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Wirtschaftserwartungen 2016

Südniedersachsen, Deutschland, Weltwirtschaft – was Wirtschaftsakteure vom kommenden Jahr erwarten Wirtschaftserwartungen 2016

Die wirtschaftlichen Herausforderungen im kommenden Jahr sind zahlreich – das ist der Tenor einer Umfrage, die wir unter Wirtschaftsaktiven gemacht haben. Großes Thema dabei: die Integration der Flüchtlinge in Gesellschaft und Arbeitsmarkt. Insgesamt werden die Aussichten als eher gedämpft bewertet.

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Es läuft gut am Warenumschlagplatz Güterverkehrszentrum Göttingen. Wird sich die Wirtschaft 2016 weiterhin solide präsentieren?

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Entwicklungen auf verschiedenen Ebenen machen sich direkt oder indirekt auch regional bemerkbar.

Ein Ende der Niedrigzinsphase zeichnet sich nicht ab, was insbesondere die Banken vor zunehmende Probleme stellt. Eine Verkleinerung der Filialnetze oder auch Bankenfusionen wurden von Bankvorständen bereits als Folgen genannt.

Ebenfalls offen ist noch, ob und in welchem Ausmaß Volkswagen harte Einschnitte vornehmen wird und wie sich dies auf verschiedene Branchen auswirken wird. Und dann sind da noch die Verwerfungen in der Euro-Zone und das starke Bestreben verschiedener Länder, aus dem Währungsverbund auszutreten.

Im Folgenden finden sie die Einschätzungen von  Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Hannover, Prof. Renate Ohr, Volkswirtschaftlerin an der Universität Göttingen, Ursula Haufe, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung der Stadt Göttingen, Kirsten Weber, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Mitte und Andreas Gliem, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Hannover:

„Für Unternehmen, die vor allem auf die Inlandsnachfrage ausgerichtet sind, wird es auch im nächsten Jahr gut weitergehen. Der hohe Beschäftigungsstand, der niedrige Ölpreis und auch die weiterhin niedrigen Zinsen tragen dazu bei. Etwas anders sieht es bei der exportorientierten Industrie aus. Gedämpfte Aussichten für Länder wie China oder Brasilien sowie geopolitische Unsicherheiten in Russland und Nahost machen Exporteuren das Leben schwer.

Insgesamt dürfen wir uns nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen. Gestiegene Energie- und Arbeitskosten müssen durch höhere Produktivität aufgefangen werden, die Themen Fachkräftemangel und Integration der Flüchtlinge erfordern mehr Kreativität und Flexibilität von uns allen.

Die IHK wird in den kommenden Monaten ihre Mitgliedsunternehmen noch intensiver und ganz konkret bei der Weiterbildung unterstützen. In diesem Zusammenhang steht auch das Thema Integration von Flüchtlingen natürlich ganz oben auf der Tagesordnung. Und ein Hemmnis für die Wirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten wieder stärker in den Vordergrund geschoben: Bürokratie. Da müssen wir gegensteuern, um nicht das Engagement und den Entscheidungsspielraum von Unternehmen zu ersticken.“

Prof. Renate Ohr, Volkswirtschaftlerin an der Universität Göttingen:

„Ein dominierendes Thema im Jahr 2016 wird natürlich die gesellschaftliche, aber auch wirtschaftliche Bewältigung der Flüchtlingsströme nach Deutschland sein. Damit eng verbunden ist die Frage, ob die Europäische Union als Gemeinschaft diese Herausforderung meistert, oder ob die nationalen Egoismen wieder verstärkt in den Vordergrund treten und der EU eine Zerreißprobe oder zumindest deutliche Rückschritte im Integrationsprozess drohen. In diesem Zusammenhang wird es ganz wichtig sein, ob ein Brexit, also der Austritt Großbritanniens aus der EU, verhindert werden kann.“

Ursula Haufe, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung der Stadt Göttingen:

„Im Jahr 2016 wird sich die positive wirtschaftliche Entwicklung fortsetzen, die Arbeitslosigkeit ist weiter niedrig, die Steuereinnahmen sind gestiegen und ebenso die Konsumneigung der privaten Haushalte. Die Einkommensentwicklung für 2016 ist deutlich positiv zu erwarten, auch aufgrund der geplanten Rentenerhöhungen.

Allerdings halten sich die deutschen Unternehmen trotz einer auskömmlichen Gewinnentwicklung mit ihren Investitionsausgaben bislang eher zurück. Die Auslastung der Kapazitäten hat im 4. Quartal  teilweise einen deutlichen Dämpfer erfahren. Für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wird sich jedoch die aktuelle Zinspolitik der USA positiv auswirken, so dass eine moderat positive Exportentwicklung neben der robusten Binnenkonjunktur erwartet werden kann.

Große Themen für Südniedersachsen sehe ich in der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Infrastruktur, im Ausbau der Gesundheitsregion und der weiteren Cluster und in der verstärkten regionalen Zusammenarbeit mit den Hochschulen (SNIC SüdniedersachsenInnovationscampus).

Für den Wirtschaftsstandort Göttingen sehr wichtig ist die Planung der Firma ZEISS, den Fertigungsstandort zu erhalten.“

Kirsten Weber, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Mitte:

„Die wichtigste Wachstumsstütze der allgemeinen Konjunkturentwicklung bleibt der private Verbrauch, vor allem dank der Kaufkraftgewinne der Verbraucher wegen sinkender Energiepreise und hoher Lohnabschlüsse. Diese positive Konjunkturentwicklung ist allerdings ein fragiler Erfolg, der bei einem Drehen der Rohstoffnotierungen morgen auch schon wieder vorbei sein kann. Von einem selbsttragenden Aufschwung sind wir daher gegenwärtig meilenweit entfernt.

Der seit 2010 nahezu ununterbrochene Arbeitsplatzaufbau, zum Beispiel in der niedersächsischen Industrie bei Maschinenbau, Elektronik, Anlagenbau, Gießereien und Fahrzeugzulieferern, kommt zum Stillstand. In 2016 wird keine nennenswerte Erhöhung der Beschäftigung mehr erwartet. Bereits in der Metall- und Elektroindustrie ist der Beschäftigungsmotor bereits zum Stehen gekommen.

Nur noch jeder 6. Betrieb plant für 2016 mit einem weiteren Aufbau des Mitarbeiterstammes, während fast ein Drittel der Unternehmen Beschäftigung abbauen will. Die Lohnstückkosten sind mittlerweile auf dem höchsten Stand seit 2008.

Was die Exportmärkte im kommenden Jahr betrifft, so können stabilisierende Einflüsse aus den USA und Europa erwartet werden. Der Wettbewerb ist allerdings deutlich härter als in den sogenannten BRIC-Staaten. Letztere haben derzeit mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen, was aber durch die vieles andere überdeckende Berichterstattung über die Flüchtlingskrise derzeit öffentlich kaum stattfindet.

In Europa drohen sich in 2016 und danach Kräfte zu entwickeln, die die Unsicherheit der Investoren befeuert: Großbritanien steht die Abstimmung über einen möglichen „Brexit“ ins Haus, die griechische Schuldenkrise ist alles andere als beendet und in Frankreich wie auch in vielen anderen EU-Staaten gewinnen nationalistische Kräfte wie der Front National zusehens an Einfluss – allesamt Entwicklungen mit ungewissem Ausgang.

Auch daraus folgt, dass nur noch 6 Prozent der Unternehmen bessere Exportaussichten für 2016 erwarten. Die Betriebe der niedersächsischen Metall- und Elektroindustrie fahren ihre Investitionspläne bereits im 4. Jahr hintereinander zurück, was als Alarmzeichen für eine ausgeprägte Zurückhaltung zu werten ist, zusätzliche Produktionskapazitäten in Deutschland aufzubauen.

Es wird zwar weiter investiert, Investitionskapital fließt aber vorzugsweise ins Ausland. Der Standort Deutschland ist aus Sicht vieler Betriebe in der Metall- und Elektroindustrie nicht mehr 1. Wahl.

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Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

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