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Streik der Lokführer: Hälfte der Züge im Fernverkehr fährt dennoch

„Völlig unangemessen“ Streik der Lokführer: Hälfte der Züge im Fernverkehr fährt dennoch

Die Menschen in der Region haben sich durch den Streik der Lokführer bei der Deutschen Bahn nicht überraschen lassen. Weil der Ersatzfahrplan der DB einigermaßen funktionierte, konnten viele Fahrgäste trotz Streiks Züge besteigen. In der Nacht zum Donnerstag hatte der Streik der Lokführergewerkschaft GDL um 2 Uhr nachts begonnen. In den Vormittagsstunden sei etwa die Hälfte der Fernverbindungen ausgefallen, sagte der Göttinger Bahnhogsmanager Detlef Krusche.

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Außer Mitarbeitern keiner zu sehen: Viele Göttinger Reisende hatten sich Alternativen gesucht.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Im Regionalverkehr seien nur 30 Prozent der DB-Züge gefahren.

Weil jedoch die privaten Bahngeselllschaften Metronom (nach Norden) und Cantus (nach Süden) normal fuhren, gab es im gesamten Regionalverkehr zum Streikbeginn ebenfalls einen ausreichenden Betrieb. Der Ersatzfahrplan der DB habe „verlässlich und stabil“ umgesetzt werden können, meinte Krusche.

Dennoch sei der GDL-Streik „eine Herausforderung für unsere Kunden“ gewesen: „Immerhin haben wir an einem normalen Tag in Göttingen etwa 30 000 Reisende. Hier trifft sich jeden Tag eine Kleinstadt.“. Außerdem bedeute der Streik eine Belastung für die nicht streikenden Bahnbediensteten: „Wir haben alle eingesetzt, die irgendwie laufen können“, meinte Krusche. Für die davon Betroffenen seien die Streiktage mit Überstunden und Dauereinsatz ohne Ende verbunden.

Froh über jeden Fahrgast der sein Ziel erreicht

Das kritisiert auch Gerd Aschoff, Bundes-Pressesprecher von Pro Bahn und Göttinger Regionalchef des Fahrgastverbandes. Der GDL-Streik sei „völlig unangemessen“, die Ablehnung des Schlichtungsangebots durch GDL-Chef Claus Weselsky „katastrophal“. Opfer seien nicht nur die Fahrgäste, sondern auch die Mitarbeiter der Deutschen Bahn, die die Arbeit ihrer streikenden Kollegen nun übernehmen müssten, so gut es irgend gehe.

Aschoff lobte den funktionierenden Ersatzfahrbahn der DB: „Ich bin froh für jeden Fahrgast, der in diesen Tagen sein Ziel erreicht.“

Auf den Bahnstreik haben sich die Göttinger Taxifahrer nicht besonders vorbereitet. „Einen ruhigen Geschäftsbetrieb“ verzeichnete Thomas Richter, Disponent bei der Göttinger Taxizentrale, am Donnerstag. Genügend Taxen stünden jederzeit bereit, auch für längere Fahrten.

Die Kosten: von Göttingen nach Kassel werden 85 Euro fällig, nach Hannover rund 200 Euro, zum Flughafen Hannover kostet die Fahrt mit dem Taxi 230 Euro. Bei Carsten Schmidt, Fahrer von Mein Fernbus und Mitinhaber einer Vermittungsfirma für Busfahrer, gab es hingegen schon erste Anfragen nach mehr Bussen und Personal.

Zwar hätten die Busse von Mein Fernbus am Donnerstag noch hinreichend freie Plätze zu den regulären Fahrzeiten gehabt, spätestens von Freitagfrüh an aber hätten sich so viele Fahrgäste angemeldet, dass praktisch auf jeder Strecke mindestens zwei Busse fahren müssen. Busse auf der Berlin-Route etwa, meist mit 25 bis 35 Fahrgästen besetzt, haben pro Fahrt bis zu 70 Anmeldungen.

Fotos von den Streikauswirkungen in Göttingen. © Hinzmann

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Reaktionen: „Überzogen und unverschämt“

Der Streik vereint die Fahrgäste: Gute Worte für die Lokführer-Gewerkschaft GDL hat so gut wie niemand.

„Nicht das geringste Verständnis“ für den Streik hat Christian Bremer . Am Donnerstagvormittag wollte er mit dem Zug zu einem Geschäftstermin nachFrankfurt fahren wollen. Doch daraus wurde nichts: „Jetzt greift Plan B.“ – der Fernbus. Am Dienstag hatte er noch einen Platz im Bus ergattern können und sich von seiner Tochter zur Busstation am Bahnhof kutschieren lassen.

Einigermaßen zuversichtlich, noch am Donnerstag nach Berlin zu erreichen, war Cäcilia Geißler aus Hann. Münden. Bis nach Göttingen hatte sie es bis 10 Uhr geschafft, und auch der ICE weiter nach Berlin war noch nicht gestrichen: „Die Deutsche Bahn hat das mit ihrem Ersatzfahrplan ganz gut hingekriegt. Es ist schon erstaunlich, wie viele Züge trotz des Streiks fahren.“

„Grundsätzlich für Streikautonomie“ spricht sich Dominik Helmschrot aus, aber: „Im Moment ist dieser Streik überzogen. Das ist Machtmissbrauch auf dem Rücken der Bahnreisenden.“ Den Streik gerade zu den Feiern zum Mauerfall in Berlin anzusetzen, sei unverschämt: „Da kann man ja gleich zu Weihnachten streiken.“

Ines Brechel und Bernhard Aschaber aus Garmisch-Partenkirchen hatten es sich zwischen ihren Koffern auf einer Sitzbank auf dem Bahnhofsvorplatz einigermaßen gemütlich gemacht. Nach ihrem Besuch bei der Hagebaumarkt-Messe in der Lokhatte wussten sie am Vormittag nicht, wie und wann es zu ihrem Zielort München weitergeht.

Beide nehmen das einigermaßen gelassen hin. „Da kann man eben nichts machen“, meinte Brechel, die sich aber dennoch sehr über den Streik ärgert und den Ausstand für ungerechtfertigt hält. Ein bißchen anders sieht das Aschaber: „So richtig kann ich das nicht beurteilen. Dafür fehlt mir ausreichendes Hintergrundwissen.“

Von Matthias Heinzel, Andreas Fuhrmann und Jürgen Gückel

Reaktionen zum Lokführerstreik aus dem Netz

Neben den betroffenen Bahnkunden, die ihrem Ärger im Netz zum Audruck bringen, gibt es auch dieses Mal wieder viele kreative und lustige Beiträge. Wir haben einige für Sie zusammengestellt.

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Zusammenfassung

Der bisher längste Ausstand der Lokführer bei der Deutschen Bahn läuft weiter und lähmt große Teile des Zugverkehrs. Die Streit beschäftigt nicht nur die Reisenden - er ist nun auch vor Gericht.

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