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Worker Centers - Vorbild auch für Deutschland?

Zum Kampf entschlossen Worker Centers - Vorbild auch für Deutschland?

In den USA schließen sich immer mehr prekär Beschäftigte, vor allem Migranten sowie Angehörige der lateinamerikanischen und schwarzen Minderheiten, zu sogenannten Worker Centers zusammen. Darüber, und ob das Modell auch auf Deutschland übertragbar ist, hat die Politikwissenschaftlerin Martina Benz in der Verdi-Geschäftsstelle referiert.

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Martina Benz

Quelle: EF

Göttingen. Jahrzehntelang war die Situation von zehntausenden von Frauen, die bei gutsituierten New Yorker Familien als Haushaltshilfen arbeiteten, denkbar schlecht. Sie erhielten nur geringen Lohn, hatten keinen bezahlten Urlaub, keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und keinerlei Kündigungsschutz. Im Jahr 2000 gründeten sie die Domestic Workers United (Vereinigung der Haushaltshilfen) und gingen mit Hilfe von Aktivisten, Studenten, Stiftungen und sogar Medienorganisationen wie der New York Times auf die Barrikaden. Das Ergebnis nach zehn Jahren harter Auseinandersetzungen: Der Bundesstaat New York erließ ein Gesetz, das die Vertragsbedingungen zwischen Arbeitgebern und Haushaltsangestellten regelte und letzteren eine ganze Reihe von Rechten und Ansprüchen verschaffte.

So wie die Haushaltsangestellten in New York haben in den letzten 35 Jahren die Angehörigen einer ganzen Reihe von Berufsgruppen in allen Teilen der USA Worker Centers gegründet, unter anderem Restaurant- und Hotelangestellte, Taxifahrer, Landarbeiter, Tagelöhner und Schlachthofarbeiter. Zweier Strategien bedienen sie sich in erster Linie: juristisches Vorgehen sowie öffentlichkeitswirksame Kampagnen. Wobei ihnen die Gewerkschaften nur in Ausnahmefällen zur Seite stehen, denn die seien in der Regel Facharbeiter-dominiert, protektionistisch und einwanderungskritisch, so Benz.

Der gesellschaftliche Kontext, innerhalb dessen sich die Organisierung der Prekären vollzog, war geprägt von Neoliberalisierung, der Einschränkung von Arbeitnehmerrechten, der Zunahme des Niedriglohnsektors sowie wachsender Immigration. Ein Kontext also, mit dem die derzeit in der Bundesrepublik herrschenden Verhältnisse durchaus vergleichbar sind, wie Benz sagt. Besonders die wachsende Zahl von Migranten und die zunehmende Bereitschaft, ihre Arbeitskraft als Lösung des Problems des demografischen Wandels zu nutzen – so wie das bereits in der Pflege geschehen – werfe die Frage auf, ob Worker Centers auch in Deutschland entstehen könnten.

Eine Frage, deren Antwort prinzipiell „Ja“ heiße. So gebe es bereits erste Ansätze von Selbstorganisation ausländischer Arbeitnehmer, zum Beispiel die Proteste rumänischer Bauarbeiter gegen nicht ausbezahlte Löhne für den Bau des Shoppingcenters „Mall of Berlin“. Allerdings seien die Verhältnisse in Deutschland in vielerlei Hinsicht anders als in den USA. Dort sei die Hilfe zur Selbsthilfe stärker ausgeprägt, hierzulande setzte man weiterhin eher auf die regulierende Hand des Staates. Außerdem würden die Worker Centers in den USA nicht unwesentlich von wohlhabenden Philanthropen und ihren Stiftungen unterstützt – etwas, was von reichen Deutschen nicht zu erwarten sei.  

So blieb die Frage, ob die Worker Centers als Vorbild für die Organisation prekär Beschäftigter, speziell Migranten, taugen, letztlich unbeantwortet. Die Gewerkschaften sollten sich stärker um deren Repräsentation kümmern, so die Forderung mehrerer Zuhörer. Davon waren übrigens gerade mal zwölf anwesend, darunter zwei Migranten.   

Von Hauke Rudolph

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