Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Widersprüchliches Verhalten bei Zeiss

Geschäftsführung beantragt Mehrarbeit Widersprüchliches Verhalten bei Zeiss

Großer Aktionstag für die Göttinger Belegschaft von Zeiss. Mit acht Bussen sind 420 der knapp 700 Mitarbeiter zum Konzernsitz nach Oberkochen gefahren und haben zusammen mit Vertretern der anderen Mikroskopie-Standorte 17000 Unterschriften gegen die Umbaupläne und den Stellenabbau übergeben.

Voriger Artikel
Sogar in der afrikanischen Savanne
Nächster Artikel
Landkreis, Stadt Göttingen und Arbeitsagentur investieren 3,5 Mio. Euro, um Jugendliche in den Beruf zu bringen
Quelle: Oliver Giers

Göttingen. Der Vorstandsvorsitzende der Carl Zeiss AG, Michael Kaschke, nahm die Unterschriften persönlich entgegen. „Anschließend gab es ein viertelstündiges Gespräch, im Zuge dessen die Betriebsräte ihre Position darlegten und Michael Kaschke aus Unternehmenssicht das Umbaukonzept begründete“, so Manfred Zaffke, Verhandlungsführer des Betriebsrates des Göttinger Zeiss-Werkes und erster Bevollmächtigter der IG Metall Süd-Niedersachsen-Harz. Ende der Woche werden erstmalig die Verhandlungskommissionen aufeinandertreffen.  

 
Laut Sascha Kurz von der Schwäbischen Post präsentierte sich die Kundgebung bunt und lautstark. Ein mikroskopgekrönter Sarg wurde von verkleideten Sensenmännern eskortiert, aus den Lautsprechern tönte die Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“. Vertreter der einzelnen Werke aus der Mikroskopie-Sparte nutzten die Gelegenheit, ihre Solidarität mit den Göttingern zu demonstrieren, aber auch auf die anderen standortspezifischen Umbaufolgen hinzuweisen. Der Oberkochener Betriebsratsvorsitzende Bernd Huber betonte, dass das geplante Umbaukonzept ein Konzept gegen die Belegschaft sei, und Markus Neumann, Betriebsratsvorsitzender aus München, mahnte, dass sich die einzelnen Werke nicht gegeneinander ausspielen lassen dürften. Zaffke geht davon aus, dass insgesamt bis zu 600 Mitarbeiter an der Demonstration teilnahmen und ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

 
Während auf der einen Seite die Zeiss-Belegschaft gegen den Stellenabbau protestiert, entwickelt sich die Auftragslage in der Mikroskopie „gut und wachsend“, so Jörg Nitschke, Sprecher von Zeiss. So gut sogar, dass man beim Betriebsrat in Göttingen Anfang Dezember Mehrarbeit beantragte – für die nächsten sechs Monate sollte die wöchentliche Arbeitszeit auf 40 beziehungsweise 45 Stunden angehoben werden. Ein weiterer Grund sei jedoch auch, so Nitschke, dass durch das freiwillige Ausstiegsprogramm bereits Mitarbeiter fehlten.

 
Der Betriebsrat lehnte den Antrag allerdings ab und wird „bis auf weiteres keine Überstunden mehr genehmigen“. Man wolle nicht Mehrarbeit zustimmen, wenn auf der anderen Seite Stellen abgebaut und verlagert werden. Diesen Widerspruch wollte Zeiss auf Tageblatt-Anfrage nicht kommentieren. Stattdessen sieht man gerade für die Mitarbeiter in der Fertigung, deren Arbeitsplätze in Göttingen erhalten bleiben sollen, die Auftragslage als hilfreich an. Daher könne man die Ablehnung des Betriebsrats nicht nachvollziehen.

 
Die Ablehnung führte auch im Wirtschaftsausschuss des Konzerns zum Eklat. Die Arbeitnehmervertreter wurden, so heißt es aus Betriebsratskreisen, ultimativ aufgefordert, den Überstunden zuzustimmen, sonst gebe es Konsequenzen für den Standort – obwohl der Ausschuss gar nicht entscheidungsbefugt ist. Inzwischen hätten sich die Wogen aber wieder geglättet. sg

 

Kommentar: Zeiss betritt Neuland

Die Carl-Zeiss-Stiftung, Eigentümerin der Carl Zeiss AG, betonte bereits Ende des 19. Jahrhunderts die Rolle der Arbeitnehmer und deren Rechte. Dieses Erbe, Vorläufer des modernen Arbeitsrechts, hatte einen ausgeprägten Unternehmensfrieden und ein sehr positives Image zur Folge. Beides scheint jetzt langsam unter die Räder zu geraten.

Zuerst waren es die Taschenkontrollen und die Sicherheitskräfte bei der Betriebsversammlung in Göttingen Ende September, als das Umbaukonzept bekanntgemacht wurde. Jetzt sind es Drohungen und Ultimaten im Wirtschaftsausschuss, weil der notwendig gewordenen Mehrarbeit nicht zugestimmt wird. Da liegen offenbar eine Menge Nerven blank und es wundert nicht wirklich, dass der Unternehmensfrieden erschüttert wird.

Mitarbeiter weg und gleichzeitig Mehrarbeit her – die Mitarbeiter scheinen zur betriebswirtschaftlichen Verfügungsmasse degradiert zu werden.

Sven Grünewald

Sven Grünewald

Quelle:
Voriger Artikel
Nächster Artikel
DAX
Chart
DAX 10.529,50 +0,15%
TecDAX 1.687,00 +0,03%
EUR/USD 1,0673 ±0,00%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

DT. TELEKOM 14,69 +0,71%
BAYER 87,21 +0,71%
HEID. CEMENT 83,50 +0,67%
DT. BANK 14,73 -1,98%
VOLKSWAGEN VZ 118,37 -0,71%
LUFTHANSA 12,14 -0,50%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Bakersteel Global AF 166,72%
Structured Solutio AF 154,79%
AXA IM Fixed Incom RF 141,93%
Stabilitas PACIFIC AF 140,74%
Crocodile Capital MF 122,39%

mehr

Wirtschaft Rubriken
Rubriken Wirtschaft Göttingen und die Welt