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Gmelin und Wöhler überwachen die Pächter

Serie "200plus" / Teil 7 Gmelin und Wöhler überwachen die Pächter

Die Georg-August-Universität feiert in diesem Jahr ihr 275-jähriges Bestehen. Das haben die Inhaber der ältesten Göttinger Geschäfte zum Anlass genommen, die Aktion 200plus zu initiieren. Ein gutes Dutzend Unternehmen kann auf eine mehr als 200-jährige Firmengeschichte zurückblicken.

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Die Einrichtung der Universitäts-Apotheke stammt aus dem 19. Jahrhundert: Inhaber Klaus Eckart mit Ehefrau Marlies Weirauch.

Quelle: JV

Göttingen. Das Tageblatt stellt sie in einer Serie vor. Heute: Die Universitäts-Apotheke.

Die letzten großen baulichen Veränderungen hat Rudolf Anton Kastropp vorgenommen. Der Pharmazeut ließ den Verkaufsraum der Göttinger Universitäts-Apotheke am Markt 6 tiefer legen, so dass er sich auf der gleichen Höhe wie die Straße befindet. Dazu musste eine Eisenkonstruktuktion zur Stützung des Hauses eingebaut werden. Kastropp übernahm sich wahrscheinlich mit dem umfangreichen Projekt. Er hat die Apotheke jedenfalls im Jahr 1900, drei Jahre nach der Übernahme, wieder verkauft.
„Die getäfelten Holzwände und die Deckengestaltung stammen noch aus dem 19. Jahrhundert“, erläutert Inhaber Klaus Eckart. Seit Juli 2008 gehört ihm die Apotheke, die 2012 ihr 275-jähriges Bestehen feiert. Eckart und seine Frau Marlies Weirauch haben in Berlin Chemie studiert und wurden in diesem Fach promoviert.

Apotheke gehörte bis 1873 zur Hochschule

„Zwei große Namen, die ich damals als kleiner Student kennenlernte, begegneten mir in Göttingen wieder“, erzählt Eckart. Die Universtitäts-Apotheke war bis 1873 eine Einrichtung der Hochschule. Professoren waren mit der Beaufsichtigung des Pächters beauftragt. „Im 18. Jahrhundert übernahm Chemiker Johann Friedrich Gmelin, dessen Lehrbücher Standards setzten, eine Zeit lang diese Aufgabe“, erfuhr der Apotheker. In der Öffentlichkeit bekannter sei ein anderer Aufseher, der Chemiker Friedrich Wöhler. Der Göttinger Professor habe mit der Synthetisierung des Harnstoffs nachgewiesen, dass die organische Chemie auf gleichen stofflichen Grundlage beruhe wie die anorganische Chemie. Eckart und Weirauch kamen in die südniedersächsische Universtitätsstadt, um dort wissenschaftlich zu arbeiten.

Weirauch gefiel es allerdings in der männerdominerten Chemiebranche nicht. Sie hängte daher ein Pharmaziestudium an und machte sich im Januar 1999 mit der Hubertus-Apotheke in der Kurzen-Geismar-Straße selbstständig. Eckart, der nach acht Stunden Forschung im Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin noch Kapazitäten frei hatte, übernahm die Buchführung. Sein Interesse am Fach war geweckt.

Drei Häuser kooperieren

„Ein Apotheker reicht nicht nur Medikamente über den Ladentisch“, erkannte er. Apotheker benötigten ein breites Wissen über Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten sowie deren Verträglichkeit untereinander, berichtet er. So studierte Eckart ab 2002 ebenfalls Pharmazie. 2006 erhielt er seine Approbation. 2008 übernahm er, rechtlich getrennt vom Unternehmen seiner Frau, die Universitäts-Apotheke und im Februar 2009 als Filiale die Apotheke auf dem Holtenser Berg.

Die drei Häuser kooperieren. „Ich kümmere mich um die Betriebswirtschaft, meine Frau um den Einkauf und die Rezeptur, also die Einzelanfertigung von Cremes und Lösungen“, so der Pharmazeut. In der Universitäts-Apotheke sind acht Mitarbeiter tätig, in der Apotheke auf dem Holtenser Berg sieben und 35 in der Hubertus-Apotheke, wo sich der Wareneinkauf für alle drei Standorte befindet.

„Die Synergieeffekte mehrerer Standorte sind notwendig, weil die Kosten steigen, wir das aber nicht umlegen können“, erläutert Eckart. Auch die Dokumentationspflichten seien gestiegen, so etwa seit diesem Jahr durch die neue Apothekenbetriebsordnung. Seit 2011 sei die Zahl der selbstständigen Apotheken rückläufig.

Chronik der Universitäts-Apotheke

Die Göttinger Medizin-Professoren wollten einen Apotheker, der genau ihren Anweisungen folgt. Der Inhaber der traditionsreichen Rats-Apotheke der Stadt arbeitete ihnen zu selbstständig. Deshalb gründete die Hochschule in ihrem Eröffnungsjahr 1737 die Universitäts-Apotheke. Der Pächter musste sich zudem um die praktische Ausbildung von Studierenden in den Bereichen Pharmazie und Chemie kümmern. Die Erträge flossen ab 1739 an die Kasse, aus der die Witwen und Waisen von Professoren versorgt wurden.

Die Witwen- und Waisen-Kasse verkaufte nach gut 130 Jahren 1873 die Apotheke. Der Grund: Die Ausgaben, etwa für den Unterhalt des Gebäudes, verschlangen mehr Geld, als durch die Pacht hereinkam. 1889 wurde die Kasse aufgelöst. Seither kümmert sich der Staat um die Hinterbliebenen der Professoren.

Im Laufe der kommenden Jahrzehnte wechselte die Universitäts-Apotheke mehrfach den Besitzer. Nur Familie Frank führte das Unternehmen über zwei Generationen: Fritz Frank von 1900 bis 1939, sein Sohn Fritz Adolf Frank von 1939 bis 1986. Die Erbengemeinschaft Frank übergab die Apotheke an Melinda von Ond. Sie ließ 1997 zum 250-jährigen Bestehen der Traditionsfirma von Ros-witha Sommer eine Firmenchronik verfassen. „Zur Geschichte der Universitäts-Apotheke in Göttingen“ lautet der Titel des Buches, auf das sich dieser Artikel stützt.
Von Ond veräußerte ihr Unternehmen 2008 an den promovierten Chemiker und Apotheker Klaus Eckart. In diesem Jahr feiert die Firma zusammen mit der Hochschule das 275-jährige Jubiläum. 

Von Michael Caspar

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Serie "200plus" / Teil 6

Die Georg-August-Universität feiert in diesem Jahr ihr 275-jähriges Bestehen. Das haben die Inhaber der ältesten Göttinger Geschäfte zum Anlass genommen, die Aktion 200plus zu initiieren.

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