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Buchhandel in Göttingen Fit in der Nische

In Göttingen kommen 6193 Einwohner auf jeweils eine Buchhandlung. Damit hat nach Zahlen des Börsenvereins des deutschen Buchhandels aus dem Jahr 2015 die Stadt die höchste Buchhandelsdichte der untersuchten deutschen Städte über 100.000 Einwohner.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Allen Unkenrufen zum Trotz: Jenseits der Konkurrenz durch Onlinehändler und Handelsketten kann sich der inhabergeführte Buchhandel weiter behaupten. So, wie Ursula Barking. Erst vor kurzem konnte sie in Rosdorf das 20-jährige Bestehen ihres Buchladens feiern. Auf die Idee, einen Buchhandel zu eröffnen, war sie auf Umwegen gekommen. „Ich hatte meine Promotion im Blick“, sagt die Soziologin und Betriebswirtin. „Aber ich musste für jedes Buch nach Göttingen fahren.“

Irgendwann reichte es der jungen Mutter und sie beschloss, selbst die Lücke im Angebot zu schließen. Seit sechs Jahren findet sich „der Buchladen“ in der Göttinger Straße 37 und bietet neben Büchern ein großes Sortiment an Schreibwaren und Spielen. „Ohne das geht es nicht“, ist sich Barking sicher. Wer eine neue Mine für seinen Füller braucht, kann die auch schon mal mit nach Hause nehmen und probieren, ob es auch die richtige ist.

Das Beisortiment – auch für Stefanie Nöttger vom Buchladen Laura in Göttingen ist wichtig, „dass es zu Büchern passt“. Laura ist bekannt für das ausgefallene Postkartenangebot und ein Buchsortiment von kleineren Verlagen. „Wird bis um 18 Uhr bestellt, kann am nächsten Tag abgeholt werden“, sagt Nöttger. Wie alle Buchläden in der Region hat Laura seit Jahren einen eigenen Online-Shop, mit der Möglichkeit, das Ladensortiment einzusehen. „Immer aktuell sein“, antwortet Nöttger auf die Frage, wie sich eine kleine, inhabergeführte Buchhandlung am Markt behauptet. „Und vor allem schauen, was meine Kunden wollen.“

So sieht das auch Eckhardt Kohl von der akademischen Buchhandlung Calvör mit insgesamt drei Geschäften in Göttingen und Bovenden. Ein Beisortiment gibt es hier nicht, dafür Fotobände und „Beratung zu Büchern, die nicht jeder hat“. Internetriesen wie Amazon sieht er weniger als Bedrohung. „Entscheidungen der Politik hier vor Ort gestalten letztlich die Bedingungen.“ Und die schienen Ralf Steen und Viktoria Stavridou so günstig, dass sie im vergangenen Jahr die Hertel-Buchhandlung von ihrem ehemaligen Chef übernahmen. Ihr Angebot: „Christliche Literatur, Lebenshilfe, aber auch Karten, Kreuze und Rosenkränze.“

Vor fast 30 Jahren hat Hella Winnemuth in Hann. Münden ihre Buchhandlung eröffnet. „Ich liebe das Sortiment, das ich verkaufe, zum Beispiel die Irlandbücher“, sagt sie. Winnemuth setzt auf kreative Werbung: Zum Tag des Buches dürfen Schulklassen den Laden auf den Kopf stellen. Sie selbst kann man buchen – als Vorleserin.

Solide Branche

Zehn Prozent aller Buchläden in Deutschland erwirtschaften zwei Drittel des Gesamtumsatzes. Das geht aus Zahlen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels hervor. Beachtliche 90 Prozent aller Buchläden sind unabhängig und inhabergeführt. Dabei spielt die so genannte Buchpreisbindung eine wichtige Rolle: Der Preis darf nicht über-, aber auch nicht unterschritten werden. Ausnahmen gelten für Mängelexemplare oder Remittenden, wie sie im modernen Antiquariat angeboten werden. Diese Buchpreisbindung, die ähnlich auch für E-Books gilt, gibt auch kleinen Buchhandlungen eine Marktchance. Der deutsche Buchmarkt gilt als einer der größten der Welt und zeigt sich mit einem Umsatz von 9,2 Mrd. Euro seit zehn Jahren trotz großer Umbrüche stabil. Dabei wächst das Online-Geschäft des stationären Buchhandels, konnte aber den Umsatzrückgang der Buchhandlungen vor Ort nur abfedern, nicht kompensieren. Die Zahlen aus den ersten Monaten dieses Jahres zeigen dagegen eine positive Entwicklung: Mit zwei Prozent Umsatzsteigerung liegt der stationäre Buchhandel im Plus.

Von Birgit Freudenthal

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