Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Minister Gabriel wirft GDL Missbrauch des Streikrechts vor

Bahnstreik Minister Gabriel wirft GDL Missbrauch des Streikrechts vor

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat der Lokführergewerkschaft GDL vorgeworfen, mit dem angekündigten Streik bei der Bahn vor allem Eigeninteressen zu verfolgen.

Voriger Artikel
Das müssen Sie zum Bahnstreik wissen
Nächster Artikel
Metronom und Erixx halten zusätzlich

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat der Lokführergewerkschaft GDL vorgeworfen, mit dem angekündigten Streik bei der Bahn vor allem Eigeninteressen zu verfolgen.

Quelle: Nietfeld/dpa (Symbolfoto)

Berlin. "Was derzeit passiert, ist ein Missbrauch des Streikrechts", sagte Gabriel der "Bild"-Zeitung. "Wir brauchen jetzt Verantwortungsbewusstsein auf allen Seiten für unser Land." Gabriel forderte einen Schlichter oder Vermittler in dem Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn, um Schaden von der Volkswirtschaft abzuwenden.

Die GDL hat im Personenverkehr zu einem viertägigen Streik ab Donnerstag aufgerufen, im Güterverkehr sollte der Ausstand schon am Mittwochnachmittag beginnen. "Das Streikrecht wurde in den letzten 65 Jahren in Deutschland von den DGB-Gewerkschaften immer verantwortungsbewusst genutzt.

Und nur dann, wenn es um Arbeitnehmerinteressen ging", sagte Gabriel. Von diesem Prinzip habe sich die GDL verabschiedet. "Ich appelliere an die Funktionäre der GDL, an den Verhandlungstisch zurückzukommen." Die GDL gehört zum Beamtenbund.

dpa

Die Deutsche Bahn rüstet sich für die bevorstehenden vier Streiktage. ©dpa

Zur Bildergalerie
 
Chronologie: Arbeitsniederlegungen der GDL im aktuellen Tarifstreit

Die Arbeitsniederlegungen der Lokführergewerkschaft GDL im aktuellen Tarifstreit haben im September begonnen. Ein Überblick:

• 1. September 2014: Ein Warnstreik bei der Deutschen Bahn trifft Tausende Pendler und Fernreisende an einem Montag. Auch der Güterverkehr ist betroffen. Die Arbeitsniederlegungen dauern drei Stunden. Die GDL hatte ein neues Tarifangebot der Bahn abgelehnt.
• 6. September: Erneut ruft die Gewerkschaft zu einem dreistündigen Warnstreik auf und durchkreuzt damit die Pläne von Zehntausenden Fahrgästen - dieses Mal an einem Samstag. Betroffen sind Regional- und Fernzüge sowie S-Bahnen und der Güterverkehr.
• 7./8. Oktober: Die Lokführer legen bei einem Streik für neun Stunden die Arbeit nieder - sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr. Bei dem Ausstand in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch fallen nach Angaben der GDL zwischen 80 und 90 Prozent der Züge aus.
• 15./16. Oktober: Weil es bisher zu keiner Einigung zwischen GDL und Bahn gekommen ist, streiken Lokführer am Mittwoch und Donnerstag 14 Stunden lang. Erneut bleiben Züge für den Personen- und Güterverkehr stehen, die S-Bahnen
 
Worum geht es beim Streit um die Tarifeinheit?

Die große Koalition will den Einfluss kleiner, durchsetzungsstarker Gewerkschaften eindämmen. Dadurch sollen Streiks in rascher Folge wie aktuell bei Lokführern und Piloten, eine Lähmung des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft erschwert werden. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat dazu einen Entwurf für ein geplantes Gesetz zur sogenannten Tarifeinheit vorgelegt.

Ziel ist es, das Prinzip der Tarifeinheit wieder zu stärken. Dabei geht es darum, in Großunternehmen mit mehreren Gewerkschaften ein annähernd einheitliches System von Lohn- und Arbeitsbedingungen sicherzustellen - damit kleine schlagkräftige Spartengewerkschaften ihre Einzelinteressen nicht auf Kosten anderer durchsetzen können.

Dazu will die Koalition kleine Gewerkschaften zur Kooperation mit den Hauptgewerkschaften drängen, ohne ihr Streikrecht grundsätzlich zu beschneiden. Nahles plant dazu ein sogenanntes betriebsbezogenes Mehrheitsprinzip - in einem Betrieb soll nur noch der Tarifvertrag derjenigen Gewerkschaft gelten, die dort mehr Mitglieder hat. Der Arbeitsmarktexperte der Unionsfraktion, Karl Schiewerling (CDU), hatte im Bundestag gesagt, es solle ein Gesetz mit Stufen für die Konsensfindung in einem Betrieb geben.

Das Ziel sei ein gemeinsamer Tarifvertrag. Man könne aber keine Gewerkschaft zwingen, nicht zu streiken. Jede müsse sich allerdings überlegen, ob ein St reik verhältnismäßig sei.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Wirtschaft Rubriken
Rubriken Wirtschaft Göttingen und die Welt