Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Vom „Scharfen Eck“ zum „Kleinen Ratskeller“

Serie "200plus" / Teil 6 Vom „Scharfen Eck“ zum „Kleinen Ratskeller“

Die Georg-August-Universität feiert in diesem Jahr ihr 275-jähriges Bestehen. Das haben die Inhaber der ältesten Göttinger Geschäfte zum Anlass genommen, die Aktion 200plus zu initiieren.

Voriger Artikel
680 Jahre Stadtgeschichte in einer Apotheke
Nächster Artikel
Gmelin und Wöhler überwachen die Pächter

Kämpft um ihren „Kleinen Ratskeller“ in der Jüdenstraße: Gastwirtin Veronica Brieke im Schankraum.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Ein gutes Dutzend Unternehmen kann auf eine mehr als 200-jährige Firmengeschichte zurückblicken. Das Tageblatt stellt sie in einer Serie vor. Heute: Der Kleine Ratskeller.

„Nun erst recht“, lautet die Aufschrift auf dem Schild. Auf einem Flohmarkt habe sie es vor 22 Jahren gekauft, erzäht Veronica Brieke. Noch heute hängt es in ihrem Gastraum und spiegelt ihre Haltung wider: Trotz aller Widrigkeiten gibt sie nicht auf. Der Kleine Ratskeller soll bleiben. In der sechsten Generation führt Brieke die Wirtschaft. Seit mehr als 250 Jahren gibt es den Kleinen Ratskeller in Göttingen. 1880 heiratete die älteste Tochter der Gastwirte Apel den damaligen Wirt des Göttinger Rathskellers, Heinrich Brieke. Bis dahin wurde das Haus im Volksmund „scharfes Eck“ genannt, danach hieß es Kleiner Ratskeller.

Vor 23 Jahren hat die direkte Nachfolgerin Veronica Brieke das Lokal von Vater Franz Brieke übernommen. Eigentlich wohnte sie nicht mehr in Göttingen. Sie studierte Grafik und Design in Köln. Als Franz Brieke bei einem Autounfall starb, übernahm sie die Gastwirtschaft, und das trotz vieler Schwierigkeiten. Zwar habe ihr Vater sie nie dazu gedrängt, doch ihr war klar, dass es sein Wunsch war, die Gaststätte in Familienhände weiter zu geben.

Zunächst – weil die Eltern nicht versichert waren – sei das Haus an die Bank gefallen. Sie habe es wieder zurückkaufen müssen. Die Quereinsteigerin in der Gastronomie bildete sich fort. In zwei Hamburger Restaurants erlernte sie außerdem das Kochen. Vor elf Jahren dann ließ sie den Hof des Areals zur Küche umbauen. Der Kleine Ratskeller wurde Speisewirtschaft. Für Brieke gab es viel zu tun. Vor zwölf Jahren mussten die morschen Schwellen ausgetauscht werden. Jedes Jahr ließ sie Fenster erneuern, Etage für Etage. 2011 musste der Dachstuhl ersetzt werden. „Jetzt ist erst einmal Ruhe im Ratskeller“, hoffte sie. Das wünscht sie sich auch für die Gäste. Die Gemütlichkeit aus alten Zeiten sollen Einkehrer bei ihr erfahren. „Ich möchte, dass die Menschen eine schöne Auszeit bekommen. Das ist es, was das Haus ausmacht“, sagt Brieke.

Mit fünf Mitarbeitern in Spitzenzeiten schmeißt sie den Laden. Zwei Auszubildende hat sie meistens im Team. Und mit zeitgemäßen Angeboten wie dem Cocktailabend möchte sie eine Verbindung von alten Zeiten in die aus ihrer Sicht unruhigere Gegenwart schlagen. Den Kleinen Ratskeller sieht sie als Institution für die Stadt, die sie nicht nur für die Göttinger erhalten möchte. Hier bekämen Besucher Gelegenheit, ein so altes Haus von innen zu bewundern. Obwohl die Decke im Gastraum ganz schief ist, verfügt die historische Speisewirtschaft über eine moderne Bierleitungsreinigungsanlage, die auf Knopfdruck funktioniert.

Von Ute Lawrenz

Chronik Kleiner Ratskeller

Seit mehr als 250 Jahren beherbergt das Haus an der Ecke Jüdenstraße/Speckstraße den Kleinen Ratskeller. Doch seine Geschichte ist älter. Im Schoßregister (Steuerregister) von 1412 wird das Haus das erste Mal erwähnt. 1430 wird es als „Boda“ (Bude) im Register geführt. Zwischen 1519 und 1530 sei diese Bude mit dem nördlich anschließenden Bau zum Haus Jüdenstraße 30 verschmolzen.

In den Schoß-Tabellen um 1700 ist die Bude als „Brauhaus zweiter Klasse“ ausgewiesen. 1738 eröffnete der damalige Eigentümer Christoph Riem einen „Brantweinschank“. Der Schankwirt Jacob Apel kaufte das Brauhaus 1858. Die „Apelsche Gastwirtschaft“ hieß im Volksmund „Das scharfe Eck“.

Als die älteste Tochter Marie Apel 1880 den Rathskellerwirt Heinrich Brieke ehelichte, wurde der Spitzname „Kleiner Ratskeller“ geboren. Marie und Heinrich Brieke führten die Wirtschaft bis 1930. Sohn Franz und dessen Frau Veronica konnten den Schankbetrieb bis 1942 aufrecht erhalten. Dann wurde der Kleine Ratskeller geschlossen. Das Deutsche Theater lagerte seinen Fundus ein.

Schluss damit war 1945. Die Gastwirtschaft wurde wieder eröffnet und erlebte seine Renaissance in den 1950er Jahren. In der Filmstadt Göttingen spielte er eine ruhmreiche Rolle. Hier fanden schon Heinz Erhardt, Ruth Leuwerik oder Walter Giller ihre Auszeit von den Proben. Bis heute wird der Kleine Ratskeller mit Veronica Brieke von einer direkten Nachfahrin der Namensgeber geführt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Serie "200plus" / Teil 5

Die Georg-August-Universität feiert in diesem Jahr ihr 275-jähriges Bestehen. Das haben die Inhaber der ältesten Göttinger Geschäfte zum Anlass genommen, die Aktion 200plus zu initiieren. 

  • Kommentare
mehr
DAX
Chart
DAX 12.167,50 -0,51%
TecDAX 2.265,00 -0,43%
EUR/USD 1,1809 +0,00%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

FRESENIUS... 70,81 +0,43%
RWE ST 20,83 +0,32%
INFINEON 19,06 +0,13%
THYSSENKRUPP 25,07 -1,47%
HEID. CEMENT 80,03 -1,24%
BAYER 107,99 -1,04%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 121,61%
Crocodile Capital MF 103,59%
Commodity Capital AF 100,58%
Allianz Global Inv AF 99,22%
Polar Capital Fund AF 88,93%

mehr

Wirtschaft Rubriken
Rubriken Wirtschaft Göttingen und die Welt
Sommerfest der Südniedersächsischen Wirtschaft