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Zobel und Nerz – Neuer Schnitt für alte Felle

Letzter Kürschner in Göttingen Zobel und Nerz – Neuer Schnitt für alte Felle

„Ich bin kleiner geworden“, klagt die Kundin. „Wir müssen nochmal kürzen.“ „Vorn fünf, hinten sieben Zentimeter“, sagt Erich Fütterer ohne Zögern. Der Kürschner hat ein Auge für das richtige Maß, aber auch für die Kundin, die den Nerzmantel von der Mutter geerbt hat. In einer Woche kann die ältere Dame das gute Stück wieder abholen.

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Hat einen Blick für Pelze: Erich Fütterer, der letzte Kürschner in Göttingen.

Quelle: Hinzmann

So geht das bei Erich Fütterer, der Kürschner, Schneider und Psychologe sein muss. Da vertrauen ihm die Damen mal eben Mäntel im Wert von 15 000 Euro an, setzen auf Ehrlichkeit und das Geschick des letzten Kürschners in Göttingen. Vor 30 Jahren gab es noch zehn, zwölf Pelzanbieter in der Stadt, erinnert sich der 67-Jährige. „Heute bin ich der einzige.“ Auch seine Kinder gehen beruflich andere Wege, Tochter Christina ist Juristin, Sohn Andreas in der Metallbranche.

Erich Fütterer ist nicht traurig darüber, zumal er noch lange nicht das Feld räumen will. Er freut sich über die Ladies, die zu ihm kommen, die Frauen, die noch auf ihr Äußeres achten. „Heute trägt man Klamotten statt Kleidung“, sieht er den Wandel kritisch – vor allem in Deutschland. Fütterer weiß, dass es auch anders geht. In Italien zum Beispiel. Dort ist er Kürschner geworden, hat das Handwerk bei Bruder Rolf erlernt. Der Kürschnermeister hatte seine Werkstatt in der Via Monte Napoleone, direkt hinter der Scala. Da sah man die Damen mit weißen Handschuhen, elegant gekleidet und in Pelz. In Italien gilt für Gatten: „Was bin ich denn für ein Mann, wenn ich meiner Frau nicht mal einen Nerz leisten kann.“

Auch in Johannesburg hat Fütterer gearbeitet, ist mit Ehefrau Barbara viel gereist. Dort ist auch Sohn Andreas geboren, bevor es wieder nach Deutschland ging. In der Jüdenstraße wurde das Geschäft eröffnet, vor 40 Jahren, im Haus nebenan. Es war nicht Sehnsucht, was Fütterer von Südafrika nach Hause getrieben hat („Ich bin Pfadfinder, da kennt man kein Heimweh“). Dort habe es für Fremde keine Möglichkeit gegeben, sich selbstständig zu machen. In 40 Jahren hat sich die Branche geändert. Früher wurden Mäntel, Jacken und Westen aus Nerz, Chinchilla, Bisam oder Zobel (von skandinavischen oder kanadischen Farmen) gefertigt, heute liegt der Schwerpunkt auf Änderungsschneiderei.

Gestern erst habe eine Kundin zwei Pelzjacken (Nerz und Persianer) gebracht, aus denen Fütterer eine Jacke arbeiten wird. Mit Stoff, auch mit Leder kombiniert der Kürschner die Pelze, wendet sie von außen nach innen, und „wenn einem gar nichts mehr einfällt, macht man eine Decke daraus“, verrät er. Kreativität ist gefragt. „Wir sind die Veredler“, sagt Fütterer über das Kürschner-Handwerk, nicht die Erzeuger. Daran hat sich in 40 Jahren nichts geändert.

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