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Autohändler lehnen Elektro-Prämie ab

Technologie und Verkehr Autohändler lehnen Elektro-Prämie ab

Ausgerechnet Niedersachsens Autoverkäufer verweigern Wirtschaftsminister Olaf Lies die Gefolgschaft im Ringen um eine staatliche Kaufprämie für Elektroautos. „Eine Prämie hat keine nachhaltigen, sondern nur Mitnahme-Effekte“, sagte der Präsident des niedersächsischen Kfz-Gewerbes, Karl-Heinz Bley.

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Auftanken an der Ladesäule: Die meisten E-Autos, die die Händler für ihre Schauräume zugelassen haben, fahren inzwischen im Ausland.

Quelle: dpa

Hannover. Die von Lies und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (beide SPD) geforderten 5000 Euro Staatszuschuss für jedes gekaufte E-Auto würden lediglich ein Strohfeuer abbrennen, die Probleme der Technologie aber nicht beseitigen, sagte Bley, der auch für die CDU im Landtag sitzt.

Die Autohäuser und Werkstätten setzen sich dagegen für eine Förderung des gewerblichen Einsatzes von Elektroautos ein – etwa durch verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten. Zudem brauche man zunächst eine verbesserte Lade-Infrastruktur und leistungsfähigere Batterien, wenn sich die Technologie auf breiter Front durchsetzen solle. Elektromobile mit annehmbaren Reichweiten würden erst von Fahrzeugen mit Preisen jenseits von 60 000 Euro erreicht. Und die „sind offensichtlich nicht im Kaufinteresse der breiten Masse“.

Gleichzeitig dürfe die Diskussion über das Für und Wider einer Kaufprämie nicht zu lange ausgedehnt werden. „Wir brauchen eine schnelle Entscheidung – wie auch immer sie ausfällt.“ Schon in den vergangenen Monaten habe neben den niedrigen Kraftstoffpreisen auch die Diskussion um die Subventionen die Kaufzurückhaltung bei Elektroautos noch verschärft. In Niedersachsen seien 2015 gerade 1020 „Stromer“ zugelassen worden – ein Drittel weniger als im Jahr zuvor und weit unter dem Bundesschnitt. Auf den Straßen des Landes führen noch weit weniger E-Autos, ergänzte Bleys Kollege Joachim Czychy. Die meisten Fahrzeuge, die die Händler zunächst zuließen, um sie in ihren Schauraum zu stellen, würden sie anschließend in Ländern wie Norwegen oder Frankreich verkaufen, wo es bereits Kaufprämien gibt.

Bley warnte zudem davor, Bargeldzahlungen von mehr als 5000 Euro verbieten zu wollen. „Eine solche Obergrenze ist ein Eingriff in die Entscheidungs- und Verfügungsfreiheit sowohl der Autohäuser als auch unserer Kunden“, sagte der Verbandspräsident. Es sei alles andere als die Ausnahme, dass Autos – vor allem im Gebrauchtwagenbereich – bar bezahlt würden. Auch größere Reparaturen wie das Auswechseln eines Motors erreichten schnell die 5000-Euro-Grenze. „Wer will dem Kunden sagen: Bitte kein Bargeld?“, fragte Bley. „Ich nicht, unsere Branche auch nicht.“

Insgesamt erwartet die Branche für 2016 ein Geschäft auf dem Niveau des Vorjahres. 2015 hatte der niedersächsische Automarkt auf einen Gesamtumsatz von 23,1 Milliarden Euro zugelegt. Mit rund 1,2 Millionen Autokäufen habe der Markt ein neues Rekordniveau erreicht. Dabei standen 361 000 Neuzulassungen mehr als 800 000 Gebrauchtwagengeschäften gegenüber. Das Kfz-Gewerbe zählt in Niedersachsen 3400 Betriebe und 50 000 Beschäftigte.

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