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Schlichter soll GDL-Chef Weselsky bändigen

Längster Streik der DB-Geschichte Schlichter soll GDL-Chef Weselsky bändigen

Vor dem längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn mehren sich die Forderungen nach Hilfe von außen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) verlangte einen "Schlichter oder Vermittler" und "Verantwortungsbewusstsein auf allen Seiten für unser Land".

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Quelle: Hiekel/dpa (Symbolfoto)

Berlin. Die Lokführer wollen ab Mittwochnachmittag bis Montagmorgen die Arbeit niederlegen. Die Deutsche Bahn (DB) will die Rechtmäßigkeit juristisch prüfen. "Ich appelliere an die Funktionäre der GDL, an den Verhandlungstisch zurückzukommen", sagte SPD-Chef Gabriel der "Bild"-Zeitung (Donnerstagsausgabe).

Bei den Gesprächen kann seiner Ansicht nach ein Schlichter oder Vermittler helfen. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn hält die Hilfe eines "psychologisch hoch geschulten" Vermittlers oder Moderators für nötig, wie Verbandssprecher Gerd Aschoff im Deutschlandfunk sagte. Er könne sich nicht vorstellen, dass die "Streithähne jetzt alleine noch zurechtkommen". Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte "Spiegel Online", die schnelle Einsetzung eines Schlichters sei notwendig, um den Mammutstreik abzuwenden.

Die Tarifparteien "verrennen sich". Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mahnte Verhältnismäßigkeit an. Die öffentliche Akzeptanz für Tarifkonflikte dürfe "nicht über Gebühr strapaziert werden", sagte er der "Bild"-Zeitung vom Mittwoch. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann kritisierte in Berlin, die GDL "nervt ganz Deutschland". Die Lokführergewerkschaft missbrauche das Streikrecht für ihre Organisationsinteressen und die Macht der Funktionäre. Die GDL will am Mittwoch mit dem längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn beginnen.

"Unannehmbarer Vertrag"

Zunächst ist der Güterverkehr betroffen, ab Donnerstag um 2.00 Uhr auch der Personenverkehr. Der Ausstand soll bis Montag früh um 4.00 Uhr dauern. Die GDL will für das gesamte Zugpersonal verhandeln, nicht mehr nur für die Lokführer; die Bahn wiederum will konkurrierende Tarifverträge innerhalb einer Berufsgruppe vermeiden. Am Sonntag war eine Gesprächsrunde gescheitert - laut Bahn kurz vor der Unterzeichnung eines Tarifvertrags für Verfahrensfragen, der die Spielregeln zwischen GDL, der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der DB festlegen sollte.

GDL-Chef Claus Weselsky verteidigte den neuen Streik: Die DB zwinge die GDL dazu, sagte er im Hessischen Rundfunk. Der letzte 60-Stunden-Streik habe das Management der Bahn nicht beeindruckt; die Bahn habe der Gewerkschaft einen "unannehmbaren Vertrag" vorgelegt. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber kündigte im Deutschlandfunk eine juristische Prüfung des Marathonstreiks der GDL an. Die Aussichten, dass ein Arbeitsgericht den Ausstand stoppt, schätzte er allerdings gering ein. Die Gerichte täten sich seiner Erfahrung nach bei der Prüfung der Verhältnismäßigkeit eines Streiks "sehr schwer" damit, "solchen Ersuchen nachzukommen", sagte Weber.

In aller Regel werde zu Ungunsten der Arbeitgeberseite entschieden. Die Geschäftsführung der Berliner S-Bahn rief die Lokführer wegen der Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls auf, nicht am Streik teilzunehmen. Erwartet werde eine halbe Million Besucher. Das Image der S-Bahn werde bei einem Streik "irreparablen Schaden" nehmen. Weselsky geht nach eigenen Worten davon aus, dass die Bahn nach dem Marathonstreik einlenkt. "Ich möchte nicht darüber nachdenken, bis Weihnachten zu streiken", sagte er im Hessischen Rundfunk. "Wir wissen, wie hart es ist, den Fahrgästen die Eisenbahn zu entziehen."

ilo/cne

Die Deutsche Bahn rüstet sich für die bevorstehenden vier Streiktage. ©dpa

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