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Heute kann jeder sein eigener Verleger sein

Verlag Vandenhoeck & Ruprecht Heute kann jeder sein eigener Verleger sein

Autoren haben heute die Wahl. Wollen sie 70 bis 80 Prozent des Nettoerlöses ihres Buches oder geben sie sich mit fünf bis zehn Prozent zufrieden, berichtet Carola Müller (47), Geschäftsführerin des Göttinger Traditionsverlags Vandenhoeck & Ruprecht.

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Markt im Umbruch: Geschäftsführerin Carola Müller (links) und Pressesprecherin Ulrike Schermuly in der Theaterstraße.

Quelle: CR

Göttingen.  Das Angebot einer großen Vertriebsplattform im Internet ist verführerisch. Self Publishing lautet das Stichwort. Der Autor reicht sein selbst layoutetes Manuskript ein. Die Vertriebsplattform präsentiert den Text im Netz. Gehen Bestellungen ein, erfolgen Druck und Auslieferung.

„Wir arbeiten deutlich anders“, sagt Müller. Der Autor müsse zunächst die Hürde überwinden, dass der Verlag sein Buch überhaupt ins Sortiment aufnehme. Vandenhoeck & Ruprecht prüfe Qualität und Relevanz. Dafür stehe der Verlag dann mit seinem Namen ein. Die Bücher würden in einer bestimmten Auflage gedruckt und verursachten Lagerkosten. Der Verlag kümmere sich ums Marketing, informiere die Medien, stelle das Buch auf Messen und Kongressen vor, bringe es in den Buchhandel. All das habe seinen Preis. Bei wissenschaftlicher Literatur gebe es zum Teil überhaupt kein Autorenhonorar. Meistens sei dort sogar ein Druckkostenzuschuss notwendig. „Der ganze Buchmarkt befindet sich derzeit im Umbruch“, sagt Müller. Ihr Verlag denke über ein eigenes Self-Publishing-Angebot nach. Noch suchten sie nach Bereichen, wo das bei ihnen Sinn mache. Lehrer könnten so zum Beispiel ihre Unterrichtsmaterialien veröffentlichen.

Die Geschäftsführerin: „Bei solchen Entwicklungen nutzt einem eine mehr als 275-jährige Unternehmensgeschichte nichts.“ Es sei allerdings angenehm für eine alteingesessene Unternehmerfamilie zu arbeiten, die weniger die Gewinnmaximierung, als die zeitgemäße Weiterentwicklung der Firma im Auge hätte. Familie Ruprecht, die den Verlag in siebter Generation besitze, zeichne sich durch eine „wohltuende Gelassenheit“ aus. Sie hätte im Laufe der Geschichte schon ganz andere Herausforderungen bewältigt. Müller: „Ausruhen können wir uns allerdings auf keinen Fall.“

Bis heute Firmensitz: Verlagsgebäude in der Theaterstraße (l.).

Bis heute Firmensitz: Verlagsgebäude in der Theaterstraße (l.).

Quelle:

Auch andere Entwicklungen verlangen weitreichende Entscheidungen. „Die gedruckten Auflagen sinken“, sagt die Geschäftsführerin. Studenten kauften heute kaum noch Bücher. Die Semesterliteratur stehe in elektronischer Form auf dem Uni-Server. So bräche eine wichtige Zielgruppe fast vollständig weg. Seit zwei, drei Jahren lernten die Verlagsmitarbeiter ihren Beruf noch einmal neu. Sie würden sich Kenntnisse im E-Publishing, im elektronischen Publizieren, erwerben.

„Als Verlag im geisteswissenschaftlichen Bereich trifft uns das noch weniger als die Medizin- und Technik-Verlage, wo schon große Teile der Literatur nur noch elektronisch veröffentlicht werden“, sagt die Managerin. Bisher verursache der Aufbau einer zweiten Sparte im Verlag vor allem hohe Kosten. Die Einnahmen seien noch überschaubar.

Ein weiteres Thema ist bei Vandenhoeck & Ruprecht Open Access („offener Zugang“). Elektronische Veröffentlichungen stehen Nutzern kostenlos im Internet zur Verfügung. „Da die Veröffentlichung wissenschaftlicher Literatur schon heute meistens einen Druckkostenzuschuss benötigt, lässt sich das durchaus realisieren“, meint Müller. Ihr Verlage habe bereits einen Teil des alten Sortiments auf einem Internetserver elektronisch frei zugänglich gemacht. Trotzdem würden diese Bücher immer noch ungebrochen in gedruckter Form gekauft. Für Wissenschaftler habe Open Access den Vorteil, dass Bücher frei zugänglich seien und somit häufiger zitiert würden. Die Umbrüche am Markt sind nicht spurlos am Verlag vorbeigegangen. Heute hat er 50 Mitarbeiter. Vor zehn Jahren, als es noch eine eigene Auslieferung gab, waren es knapp 80 Personen.

Von Michael Caspar

Chronik des Verlags
Göttingen (mic). Die Universität Göttingen holte 1735 den holländischen Buchdrucker Abraham Vandenhoeck (1700-1750) in die Stadt, damit er für die Professoren der in Gründung befindlichen Hochschule Bücher druckt und vertreibt. Mit einer Druckerpresse und 350 Pfund Buchstaben kamen Vandenhoeck und seine Frau Anna in die Stadt. 15 Jahre war der Unternehmer in Göttingen tätig. Nach seinem frühen Tod führte Anna Vandenhoeck die Firma weiter, unterstützt von ihrem 20 Jahre jüngeren Angestellten Carl Ruprecht. Er arbeitete für sie als Geschäftsführer.
Ruprecht erbte die Firma 1787 mit 57 Jahren und benannte sie in Vandenhoeck & Ruprecht um. Seither findet sich der Verlag im Besitz der Familie Ruprecht – mittlerweile in siebter Generation. Das Unternehmen hat sich im Laufe der Jahre zu einem führenden Anbieter geisteswissenschaftlicher und theologischer Literatur, aber auch von Schulbüchern entwickelt. Zu den Stärken gehören langfristig angelegte Projekte. So gibt der Verlag seit mehr als 175 Jahren den „Kritisch-exegetischen Kommentar über das Neue Testament“ heraus. mic
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