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Versandhandel „sitzt uns allen im Nacken“

Serie „200plus“ / Teil 3 Versandhandel „sitzt uns allen im Nacken“

Die Georg-August-Universität feiert in diesem Jahr ihr 275-jähriges Bestehen. Das haben die Inhaber der ältesten Göttinger Geschäfte zum Anlass genommen, die Aktion 200plus zu initiieren. Ein gutes Dutzend Unternehmen kann auf eine mehr als 200-jährige Firmengeschichte zurückblicken. Das Tageblatt stellt sie in einer Serie vor. Diesmal: Buchhandlung Deuerlich.

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Deuerlich: Generationen kauften dort ihre Schulbücher.

Quelle: EF

Göttingen. „Die Nachfrage nach E-Books ist seit dem vergangenen Weihnachtsgeschäft kräftig gestiegen“, berichtet Sabine Warkentin, die Chefin der Göttinger Traditionsbuchhandlung Deuerlich. Zu ihrer Überraschung fragen nicht so sehr die ganz jungen, sondern gerade ältere Menschen die elektronischen Bücher nach. „Die Schrift lässt sich größer stellen“, verrät die Buchhändlerin einen Vorteil. Auf Reisen mache es vom Gewicht her keinen Unterschied, ob der Leser zwei oder zehn E-Books im Gepäck habe. Zudem nähmen die Bücher zu Hause keinen Platz weg. Das wüssten Menschen zu schätzen, die schon einmal mit ein paar 1000 Büchern in eine kleinere Wohnung gezogen seien.

„Die nachwachsenden Generationen verbringen immer weniger Zeit mit Bücherlesen“, hat Warkentin beobachtet, die seit 1981 bei Deuerlich arbeitet. Das Göttinger Fachgeschäft bemüht sich bereits seit 1978 mit speziellen Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche diesem Trend entgegen zu steuern. „Wenn junge Leute heute E-Books kaufen, lesen sie sie auf dem Smart Phone“, berichtet die Buchhändlerin.

„Zum Klick gib’s Deuerlich.de“

Nicht nur das Produkt, auch die Art des Vertriebs verändert sich zur Zeit grundlegend. Der Versandhandel über das Internet wächst. „Amazon sitzt uns allen im Nacken“, so Warkentin. Deuerlich verfügt seit vielen Jahren über einen eigenen Internetshop. Werbeslogan: „Zum Klick gib’s Deuerlich.de“ Einen Vorteil hat der stationäre Handel dabei. „Die Kunden können sich die Bücher nach Hause schicken lassen, aber auch erst einmal im Laden ansehen“, hebt die Buchhändlerin hervor.

Eine Folge der veränderten Kaufgewohnheiten ist der sinkende Platzbedarf in der Buchhandlungen. Auch müssen nicht mehr alle Titel vorrätig sein. Heute stehen bei Deuerlich 50 000 verschiedene Werke im Regal. In Spitzenzeiten waren es einmal doppelt so viele.

Angesichts der tiefgreifenden Veränderungen in der Branche sieht es Warkentin positiv, dass Deuerlich seit Juli komplett zum Hugendubel-Kette gehört. „Wir brauchen den starken Verbund“, erklärt sie. Nur so ließen sich die Arbeitsplätze dauerhaft sichern. Im November wird Deuerlich dann auch seinen traditionsreichen Namen aufgeben und unter dem neuen Namen Hugendubel firmieren.

Die langjährigen Geschäftsbeziehungen zu vielen Partnern in der Region will die Göttinger Filiale weiterführen, betont die Standortleiterin. Seit Gründung des Unternehmens bestehen enge Kontakte zur Universität. Bei Kongressen und anderen Veranstaltungen bietet Deuerlich die entsprechende Literatur an Büchertischen an.

Viele Firmen der Stadt decken sich in der Weender Straße mit Fachliteratur ein. Zu den Kunden zählen auch das Klinikum und die Justizvollzugsanstalt in Rosdorf, verrät Warkentin.

Chronik Deuerlich

Als Antiquar hat der Buchhandlungsdiener Rudolph Deuerlich 1807 in Göttingen begonnen. Seit 1808 verkaufte er auch neue Bücher. Zudem betätigte er sich als Verleger. Dicher Heinrich Heine, der seinerzeit in Göttingen Jura studiert hat, berichtete einem Freund, dass Deuerlich den Autoren ordentliche Honorare zahle. 1824 erfolte der Umzug in das Geschäft in der Weender Straße 33. Drei Generationen lang war das Unternehmen in der Hand der Familie. Dann verkauften die Brüder Gustav und Ernst Deuerlich die Buchhandlung 1929 für 10 000 Reichsmark an die Göttinger Verlegerfamilie Ruprecht. Ruprechts führten als erstes eine moderne Registrierkasse ein.

Von der Grenzöffnung profitierte das Unternehmen stark. Damals waren Ämter, Steuerbüros und Anwaltskanzleien komplett mit Fachliteratur auszustatten. 1998/99 ist das Gebäude in der Weender innerhalb von fünf Monaten Bauzeit kernsaniert worden. Von einer Bank im Nachbarhaus konnten Räume übernommen werden, was eine Erweiterung möglich machte. Ruprechts verkauften die Traditionsbuchhandlung im Jahr 2004 an ihren ehemaligen Lehrling, den Lübecker Buchhändler Henning Hamkens. Dieser hat zwischenzeitlich alle seine Geschäfte an Hugendubel übergeben.

Die Göttinger Buchhandlung beschäftigt an zwei Standorten insgesamt 29 Mitarbeiter. Das Hauptgeschäft in der Innenstadt ist 700 Quadratmeter groß. Die Filiale im Opelhochhaus am Campus, die seit 1991 Studenten mit Fachlitertur versorgt, verfügt über weitere 200 Quadratmeter.

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Serie „200plus“ / Teil 1

Die Georg-August-Universität Göttingen feiert ihr 275-jähriges Bestehen. Das haben die Inhaber der ältesten Göttinger Geschäfte zum Anlass genommen, die Aktion 200plus zu initiieren. Ein gutes Dutzend Unternehmen können auf eine mehr als 200-jährige Geschichte zurückblicken. Das Tageblatt stellt sie vor. Heute: Wiederholdt.

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