Um die wirtschaftliche Basis für den Sprung in den Profibasketball zu schaffen und das finanzielle Risiko für den Hauptverein zu minimieren, gründeten die Veilchen im vergangenen September eine Unternehmergesellschaft (UG) mit den Geschäftsführern Andreas Fink und Michael Wiese an der Spitze.
Sportlich läuft auch alles wie am Schnürchen. Die von Hans-Werner Schmidt trainierten Herren um die früheren Bundesligaspieler Marco Grimaldi, Michael Schröder und Robert Dill (Ende Februar berufsbedingt in die USA gegangen) haben noch keine Partie verloren und stehen seit Wochen als Meister fest. Die Damen um Coach Jennifer Kerns führen die Tabelle an und brauchen nur noch zwei Siege zum Titelgewinn. Weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind allerdings Zuschauerzuspruch und Sponsoren-Engagement. Angesichts der fehlenden Mittel haben jetzt Gesamt- und Abteilungsvorstand der BG sowie Beirat, Förderverein und UG „mit Zähneknirschen, aber einstimmig beschlossen“, so Spartenleiter Hans-Werner Schmidt, das Damenteam in die 2. Bundesliga Nord aufsteigen zu lassen, für die Herren aber keinen Lizenzantrag für die Pro B zu stellen. Dieser müsste spätestens am 31. März bei der AG 2. Liga eingereicht werden.
„Wir waren uns immer einig, dass wir kein finanzielles Risiko eingehen, und ich sehe keine Möglichkeit, den Aufstieg der Herren zu realisieren“, bedauert Fink ebenso wie UG-Mitgeschäftsführer Michael Wiese. „Für eine Harakiri-Aktion bin ich nicht zu haben“, stellt er klar. Schon die laufende Saison weise eine Deckungslücke auf, allerdings in sehr begrenztem Rahmen. „Die Entscheidung ist bitter für die Spieler, die so eine tolle Saison gespielt haben, und auch für mich als Trainer, aber wir müssen sie akzeptieren“, pflichtet Schmidt bei. Revidiert werden könne der Beschluss nur, wenn sich quasi sofort eine Gruppe von Sponsoren oder ein Einzelner findet, die oder der in das Projekt Pro B eine sechsstellige Summe investiert.
Nicht nur er, sondern auch viele andere BGer – wie der Fördervereinsvorsitzende Horst Wolf, so Schmidt – hätten erwartet, dass Spieler wie Grimaldi, Schröder und Dill Zugpferde für Sponsoren sein und wesentlich mehr Zuschauer in die FKG-Halle locken würden als die 230, die laut Wiese die Heimspiele im Schnitt besucht haben, gesteht Schmidt. Dass die Damen, deren Besucherschnitt kaum höher ist, den Vorzug vor den Herren erhalten, liegt für Fink aus mehreren Gründen auf der Hand. „Nach dem Rückzug aus der Bundesliga war es immer unser gemeinsames Ziel, die Damen mittelfristig wieder in die 2. Liga zu führen und dann zu schauen, ob es eventuell noch höher gehen kann“, sagt Fink, der auch Teammanager der Damen ist. Entscheidender sei allerdings, dass die Damen kein Lizenzierungsverfahren durchlaufen müssten, die Fahrt- und Schiedsrichterkosten kaum stiegen und bei der Liga lediglich eine Kaution von 5000 Euro hinterlegt werden müsse. Er rechne mit einem Gesamtetat für die Damen von 50 000 bis 60 000 Euro, der von der UG auch finanzierbar sei.
Für die Herren müssten hingegen 150 000 Euro aufgebracht werden, schätzt Fink und fürchtet zudem, dass das BG-74-Team immer im Schatten der Bundesligamannschaft stehen werde – gleichgültig, ob es in der 1. Regionalliga oder der Pro B spielt – und daher für Sponsoren und Zuschauer wenig attraktiv sei. Unter Umständen komme man mit 100 000 Euro hin, wenn das Gros des jetzigen Regionalligateams gehalten werden könne, relativiert Schmidt. Aber auch diese Summe, weiß er, ist zurzeit nicht aufzutreiben. Für den Lizenzantrag selbst würden von der zu zahlenden Kaution in Höhe von 3000 Euro nur 200 Euro als Gebühren einbehalten, hat der Trainer und Abteilungsleiter beim Zweitliga-Treffen am 13. Februar in Kassel erfahren. Der Antrag könne bis Ende Mai ohne Begründung zurückgezogen werden, ohne dass weitere Kosten oder Strafgelder fällig würden. Allerdings müsse er am 31. März komplett vorliegen, andernfalls könne die Liga für jedes Versäumnis Strafgelder in bis zu vierstelliger Höhe verhängen. Zudem müssten für jeden Spieler, der von einem anderen Verein verpflichtet wird, 750 Euro in einen Ausbildungsfond gezahlt werden. Ausländische Spieler müssten darüber hinaus als Vollprofis bezahlt werden.
Vor dem Hintergrund dieser Forderungen haben die BG-Gremien in drei gemeinsamen Sitzungen mit Vertretern des Bundesliga-Lizenzinhabers Starting five (S5) GmbH alternative Strategien und Konstruktionen erörtert, die die Etatdeckung ermöglichen könnten. Eine Option, so Schmidt, sei die Kooperation mit ASC 46 und S5 mit dem Ziel, ein Gesamtkonzept für Göttinger Mannschaften von der Oberliga bis zur 1. Bundesliga unter Einbeziehung der Nachwuchsbasketball-Bundesliga (NBBL) zu entwickeln. Hier habe der ASC abgewinkt, da die Planung für eine Umsetzung in der nächsten Saison zu spät beginnen würde und für ihn die Förderung des Jugendleistungsbereichs Priorität besitze.
Zweite Alternative sei, dass das Pro-B-Team als Farmteam der Bundesliga-Mannschaft mit Doppellizenzspielern unter das Dach der S5 schlüpft. „Wir haben das durchgespielt“, bestätigt S5-Geschäftsführer Marc Franz, „mussten aber schnell erkennen, dass ein solches Konstrukt zum jetzigen Zeitpunkt nicht finanzierbar ist. Sportlich ist es sicher sinnvoll, deshalb könnte es in Zukunft interessant werden. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es aber ein finanzielles Abenteuer, das wir nicht eingehen können“, bedauert Franz. So bleibt Hans-Werner Schmidt und seiner Überflieger-Formation wohl nichts anderes übrig, als erneut in der 1. Regionalliga anzutreten. In der Hoffnung, dass der Stamm der Mannschaft zusammenbleibt, die Spieler nicht in ein tiefes Motivationsloch fallen und den Erfolg der aktuellen Saison wiederholen können, um im nächsten Jahr einen neuen Anlauf zu nehmen.
Goettinger-Tageblatt.de Anmeldung
Kommentare
Zuschauerzahlen Matt-Effect – 26.03.11
Ich war so ziemlich bei jedem Heimspiel sowohl der Damen als auch der Herren und es stimmt, dass bei den Damen meißt deutlich mehr Leute den Weg in die Halle gefunden haben... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenAufstieg Basketballfan – 24.03.11
Tja, schon komisch, dass die BG 74 und die BBL BG zu Wort kommen und der ASC nicht. Vielleicht haben die auf die GT Anfrage ja auch "abgewinkt". Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenPeinlich Skeptiker – 24.03.11
Der ASC habe abgewunken? Gibt es dazu eigentlich auch ein Statement des ASC? Das scheint mir eher einseitig recherchiert worden zu sein...Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Pro-B Basketballfan – 24.03.11
vielleicht hätte man die planungen für die pro-b beginnen sollen und über die finanzierung sowie vermarktung nachdenken sollen, bevor man die 50.000 euro in der regio in den wind geschossen hat. aber war das ursprüngliche ziel nicht, sich vor dem stadtrivalen asc zu platzieren? das wurde doch erreicht ... somit ist doch alles in ordnung, oder? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenAufstieg mm – 24.03.11
vielleicht hätte man die planungen für die pro-b beginnen sollen und über die finanzierung sowie vermarktung nachdenken sollen, bevor man die 50.000 euro in der regio in den wind geschossen hat. aber war das ursprüngliche ziel nicht, sich vor dem stadtrivalen asc zu platzieren? das wurde doch erreicht ... somit ist doch alles in ordnung, oder? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenasc bürger – 24.03.11
"Hier habe der ASC abgewinkt, da die Planung für eine Umsetzung in der nächsten Saison zu spät beginnen würde und für ihn die Förderung des Jugendleistungsbereichs Priorität besitze."Aha und wer verschleppt seit Jahren die Chance auf eine Kooperation? Der ASC!! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Meister BG 74 bleibt Sprung in Pro B verwehrt Damen und Herren-Unterstützer – 24.03.11
Ich möchte hier nur kurz eine Anmerkung zu den Zuschauerzahlen machen.Wer jemals im FKG I ein Spiel der Regionalliga Damen und Herren verfolgt hat, hat den Unterschied deutlich gesehen und gespürt.
Wenn man bei den Herren einen Schnitt von 230 Zuschauern pro Spiel ansetzt, macht das über die Saison bei 11 Heimspielen 2530 Zuschauer. Da beim Lokalderby allein ca. 900 Zuschauer in der Halle waren, bleiben für die restlichen 10 Spiele noch 1630 Zuschauer. Dies ergibt dann einen Schnitt von 163 Fans die die 1. Regionalliga Herren unterstützt haben.
Da hatten die Damen im Schnitt weit mehr Fans in der Halle. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Kommentar schreiben
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet sein!