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DGB fordert die Senkung des Rentenalters

Altersarmut DGB fordert die Senkung des Rentenalters

Jeder sechste der rund 1,9 Millionen Rentner in Niedersachsen ist nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) von Altersarmut betroffen. Besonders Frauen haben oft zu wenig Geld zum Leben. Der Gewerkschaftsbund fordert höhere Rentenbeiträge. 

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„Niedriglöhne führen zu niedrigen Renten“: Der DGB in Niedersachsen hat erstmals seinen Rentenreport vorgestellt. 

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand

Hannover . Das geht aus dem DGB-Rentenreport hervor, der gestern erstmals veröffentlicht worden ist. „Wir laufen in diesem Land auf eine sozialpolitische Katastrophe zu“, sagte Hartmut Tölle, Vorsitzender des DGB-Bezirks Niederachsen/Bremen/Sachsen-Anhalt.

Laut dem Gewerkschaftsbund waren 17,2 Prozent der Rentner im Jahr 2015 von Armut bedroht. Zehn Jahre zuvor waren es dem Bericht zufolge noch 11,6 Prozent. Drei Viertel aller Frauen und etwa ein Drittel aller Männer, die 2015 in Niedersachsen in Rente gingen, hätten im Monat 900 Euro oder weniger. Laut DGB liegt die Grenze zur Altersarmut bei einer monatlichen Rente von 930 Euro.

Rentenniveau erhöhen

Besonders alarmierend sei die Lage der Menschen, die wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr voll arbeiten können und Erwerbsminderungsrenten beziehen: 81 Prozent der Frauen und 70 Prozent der Männer bekämen Rentenbeiträge von 900 Euro im Monat oder weniger ausgezahlt. Nicht berücksichtigt sind bei diesen Zahlen allerdings eventuelle Nebenverdienste und sonstige Einkünfte von Rentnern, die zur Sicherung des Lebensstandards im Alter beitragen könnten.

Der DGB fordert von der Politik, den Rückgang des Rentenniveaus nach der Bundestagswahl im September zu stoppen. In einem ersten Schritt solle der Wert auf seinem aktuellen Stand von rund 48 Prozent stabilisiert werden. Langfristig sei ein Anstieg auf 50 Prozent nötig. Erreicht werden soll dies, indem die Rentenbeiträge von 18,7 auf 19,8 Prozent angehoben werden. Die zusätzlichen 1,1 Prozentpunkte sollen zu gleichen Teilen auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt werden. Bis 2045 soll das laut DGB rund 80 Milliarden Euro kosten. Mittelfristig sollten auch Selbstständige und politische Mandatsträger in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen.

Gleichzeitig fordert der DGB, das Rentenalter von 67 Jahren wieder zu senken. Viele Menschen hielten es aus gesundheitlichen Gründen nicht durch, so lange im Beruf zu bleiben. So gingen in Niedersachsen 63 Prozent der Männer und 65 Prozent der Frauen vorzeitig in den Ruhestand. Tölle erklärte, 41,7 Prozent der Beschäftigten in Niedersachsen müssten von Leiharbeit, Teilzeit- oder Minijobs leben. „Niedriglöhne und prekäre Jobs führen zu niedrigen Renten, von denen keiner leben kann.“

Rentenniveau geht beständig zurück

Das Rentenniveau beschreibt, wie viel Geld Ruheständler im Schnitt bekommen – und zwar im Verhältnis zum Arbeitslohn. Betrachtet wird dabei die durchschnittliche Standardrente nach Beitragszahlungen über 45 Jahre. Der Wert hat sich im Laufe der Jahrzehnte merklich verändert: Lag er 1980 noch bei 57,6  Prozent, ist er bis 2015 auf 47,6 Prozent gesunken. Bis 2030 könnte das Rentenniveau auf 43 Prozent zurückgehen.

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will ein weiteres Absinken verhindern. Das Thema dürfte eine große Rolle im Bundestagswahlkampf spielen.
Ob Rentner nun ärmer oder wohlhabender sind als noch vor Jahrzehnten, hängt allerdings von weiteren Faktoren ab. Dabei spielt auch die Höhe der Inflation eine Rolle.     

Die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) schätzen die Armutsgefahr von Rentnern dagegen anders ein. „Tatsächlich sieht es so aus, dass die Realeinkommen der Ruheständler in den letzten 30 Jahren deutlich stärker gestiegen sind als die der jüngeren Erwerbstätigen unter 45 Jahren“, sagte UVN-Hauptgeschäftsführer Volker Müller. Zudem sei die Quote der auf Grundsicherung angewiesenen Rentner deutlich geringer als etwa die von Alleinerziehenden. „Die aktuell verbreiteten Angstszenarien fußen auf Einzelbeispielen und Übertreibungen“, sagte Müller.

von Nils Oehlschläger

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