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Göttingen: Warum Beschäftigte in sozialen Diensten streiken

„Es brennt da draußen“ Göttingen: Warum Beschäftigte in sozialen Diensten streiken

„Wir sind immer für andere da, aber wir haben es Jahrzehnte lang nicht auf die Reihe gekriegt, für uns selbst zu sorgen.“ Kein anderer Satz drückt so deutlich aus, was die Beschäftigten in den Sozial- und Erziehungsdiensten zurzeit bewegt, ihre Arbeit niederzulegen. In keinem anderen Beruf würden hochqualifizierte Fachleute so schlecht bezahlt, beschreiben Angestellte des Landkreises und der Stadt Göttingen sowie der Jugendhilfe Südniedersachsen ihre Situation.

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Sie lieben ihren Beruf, auch darum fordern die streikenden Sozialarbeiter und Pädagogen in sozialen Diensten mehr Geld und Anerkennung.

Quelle: Schubert

Göttingen. Seit Freitag vor gut einer Woche befinden sich neben den Erzieherinnen in kommunalen Kindergärten auch die meisten Angestellten in den Jugendeinrichtungen, Kinder- und Jugendämtern und vielen ähnlichen Tätigkeitsbereichen der Kreise und Gemeinden in einem vorerst unbefristeten Streik. Sie fordern eine „längst überfällige“ Aufwertung und größere Anerkennung ihrer Arbeit, auch finanziell.

Eine Arbeit, „die sich in den vergangenen Jahren enorm verändert hat“, sagt eine Sozialpädagogin aus dem Pflegekinder und Adoptionen, die seit fast 40 Jahren dort tätig ist. Zerrüttete Familien, immer mehr noch ganz kleine Kinder mit drogenabhängigen Müttern, die aus ihrem Umfeld heraus genommen werden müssen, aber viel zu wenig Pflegefamilien prägten ihre Arbeit heute.

„Es brennt da draußen“, sagt sie, „und die Anforderungen auch für uns wachsen ständig und rapide“. Da sei regelmäßige einwöchige und dann durchgehende Rufbereitschaft noch der geringste Stressfaktor.

Ähnlich erleben die Beschäftigten in der sozialpädagogischen Familienhilfe ihre Situation: völlig überlastete Eltern, immer mehr stark auffällige Kinder und viele zu betreuenden Fälle. Die dann auch noch weit auseinander liegen: „Wir sind oft stundenlang mit dem Auto unterwegs.“

Auch die Sozialarbeiter und ihre Kolleginnen in den offenen Jugendeinrichtungen müssen sich nach ihren Erzählungen jeden Tag aufs Neue um andere Probleme kümmern und immer ein offenes Ohr haben. Und das bei einem meistens hohem Lärmpegel, abends, an Wochenenden und auf Ferienfreizeiten, „wenn andere Urlaub machen“.

„Unplanbar, hoch emotional, körperlich wie psychisch belastend und immer mit einer hohen Verantwortung verbunden“ seien ihre Berufe, erzählen die Sozialarbeiter weiter. Nicht nur bei der Betreuung straffällig gewordener Jugendlicher oder minderjähriger Flüchtlinge mit traumatischen Erfahrungen seien sie Krisenmanager, die sich jeden Tag auf neue Situationen und individuelle Probleme einstellen müssen.

Viele von ihnen stünden dabei auch noch unter dem Druck, haften zu müssen, wenn ihre Entscheidung falsch ist und zum Beispiel ein beobachtetes Kind in einer Familie doch missbraucht wird.

Fast alle haben Sozialpädagogik studiert, verdienen aber kaum mehr als 3500 Euro brutto monatliche – in Vollzeit. Die wenigsten bekommen allerdings eine volle Stelle. „Viele von uns haben einen Zweitjob, um über die Runden zu kommen“, räumt eine Sozialarbeiterin aus der Familienhilfe ein. Bei diesem Gehalt sei es zudem kein Wunder, dass es an Nachwuchs mangele und kaum Männer in die Sozialarbeit gingen.

Auch deshalb streiken sie für eine höhere Anerkennung und mehr Gehalt. Und, weil sie ihren „eigentlich tollen Job, der trotzdem so viel Freude macht“ noch lange machen wollen.

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