmal mehr Streusalz, geschweige denn diesen Winter leisten können. Jede Möglichkeit, den Haushalt zu entlasten, ist also ernst zu nehmen und genau zu prüfen. Das gilt auch für die Straßenbeleuchtung.
Natürlich muss die Sicherheit der Bürger oberste Priorität behalten. In stark frequentierten Straßen sollten die Laternen also nicht ausgehen. Ein ständiges Ein und Aus kostet zudem auch Geld – Birnen, Strom, Wartung. Aber Dauerbrenner in jedem Winkel und überall und immerzu? Zumindest nachdenken sollte man über das System „Licht per Anruf“. Ein Handy hat heute fast jeder, und Alte, Kranke und Kleinkinder sind in der Regel ab 22 Uhr nicht mehr allein unterwegs. Im übrigen kann die Aktivierung des „Lichtschalters“ auch vom Festnetz und von überall geschehen. Ein bisschen guter Wille gehört schon auch dazu, wenn Sparen angesagt ist.

Der Erwerb einer Lizenz koste, je nach Anzahl der angeschlossenen Straßen, 2000 bis 20 000 Euro, erklärt Grünewald. Der Beitrag des Bürgers: die Telefongebühr. Für eine Gemeinde wie Dransfeld könnte das System im zweiten Jahr eine Stromersparnis von circa 25 000 Euro bedeuten, schätzt der Vertriebsmann und berichtet von der Pilotgemeinde Dörentrup. Sie habe die Energiekosten im zweiten Jahr um 30 000 Euro senken können. Durch den Verzicht permanenter Straßenbeleuchtung habe man den CO2-Ausstoß um rund 20 Tonnen reduziert, so die Stadtwerke Lemgo. Das entspreche der jährlichen CO2-Emission von elf Vier-Personen-Haushalten. Die Dörentruper haben nach einjähriger Erprobung das System auf alle Straßen des Ortes ausgeweitet.

Einschalten

Das System funktioniert mit einer GSM-Modem-Technik und einer speziellen Software. Der registrierte Nutzer bucht per Telefon (Sprachverfahren) eine Leuchtstrecke. Jeder Anruf wird von der Software ausgewertet. Sie initiiert durch ein Signal den Schaltvorgang, der die Straßenbeleuchtung aktiviert. So wird auch die Häufigkeit einer Beleuchtungsnutzung gezählt und kann für weitergehende Entscheidungen einer Kommune nützlich sein.

Gorges und Grünewald, die für die Vermarktung die Firma G&G Energiefuchs gründeten, haben Lizenzen für 75 Gemeinden erworben und starten mit der Vermarktung von „Dial4light“ in Südniedersachsen. Keine leichte Aufgabe, wissen sie. Viel Überzeugungsarbeit ist zu leisten, sagt Gorges, Versicherungsfachmann bei der Gothaer-Vertriebsdirektion Weidner.

Nach einem Treffen mit Vertretern von Eon Mitte in Göttingen habe sich der Energieversorger entschlossen, zwei Geräte in Borken (Schwalm-Eder-Kreis) einzubauen. Im Feldversuch wolle man praxisnahe Erfahrungen sammeln, sagt Pressesprecher Günther Birmes. 39 Straßenlampen mit modernen Leuchtköpfen und energieeffizienten Leuchtmitteln seien aufgestellt worden. „Nach Auswertung der Ergebnisse werden wir überlegen, ob wir die Dienstleistung Dial4light Kommunen in unserem Netzgebiet anbieten“, so Birmes.

Von Hanne-Dore Schumacher

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